Ein Haus als Zeuge verschiedener Zeiten

Von Michaela Minder (22. August 2020)


Schädlich beginnt den Roman „Die Villa“ mit einem Prolog, der mit recht minimalistischem Satzbau die „Hauptfigur“, eine Villa im Gründerzeitbau, 1890 errichtet, beschreibt. Diese Villa ist der Dreh- und Angelpunkt für eine Geschichte, die zwischen 1931 und 1950 spielt. Hier wird bereits das Unterfangen Schädlichs klar, sich vom Ende der Weimarer Republik bis zu den Anfängen der DDR zu bewegen und in dieser Periode des ständigen Umbruchs, von einer Zeit in die nächste, die zur vorherigen nicht unterschiedlicher sein könnte, immer wieder zu besagter Villa als Konstante zurückzukehren. Gewissermaßen fungiert die Villa deshalb als Zeuge dieser verschiedenen Zeiten, aber auch als deren Spiegel, da sie sich nach außen hin mit ihnen verändert, aber tatsächlich im Kern einfach die Villa von 1890 bleibt. 

Affäre mit Primzahlen

Von Anna Brodmann (19. August 2020)


Als Einstein und Gödel spazieren gingen
ist eine Essaysammlung zu mathematisch-naturwissenschaftlichen Phänomenen (auf ein Laien-Niveau heruntergebrochen) und die Auswirkungen dieser Erkenntnisse auf unser Weltverständnis. Meine Erwartungen waren durchwachsen. Einerseits hatte ich Lust meinen alten Bekannten (die Mathematik) mal wieder zu besuchen, zu schauen wie es ihm so geht und mir einen anderen Blick auf die Welt zu erschließen. Andererseits hatte ich Angst vor seinen zu umständlichen Erklärungen und den Flashbacks zu grausamen Mathestunden meiner Schulzeit. 

Präsidentinnensohn meets Thronfolger

von Rebekka Barta (19. August 2020)


Was wäre, wenn der Sohn der ersten Präsidentin der USA und der britische Thronfolger mehr als nur befreundet wären? Diese Frage stellt sich Casey McQuiston in ihrem Debütroman Royal Blue. Alles beginnt mit einem Streit und dem Einsturz einer sündhaft teuren Hochzeitstorte. Eigentlich kann Alex Henry überhaupt nicht leiden und nennt ihn liebevoll den „Arschloch-Prinz“. Dummerweise hat ihre kleine Auseinandersetzung aber weitreichende Folgen und führt dazu, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien rapide verschlechtern. Um die Situation zu entschärfen sollen die beiden den Medien weismachen, dass sie eigentlich beste Freunde sind und sich längst wieder versöhnt haben. Dabei merken sie, dass vielleicht sogar mehr als das sein könnten. Sein wollen. Doch eine Beziehung zwischen einem amerikanischen Präsidentinnensohn und einem britischen Prinzen… ist das überhaupt möglich? 

Von Schneckentempo bis Jahreszeit

von Jasmin Wieland (18. August 2020)


Kommt Zeit, kommt Rat. Wie uns die vielen Sprichwörter demonstrieren, ist der Faktor Zeit aus unserem Leben nicht wegdenkbar. Doch wie erklärt man eigentlich den Kleinsten der Kleinen, was ‚Zeit‘ bedeutet? Die Antwort, so mag es zumindest die Idee Bernadette Gervais sein, ist eindeutig: Am besten abbilden! Und so zeigt sie in ihrem Bilderbuch für Kinder ab 2 Jahren unterschiedlichste Prozesse in einem Zeitverlauf. 

Wie viel unserer Familiengeschichte steckt in uns?

von Michaela Minder (16. August 2020)


In „Die Bagage“ verarbeitet Helfer Elemente ihre eigenen Familiengeschichte. Der Roman handelt von Maria Moosbrugger, ihrem Ehemann Josef und deren fünf Kindern. Maria ist die Großmutter der Autorin, wodurch bereits die Besonderheit dieser Erzählung anklingt. Viele biographische Elemente gehen auf Erzählungen von Helfers Tante, eine der Töchter von Maria, zurück. An manchen Stellen wird die Geschichte fiktiv ausgefüllt, was Helfer jedoch äußert organisch meistert.