Rucksack packen und los

von Rebecca Hertlein (10. Mai 2019)

 

Fast jeder von uns denkt im Laufe seines Lebens irgendwann mal daran, wie gerne er einfach losgehen würde. Nur seinen Rucksack packen, ohne festes Ziel und ohne Zeitlimit. Christopher Schacht erfüllt sich in seinem autobiographischen Buch Mit 50 Euro um die Welt genau diesen Wunsch.

Er ist insgesamt vier Jahre unterwegs und reist komplett ohne Flugzeug. Unterwegs lernt er segeln, trifft Menschen, die ihm immer weiterhelfen und in manchen Fällen wie eine Familie für ihn werden, spricht am Ende der Reise mehrere neue Sprachen, darunter Spanisch, Italienisch, Russisch und Filipino. Er lernt die Liebe seines Lebens kennen. Er sieht beeindruckende Landschaften, atemberaubende Natur. Er lernt, mit richtig wenig Geld auszukommen, immerhin startet er seine Reise mit nur 50 Euro und schafft es, sich damit durchzuschlagen. Wichtig ist ihm dabei stets, den Menschen, die so großzügig zu ihm sind, etwas zurückzugeben, deswegen hilft er mal bei der Feldarbeit, mal im Haushalt, mal auf Segelbooten und noch viel mehr.

Süditalien und das Erwachsenwerden

von Rebecca Hertlein (8.Mai 2019)

 

Den Himmel stürmen. In seinem neuen Roman schreibt Paolo Girodano über vier junge Menschen, die sich im Alter von 16 kennenlernen und begleitet sie über die nächsten 20 Jahre hinweg, auf ihrem Weg, den Himmel zu stürmen.

Theresa kommt eigentlich aus Turin, verbringt aber jedes Jahr die Sommerferien in Apulien bei ihrer Großmutter. Bern, Tommaso und Nicola leben nebenan, bei einem, wie man sagen könnte, Bibelfanatiker. Nicola ist der einzige leibliche Sohn, Bern und Tommaso sind sozusagen adoptiert. Diese Tatsache allein führt schon manchmal zu Spannungen zwischen den Dreien, doch als dann auch noch Theresa dazukommt, wird die Sache kompliziert. Im Laufe der Jahre werden die vier zu Sektenmitgliedern, Ökoaktivisten, Hausbesetzern, teilweise Drogensüchtigen. Sie verlieben sich ineinander, streiten sich, verlieren sich aus den Augen und finden wieder zusammen.

Ein Mexiko- Roman über zwei Brüder, brave Jungs, Rausch, Rache und Menschlichkeit

von Svenja Schrader (3. Mai 2019)

Guillermo Arriagas, eigentlich gefeierter, mexikanischer Drehbuchautor veröffentlicht mit „Der Wilde“ 2018 seinen dritten Roman. Einen Roman, bei dem man sich durchaus zwischendurch zu fragen beginnt, wie viele eigene Erfahrungen Arriaga, der seinen Geruchssinn bei einem Straßenkampf verlor, hat einfließen lassen.

Auf 750 Seiten erzählt er einerseits die Geschichte von Juan Guillermo, der mit 17 Jahren in einem der düsteren Viertel von Mexiko Stadt erst seinen Bruder verliert und dann zum Weisen wird. Andererseits verfolgt der Leser, wie ein Inuit von einer Vision getrieben, verzweifelt versucht in Kanada einen Wolf zu erlegen. Soviel sei verraten, die beiden Erzählstränge führen am Ende zusammen.

Große Gefühle und kleine Ponys

von Franziska Schleicher (27. April 2019)



Wer auf Dorfromantik, Tierarzt-Schwärmereien und den ganz großen Kitsch steht, der sollte sich den Erstlingsroman der jungen deutschen Autorin Lisa Keil auf keinen Fall entgehen lassen. In Bleib doch, wo ich bin muss Kaya, Buchcafé-Besitzerin und Pony-Liebhaberin, ihrer Nichte Milli aus der Patsche helfen. Die hat während ihres Schulpraktikums nämlich ziemlich Mist gebaut und muss sich jetzt vor ihrem Aushilfslehrer verantworten.

Aus Angst vor ihrer Mutter, bittet sie ihre Tante Kaya sich als deren Schwester auszugeben – samt Brille mit viel zu starken Gläsern, durch die Kaya ihre Umwelt (und natürlich den Lehrer) nur schemenhaft erkennt. Wäre kein Problem, würde sie nicht eben jenen Herrn Fries auf dem Dorffest treffen und sich dort in ihn verlieben, während er sie für die Mutter einer Schülerin hält. Da ist das Chaos natürlich vorprogrammiert und wird durch kleine Notlügen, einen besten Freund, der selbst unsterblich in Kaya verliebt ist, und die stete Angst vor dem Dorftratsch nur noch schlimmer.

Von den Geheimnissen der Vergangenheit

von Franziska Schleicher (9. April 2019)



Angst ist meist die Grundidee eines guten Thrillers. In ihrem neuesten Roman Einer wird sterben spielt die Hamburger Autorin Wiebke Lorenz mit der Angst ihrer Protagonistin Stella. Diese wohnt mit ihrem Mann Paul, einem Piloten, in einer wohlhabenden und ruhigen Wohngegend, in der eine neu gebaute Immobilie und ein rechthaberischer Nachbar die scheinbar größten Probleme sind. Bis plötzlich ein fremdes Auto in der Sackgasse parkt. Darin sitzt ein Paar, das sich über Tage und Nächte hinweg nicht von der Stelle bewegt. 

Die Nachbarn finden das etwas merkwürdig, in Stella löst es allerdings reine Panik aus. Vor Jahren waren sie und ihr Mann an einem Unfall beteiligt, bei dem Pauls Ex-Frau starb und von dem niemand die ganze Wahrheit kennt. Als sich die Anzeichen häufen, dass Stellas und Pauls Geheimnis keines mehr ist, verliert Stella immer mehr die Fassung und verrennt sich in ihre Angst. Wollen die Leute im Auto am Ende das mühsam aufgebaute Kartenhaus ihres Lebens zerstören?