13 reasons why there's a murderer in the Breakfast Club

von Florian Grobbel (29. August 2018)

 

Lange Flure, die gerade frisch gebohnert wurden. Rechts und Links zahllose Spinde, vor denen Statisten-Schüler herumlungern, während der Star der Baseballmannschaft durch den Gang wandelt, begleitet von der Cheerleaderqueen und kritisch beäugt von pickligen Nerds aus dem Chemielabor. Wer gelegentlich Netflix schaut, weiß wo wir uns befinden: Eine typische amerikanische High School. Doch so typisch ist sie im Fall von One of us is lying dann doch nicht. Ein Mörder drückt dort die Schulbank.

Karen M. McManus schämt sich nicht, für ihren Roman in die Klischeekiste zu greifen und stellt dem Leser die vier Protagonisten ihres Debütromans vor. Da gibt es Bronwyn: Brillenträgerin, Nerd, zukünftige Yale-Studentin. Das genaue Gegenteil stellt Addy dar: Cheerleaderin, blond, hübsch, auf einer sozialen Stufe mit Cooper: Sportler, Baseballprofi, erfüllt den Traum seines Dads. Der vierte Protagonist, der den Leser nun endgültig an The Breakfast Club denken lässt, ist Nate: Drogendealer, gibt einen feuchten Dreck auf Autoritäten, Familie aus dem Sozialen Brennpunkt.

Zwischen den Welten

von Hannah Deininger (9. August 2018)

 

Die Fangemeinde von Louisa Clark durfte sich dieses Jahr erneut freuen: Mit dem Roman Mein Herz in zwei Welten kam ein weiterer Roman um die junge Frau aus Stortfold heraus. Diesmal wagt sich Lou, deren Radius von Buch zu Buch großer wird, hinaus in die weite Welt – bis über den Atlantik nach New York.

Hier nimmt sie einen Job als Assistentin der jungen Agnes Gopnik aus der Upper Class an. Das Leben in einem Haushalt, in dem so viele Dienstboten ein- und ausgehen, in dem sich das tägliche Leben um andere Probleme dreht und in dem Lou als eine der Dienstbotinnen unsichtbar ist, erschlägt sie zunächst. Nach und nach kommt Lou in New York und ihrem neuen Leben an. An ihren freien Wochenenden erkundet sie immer mehr die Stadt, findet Freunde und schafft sich einen Rahmen, in dem sie mehr als die Assistentin von Mrs. Gopnik ist. Obwohl Agnes stets betont, dass Louisa wie eine Freundin für sie ist, merkt Lou schmerzlich, dass man auf Worte nicht immer viel geben kann. Als Lou am Boden ankommt passiert aber das, was bei Jojo Moyes immer passiert: Das Schicksal ist Louisa gewogen und immer noch mit den Worten von Will (ihre große Liebe aus Band 1) im Herzen, rappelt sie sich wieder auf.

Tod im Artuswald

von Dominik Achtermeier (2. August 2018)

 


 

„Die Korsen, eigentlich wohlgelitten in der Bretagne, hatten für eine prachtvolle Korsika-Werbebroschüre, welche die einzigartige Schönheit der korsischen Mittelmeerküste zeigen sollte, unverfrorenerweise Fotos eines bretonischen Strandes verwendet. [...] Das Mittelmeer warb mit Bildern der Bretagne! Weil bretonische Strände die mediterransten waren!“

Worum gehts?

Ein Betriebsausflug des Kommissariats von Concarneau führt Kommissar Dupin und sein Ermittlerteam in den sagenumwobenen, 7700 Hektar großen Eichenwald von Brocéliande. König Artus, Löwenritter Iwein und viele weitere Helden der mittelalterlichen Epik sollen an diesem Fleckchen Erde zuhause gewesen sein. Für einen Pariser Kollegen will Dupin während des Ausflugs den Artus-Forscher Cadiou aufsuchen und stolpert regelrecht über seine Leiche. Als die Leiche eines weiteren Wissenschaftlers unweit des im Wald gelegenen Brunnens der Laudine gefunden wird und der Verdacht nahe liegt, dass auch ein bereits vor Monaten verstorbener Mediävist gleich wie die beiden anderen Mordopfer in Beziehung zu der just zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Tagung steht, hat man Dupin kurzerhand die Ermittlungen überlassen und der Betriebsausflug ist Geschichte. Die tagenden Wissenschaftler versuchen sich von den Morden unbeeindruckt zu zeigen und doch kommen Verhältnisse untereinander bald zum Vorschein. Auch von dem Großprojekt Cadious Ehefrau, die den Wald in einen Erlebnispark verwandeln will, in welchem Iwein als 3D-Figur bald schon gegen den Schwarzen Ritter kämpfen soll, zeigt sich nicht jeder begeistert und scheint hierfür auch über Leichen zu gehen.

Neuanfang

von Rebekka Barta (30. Juli 2018)

 

 

Berühre mich. Nicht. bildet den Auftakt einer New Adult Dilogie. Nach ihrem Schulabschluss hat Sage nur ein Ziel: mit ihrer Vergangenheit abschließen und neu anfangen. Auch wenn sie weiß, dass sich dieser Neuanfang schwierig gestalten wird.

Als sie in Nevada, wo sie studieren wird, ankommt, besitzt sie nichts. Sie hat kein Geld und muss in ihrem Auto schlafen. Ihr größtes Problem sind aber wohl ihre Ängste und Panikattacken, die sie immer wieder einholen. Aufgrund ihrer Vergangenheit hat Sage ein Problem mit Männern, fürchtet sich regelrecht vor ihnen. So auch vor Luca Gibson. Trotzdem nimmt sie, um ihre Studiengebühren bezahlen zu können, einen Job an, bei dem sie stundenlang allein mit ihm ist. Anfangs noch völlig panisch, merkt Sage mit der Zeit, dass sie Luca falsch eingeschätzt hat, ihm sogar vertrauen kann und auch die Anziehungskraft zwischen den beiden wird immer stärker.

Kampfzone Kaff oder Back to the roots

von Philipp Schlüter (24. Juli 2018)

 

 

Souverän humorvoll und mit dem richtigen Gespür für die mitunter ulkigen Befindlichkeiten im Kleinkosmos Dorf erzählt Jan Böttcher in seinem neuen Roman »Das Kaff« von der Rückkehr aus der Großstadt in die niederdeutsche Provinz. Der aus Lüneburg stammende Autor zeigt in seinem Text, wie sehr das »Kaff« auch noch nach Jahren der Abwesenheit in einem steckt, und das es sich lohnen kann, sich ganz sportlich auf ein Rückspiel mit dem Alltag dort einzulassen.

Kaff-Geschichten haben Hochkonjunktur. Man denke nur an die guten Bücher von Saša Stanišićs »Vor dem Fest«, an Juli Zehs »Unterleuten« oder an Dörte Hansens »Altes Land«. Jan Böttcher macht durch den Titel »Das Kaff« – ähnlich einem negativen Vorzeichen – noch vor allen anderen klar, wie in seinem Roman auf das provinzielle Dasein im Dorf geschaut wird. Klar, bei dieser Haltung kann das Buch nicht verweilen, sonst langweilt es irgendwann. Das weiß sein Autor. Es ist erfrischend, dass Böttchers Hauptfigur nicht bei dieser Einseitigkeit stehenbleibt, andererseits am Ende aber auch nicht als glühender Wiedereingedorfter das manchmal durchaus kaf[f]kaesk erscheinende Alltagsleben verklärt. Subtil zeigt uns diese Geschichte: eigentlich alles doch ganz in Ordnung hier in der heimatlichen Provinz.