Kampf um das Überleben in thüringischen Wäldern

von Verena Heber (19. Februar 2019)


Die ehemalige Wanderhure Marie lebt nun friedlich mit ihrem Mann Michel und ihren Kindern auf Burg Kibitzstein. Gemeinsam verwalten sie die dazugehörigen Dörfer. Doch nachdem Michel aufbricht, um König Friedrich im Kampf gegen die Ungarn zu unterstützen, flammen alte Fehden zwischen den Thüringern wieder auf. Marie und ihre Tochter geraten auf einer Feier in einen Hinterhalt und müssen gemeinsam mit der Nonne Ignatia fliehen.

Der historische Roman stammt von einem Autorenehepaar, die unter dem Pseudonym »Iny Lorentz« bekannt sind. Es ist mittlerweile der siebte Band der sehr erfolgreichen Reihe der »Wanderhure«. Einige der ersten Bände, wie auch andere historische Romane von Iny Lorentz, wurden verfilmt, wodurch sie noch bekannter wurden.

Familie muss man hinnehmen, Entscheidungen kann man selbst treffen

von Jana Lickteig (16. Februar 2019)

Die andere Seite der Seele


Erstmals nach 21 Jahren kehrt die gebürtige Chilenin Ana, die als Journalistin in London arbeitet, zurück in ihre Heimat. Dort sieht sie sich nicht nur mit komplizierten Familienverhältnissen konfrontiert, sondern muss auch lernen, dass sie nicht jedem größeren Problem in ihrem Leben einfach davonlaufen kann. In Die andere Seite der Seele gewährt die chilenische Autorin Carla Guelfenbein dem Leser einen Einblick in das Leben der wohlhabenden chilenischen Gesellschaft, in der alles daran gesetzt wird, den Schein einer gut funktionierenden Familie, beziehungsweise Ehe,  nach außen hin aufrechtzuerhalten.

Abwechselnd lässt Guelfenbein die drei Frauen Ana, Daniela und Cata zu Wort kommen und zeigt eindrücklich auf, welche Folgen Schweigen, fehlendes Verständnis, Eifersucht und das erdrückende Gefühl, alles richtig machen zu müssen, in verschiedenen Beziehungskonstellationen nach sich ziehen kann.

Was einmal funktioniert, funktioniert auch ein weiteres Mal

von Janine Vogelsang (03. Februar 2019)



Als 2015 Dörte Hansens Erstling Altes Land erschien, traf er einen Lebensnerv: die Hinwendung zum Land, die Suche nach Sicherheit in unsicheren Zeiten, die Problematik von Flucht und Vertreibung (und wie man mit den Neubürgern denn umgehen sollte), aber auch der Zerfall der Familien und die Zumutungen des modernen Arbeitslebens. Die Kritiker waren begeistert, der Roman führte über Wochen alle Bestsellerlisten an. Für ein Debut ein ungeheurer Erfolg, der aber nicht nur auf der Geschicklichkeit basierte, mit der Hansen schwierigste Themen in kurzen, fast schon lakonischen Sätzen dem Leser nahebrachte. 

Tatsächlich traf man hier auch große Literatur an, großartige Montagen aus Rückblenden und Gegenwartsbetrachtungen, die damit den zeitlichen Zusammenhang von Vergangenheit und Zukunft deutlich machten. Ohne Frage schrieb sich hier eine große Autorin etwas von der Seele, was sie selbst betraf, auch wenn eine autobiographische Deutung mehr als unangemessen wäre für die Weite, die dieser erste Roman behandelte. Schon damals auffällig war die metaphernreiche Sprache, die Schilderung der Landschaft als integralen Bestandteil der Charakterzeichnung, der Zusammenhang von Mensch und Natur. Dass vielleicht nicht jeder narrative Strang ausgereizt war, konnte man aufgrund des Gesamtbildes leicht verschmerzen. Hier ging es nicht um sinnlose Nostalgie, sondern es wurde ein Zeitpanorama entworfen, indem das Landleben als Teil von etwas Großem fungierte. 

Was geschieht aber nun in Hansens neuem Roman Mittagsstunde? Nun, im Wesentlichen dasselbe. Was aber überhaupt kein Urteil über die Qualität des Romans ist.

Der Unheimliche Monsieur Houellebecq

von Janine Vogelsang (28. Januar 2019)



Wieder ging ein Rauschen durch den Blätterwald, Michele Houellebecq hatte sein neues Buch angekündigt. Die professionellen Rezensenten taten daraufhin das, was sie am besten können: sie rührten kräftig die Werbetrommel. Von besorgt-alarmistisch (Die Zeit) bis besorgt-wohlwollend (Die Welt) waren alle Schattierungen vertreten. Weitergehend wurde nicht nur versucht die Krise des modernen Frankreichs mit seinen renitenten Einwohnern anhand des Buches zu erklären, sondern auch den Niedergang des „alten, weißen Mannes“ und des Abendlandes in seiner Gesamtheit. Man sieht also hier schon, dass Houellebecq (vermeintlich) die ganz großen Themen behandelt, die dicken Bretter bohrt. Die Frage ist nur, ob hier einem Roman nicht sehr viel, vielleicht zu viel zugemutet wird.

Denn es scheint vielmehr der Fall zu sein, dass Houellebecq in bester postmoderner Tradition ein Deutungsangebot vorlegt, in welchem sich jeder wiederfindet. Die liberale Feministin ist darin bestätigt, dass Männer ohnehin nur triebgesteuerte Maschinen sind, ohne eigentliche Emotionen und wenn doch, dann artet es in Stalking und Mordversuche aus. Der konservative Kulturkritiker erkennt die Unausweichlichkeit des Untergangs durch die Selbstaufgabe der westlichen Zivilisation. Der besorgte Anhänger der Gelbwesten wird die Vernichtung der Landwirtschaft als großen, sinisteren Plan identifizieren, der die Selbstausbeutung des Menschen vorantreiben will. Kapital vor Menschen, wird er zustimmend sich selbst nach der Lektüre zunicken. Der Literaturkenner wird die ungeheuren Provokationen als interessantes Stilmittel loben oder verdammen, aber sich selbst in der Meinung zustimmen, hier einen großen (oder zumindest interessanten) Roman vor sich zu haben, der Anspruch auf Gesellschaftsgeltung erheben kann.

Das Mädchen auf einem roten Pferd

von Anna Hechler (21. Januar 2019)

Für eine Allianz zwischen den Königreichen Havemont und Mynaria soll Denna denPrinzen heiraten, eine Aufgabe, auf die sie ihr ganzes Leben gewartet hat, obwohl sie das gut gehütete Geheimnis der Magie mit sich trägt, das ihr den Kopf kosten könnte. Doch als die Prinzessin von Mynaria, Mara, ihr zu zeigen beginnt, was Freiheit und Selbstbestimmung bedeuten, kommt sie ins Schwanken. Ihre Pflichten sind ihr wichtig … Wichtiger als die Liebe zu Mara?

Audrey Coulthursts Debütroman Eine Krone aus Feuer und Sternen beginnt mit dem stereotypierten Grund einer königlichen Heirat: die Verbindung zweier Königreiche. Auch mutet die Anfangssequenz, in der man von Dennas magischen Feuerfähigkeiten erfährt, dem Anfang von Die Eiskönigin – völlig unverfroren an, sodass man sich zu Beginn fragt, ob man hier eine verschriftlichte Version von Elsa vor sich liegen hat. Der erste Eindruck kippt allerdings, sobald Denna nach Mynaria gelangt und auf ihren Verlobten, Prinz Thandilimon, und seine Schwester, Prinzessin Mara trifft. Bereits die erste Begegnung verläuft alles anders als erwartet und auch die nachfolgende Handlung wartet mit weiteren Überraschungen auf. Denna wird durch die Intrigen und Missstände der Regierung von Mynaria geschleift, ohne sich dem entziehen zu können, wobei schnell klar wird, dass die Allianz zwischen den beiden Königreichen noch viel mehr bedeutet, als sie geahnt hat: das Verbot jeglicher Magie. Mit dem Tod vom sofort sympathischen und ins Herz geschlossenen Königsbruder gerät die königliche Familie und der Hohe Rat Mynarias in einen Abwärtsstrudel, gegen den Denna und Mara sich mit Leibeskräften wehren – die eine, weil sie ihr Land vor dem Ruin retten will, und die andere, weil sie ihre Pflichten erfüllen möchte und auch um ihr eigenes Geheimnis kämpft.