Kampfzone Kaff oder Back to the roots

von Philipp Schlüter (24. Juli 2018)

 

 

Souverän humorvoll und mit dem richtigen Gespür für die mitunter ulkigen Befindlichkeiten im Kleinkosmos Dorf erzählt Jan Böttcher in seinem neuen Roman »Das Kaff« von der Rückkehr aus der Großstadt in die niederdeutsche Provinz. Der aus Lüneburg stammende Autor zeigt in seinem Text, wie sehr das »Kaff« auch noch nach Jahren der Abwesenheit in einem steckt, und das es sich lohnen kann, sich ganz sportlich auf ein Rückspiel mit dem Alltag dort einzulassen.

Kaff-Geschichten haben Hochkonjunktur. Man denke nur an die guten Bücher von Saša Stanišićs »Vor dem Fest«, an Juli Zehs »Unterleuten« oder an Dörte Hansens »Altes Land«. Jan Böttcher macht durch den Titel »Das Kaff« – ähnlich einem negativen Vorzeichen – noch vor allen anderen klar, wie in seinem Roman auf das provinzielle Dasein im Dorf geschaut wird. Klar, bei dieser Haltung kann das Buch nicht verweilen, sonst langweilt es irgendwann. Das weiß sein Autor. Es ist erfrischend, dass Böttchers Hauptfigur nicht bei dieser Einseitigkeit stehenbleibt, andererseits am Ende aber auch nicht als glühender Wiedereingedorfter das manchmal durchaus kaf[f]kaesk erscheinende Alltagsleben verklärt. Subtil zeigt uns diese Geschichte: eigentlich alles doch ganz in Ordnung hier in der heimatlichen Provinz.

Vom geheimen Leben in unseren Kleiderschränken

von Franziska Schleicher (23. Juli 2018)

 

 

Jetzt hat der Guido auch noch einen Roman geschrieben. Ziemlich genau das ging mir durch den Kopf, als ich das erste Mal Das rote Kleid vor mir sah. Neugierig wie ich bin, wusste ich aber, dass ich mir dieses Buch doch einmal genauer anschauen muss.

Kretschmers erster Roman – er hat vorher schon zwei Ratgeber veröffentlicht – handelt von Anascha. Die ist ein rotes Seidenkleid und aus ihrer Perspektive wird auch die Geschichte erzählt. Richtig gelesen: hier sind die Kleidungsstücke die Protagonisten. Der Roman erzählt die Lebensgeschichte Anaschas. Kurz nach ihrer Geburt wird sie in einen Kostümfundus für einen Filmdreh (mit Menschen – so ganz ohne kommt der Roman dann doch nicht aus) gebracht. Dort erklären ihr die vielen Klamotten, auf die sie trifft, die Welt: Dass es das Ziel eines jeden Kleidungsstücks ist, ein Lieblingsteil zu werden und in einem Schrank ein Zuhause zu finden.

Kampf um den Stummfilm

von Hannah Deininger (4. Juli 2018)

 

 

In das Berlin der 1930er Jahre reist der Leser zusammen mit dem Kommissar Gereon Rath. Eine Schauspielerin stirbt durch einen tragischen Unfall bei den Dreharbeiten zu einem neuen Tonfilm. Gereon Rath wird gerufen, da man an der Zufälligkeit des Unfalls zweifelt.

Schon bald zeichnet sich ab, dass es bei Weitem kein Zufall war, der der jungen Schauspielerin das Leben kostete. Nachdem sich die Morde an jungen Schauspielerinnen häufen, nimmt der Krimi von Volker Kutscher Fahrt auf. Neben der fesselnden Kriminalhandlung ist es interessant mitzubekommen, wie die Filmwelt sich wandelte, hin vom Stumm- zum Tonfilm. Aus Sicht der Schauspieler, Regisseure, Produzenten und Geldgeber der Filmindustrie wird detailliert beschrieben, wie der Wandel sich langsam vollzieht. Eine Entwicklung, die den meisten unserer Generation im Detail nicht bekannt sein dürfte. Und wie manche versuchen an der alten Kunst festzuhalten, obwohl die Neuheit des Sprechfilms alles zu überrollen droht.

Eine Welt ohne Berührungen

von Janet Ghotoyian (23. Juni 2018)

 

 

 

London in der Zukunft. Ein Gesetz untersagt es Menschen sich zu berühren, denn Regierung und die gesamte Bevölkerung haben Angst vor den sogenannten „Magdalenen“ – Menschen, die die Fähigkeit besitzen durch eine bloße Berührung die Gedanken ihres Gegenübers zu lesen und zu manipulieren.

Die junge Rea besitzt diese Gabe und versteckt sie so gut wie möglich, da sie sonst in Gefahr geraten würde. Nur während illegaler Faustkämpfe zeigt sie ihr wahres Talent. Doch dann wird sie vom britischen Geheimdienst entführt und erhält die Aufgabe als Leibwächterin das Leben des Kronprinzen zu beschützen. Ein neues Leben voller Geheimnisse beginnt für sie und sie kommt dem Prinzen Robin auch gefühlsmäßig näher. Dabei ist sie selbst sein größter Feind.

Lesen, verlieben, warten.

von Ines Reckziegel (10. Juni 2018)

 

 

Disclaimer: Eigentlich habe ich Save Me von Mona Kasten nur gelesen, weil sich der Klappentext ein bisschen anhörte wie 50 Shades of Grey und ich was lesen wollte, worüber ich mich amüsieren kann. Ich hatte also keine großen Erwartungen an das Buch und wurde sehr positiv überrascht.

Ruby Bell geht auf eine der renommiertesten Privatschulen Englands, aber nicht weil ihre Eltern reich sind, sondern weil sie ein Stipendium bekommen hat. Ihre Mitschüler schwimmen nur so im Geld, feiern wilde Partys und können sich so manchen Spaß erlauben - die Eltern zahlen ja schon, wenn was schief läuft. Rubys Traum ist es nach Oxford zu gehen und dafür hat sie hart gearbeitet. Doch in ihrem letzten Schuljahr sieht sie etwas, was ihre ganze Arbeit kaputt machen könnte, denn nachdem sie die letzten Jahre erfolgreich unsichtbar war, weiß nun die High Society vom Maxton Hall College wer sie ist. Allen voran James Beaufort. Er verkörpert alles, was Ruby abstoßend findet, doch während sie einfach nur alleine gelassen werden möchte, setzt James alles daran sie im Blick zu behalten. Was folgt sind unangenehme Situationen, in denen beide merken, dass da etwas zwischen ihnen ist, wogegen sie nicht ankommen. Und langsam aber sicher verliebt sich Ruby in James, auch wenn sie das eigentlich gar nicht will...