Coming of Age einer Autorin
von Tessa Friedrich (06. Juni 2019)

 

 

„Die Wahrheit ist nie hässlich. Nur das Missverständnis. Wie die Welt beschaffen ist, erforschen die Naturwissenschaften. Warum die Welt erschaffen ist, verdrängen die Naturwissenschaften. Wir sind immer die heute Lebenden. Und nie dieselben.“

In Zeiten meines Daseins als Schülerin war meine Leidenschaft zum Lesen unweigerlich mit der Fantasy-Autorin Jenny-Mai Nuyen verbunden. Als großer Fan von Romanen dieses Genres faszinierte mich, dass sie sich in ihren Texten wie Das Drachentor von der oft in phantastischer Literatur vorkommenden schwarzweiß Zeichnung durch klare Strukturen von Gut und Böse abwandte und allen Figuren eine individuelle Stimme gab, indem sie in abwechselnden Kapiteln deren Perspektive einnahm. Die Handlungen der unterschiedlichen agierenden Parteien und deren Motivationen und Konflikte wurden nachvollziehbar, der Leser wurde so zum neutralen Beobachter: selten fieberte, jubelte und litt ich beim Lesen so mit jeder einzelnen Figur mit. Und das alles platziert in phantastischen Welten, die Nuyen in einem Alter ab dreizehn Jahren erschuf.

Geballte Wut in der Provinz Sachsens
von Tanja Bleier (28.05.2019)

 

 

Das Debüt Mit der Faust in die Welt schlagen von Lukas Rietzschel erzählt die Geschichte zweier Brüder, Philipp und Tobi, die in einem kleinen Dorf im Osten von Deutschland aufwachsen. Kindheit und Jugend der beiden Heranwachsenden sind geprägt vom großen Schweigen, das in der Familie herrscht, der Langeweile und Perspektivlosigkeit auf dem Dorf sowie der daraus resultierenden Wut, die sich ein Ventil sucht.

Es ist nicht leicht, in die Geschichte des jungen Autors hineinzufinden. Ich habe einige Anläufe gebraucht, um über die ersten Seiten des Romans hinauszukommen. Woran das liegt, lässt sich schnell ausmachen. Rietzschel verwendet vor allem kurze, einfache Sätze, die er stakkatoartig aneinanderreiht. Den Sätzen fehlen wichtige Bauteile, sodass der Lesefluss erheblich behindert wird. Ellipsen sind zwar ein gutes Stilmittel, wenn man es gekonnt einsetzt, doch die unverhältnismäßige Verwendung lässt einen Text holprig wirken. Die Anfangsszene veranschaulicht das Problem:

Die Reise zum Mittelpunkt des Ichs
von Tessa Friedrich (20.05.2019)



In ihrem zweiten Roman Die Nacht ist laut, der Tag ist finster entwirft Kat Kaufmann eine dystopische Vision unserer Gegenwart: Eine Welt, die kurz vor dem dritten globalen Krieg steht, in der Ländergrenzen wieder maßgebend sind und der gegenwärtige Moment alle Bedeutung trägt, da die Zukunft ungewiss ist. Hier hinein platziert die Autorin Jonas, einen jungen Mann, der sich in seinem bisherigen Leben kaum zu verwurzeln vermochte. Als er eine Nachricht seines verstorbenen Großvaters erhält, die ihn zur Suche nach einem gewissen Valerij Butzukin auffordert, scheint sich für sein Leben eine Richtung zu ergeben – und diese führt nach Russland.

Jonas. Ein Name, der sowohl ‚Geschenk Gottes‘ als auch ‚Zerstörer‘ bedeutet. Jonas ist 25 Jahre alt und lebt in Berlin. Abgesehen vom Kalten Krieg 2.0 zwischen den Westmächten und der Russisch-Asiatischen Union ist sein Leben so, wie man es sich als eine Person in seinem Alter wünschen würde: er ist Teil einer funktionierenden Familie mit halbwegs sympathischem und fürsorglichem Stiefvater, lebt in seiner eigenen Wohnung, besitzt die Möglichkeit zur akademischen Weiterbildung und eine liebevolle und unkomplizierte Beziehung zu einer jungen Frau. Und dennoch kann Jonas zu keiner Person seines nahen Umfeldes eine wahre emotionale Bindung aufbauen, er ist von Leere zerfressen, wirft sein Studium und steckt seine Wohnung in Brand. Der Grund? Das weiß er selbst auch nicht so genau.

Das Ringen um Frieden und um eine nicht gewollte Krone
von Jana Lickteig (19. Mai 2019)

 

 

 

Mit Die Krone der Dunkelheit hat die Autorin Laura Kneidl einen vielversprechenden Auftakt ihrer neuen Fantasysaga geschaffen: Eine unüberwindbare Mauer trennt das Königreich der Menschen, Thobria, und Melidrian, das Herrschaftsgebiet der unsterblichen Fae.

Der brüchige Frieden zwischen den Völkern wird durch ein jahrhundertealtes Abkommen gesichert. Es besagt, dass weder ein Fae einen Fuß nach Thobria setzen noch ein Mensch die mahnende Mauer überschreiten darf. Doch es droht nicht nur Verrat aus den eigenen Reihen, sondern auch Elva, grausame magische Kreaturen, treiben in den Wäldern ihr Unwesen...

Und Absprung!

von Florian Grobbel (14. Mai 2019)

 

 

Es sieht so leicht aus – das Eislaufen: Leicht tänzeln die Sportlerinnen über das spiegelglatte Eis und drehen Kurve um Kurve, bis sie zu dem entscheidenden Moment kommen, in dem sie ihren Körper anspannen und abspringen. Nach einer fulminanten Pirouette kommen sie dann wieder sanft auf dem Eis auf, während das Publikum applaudiert. Doch so glorios wie sie scheint, ist diese Wunderwelt des Eislaufens erst recht nicht, wenn man ein heranwachsendes Mädchen ist, das eigentlich ohnehin schon genug Probleme hat.

Die autobiographische Graphic Novel der Zeichnerin Tillie Walden erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen, die sie während ihrer Teenagerjahre gemacht hat. Einen Rahmen dafür bildet der Eiskunstlauf-Sport, den sie über zwölf Jahre in verschiedenen Ligen und Vereinen ausübte.