Standardprobleme und Erinnerungsfetzen in Bratislava

von Sophia Klopf (27. April 2018)

 

 

Sich in der eigenen Heimat fremd fühlen, nicht wirklich zu wissen, was das nächste Ziel im Leben ist – das sind mittlerweile wohl die Standardprobleme junger Menschen in der Literatur. In Café Hyena sieht es da ähnlich aus.

Elza, Ian, Rebeka und Elfman (der nur bei seinem Nachnamen genannt wird) verbinden eine Freundschaft und ähnliche Ansichten im Leben. Oft treffen sie sich im, für das Buch namensgebende, Café Hyena, um zu diskutieren und zu schreiben. Dort entfliehen sie ihrem Alltag und schwören sich, dass immer jemand aus der Gruppe arbeitet, um alle vier finanziell durchzubringen. Nur weil sie mit dem Geld zurechtkommen, sind sie aber nicht vor anderen Problemen gefeit. Elza weiß nicht wohin in ihrem Leben und verliebt sich zwischendurch in einen anderen. Rebeka muss in die Psychiatrie. Elfman kommt nicht klar, dass seine Freundin in der Klinik ist und verlässt die Stadt. Ian existiert eigentlich nur in Nebensätzen, obwohl er noch auf dem Klappentext als wichtiges Mitglied der Gruppe deklariert wird.

Einfach nur ein Traum

von Florian Grobbel (22. April 2018)

 

 

Manchmal hat man diese ganz besonderen Momente im Leben. Diese Momente, in denen man so in eine Geschichte eingetaucht ist, dass man die reale Welt völlig vergisst. Dann wacht man förmlich auf und merkt, dass man sich gar nicht mehr so genau an alles erinnern kann. »Es war wie die Szene aus einem Traum. Es war einfach wunderschön anzusehen.« Und damit sind wir schon mittendrin in Makoto Shinkais Romanvorlage zu dem unfassbaren Film your name.

Die Idee scheint so abgedroschen. Ein Junge aus der Großstadt Tokio und ein Mädchen aus der japanischen Provinz, beide im pubertären Alter der Selbstfindung und mit allerlei Problemchen, tauschen von einem Tag auf den anderen die Körper. Natürlich schweben einem sofort die Bilder der zahlreichen Filme und Serien vor Augen, die genau das schon mal gemacht haben. Doch sogar der Witz dieser Ausgangssituation kommt bei Makoto Shinkai so frisch rüber, dass man gerne alles vorherige dieses »Body-Switch-Genres« vergisst.

Von Orangenbonbons, Täubchen und alten Träumen

von Svenja Zeitler (18. April 2018)

 

 

Eine unglückliche Liebe, ein wenig Magie und eine letzte, schwierige Herausforderung – davon handelt der Debütroman Eine Liebe ohne Winter von YouTube- und Musical-Star Carrie Hope Fletcher. Wir begleiten die verstorbene Evie Snow auf der Mission, nach ihrem Tod ihre Geheimnisse zu lüften und endlich Ruhe zu erlangen – nach einem Leben voller Aufopferung und Abenteuer.

Als Evie Snow nach ihrem Tod wieder Bewusstsein erlangt, findet sie sich im Körper ihres 27-jährigen Ichs wieder, in einem Gebäude, das sie damals vor langer Zeit bewohnt hat und in der sie ihre einzig wahre, jedoch auch zum Scheitern verurteilte Liebe erfahren hat. Das alte Wohnungsgebäude stellt ihren Wartebereich für den Himmel dar. Ihre Seele ist allerdings noch nicht bereit, die Schwelle zu überschreiten und bevor sie endgültig diese Welt verlässt, muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen und drei Reisen zurück ins Reich der Lebenden antreten, um ihre Geheimnisse zu enthüllen und mit ihrer Vergangenheit abzuschließen.

Geschichten aus dem Badezimmer

von Marlene Hartmann (15. April 2018)

 



Die besten Ideen bekommt man an den seltsamsten Orten. Oder an den alltäglichsten. Friederike Schilbachs Buchidee überkam sie im Badezimmer einer Freundin, das sie so sehr begeisterte, dass sie sich ein Foto samt kurzem Text schicken lies. Darauf folgten weitere Fotos von anderen Freundinnen, bis ein ganzes Sammelsurium von verschiedenen Badezimmerschnappschüssen von den unterschiedlichsten Frauen aus der ganzen Welt zusammenkam und aus dem schließlich The Bathroom Chronicles entstand. 

Ob Autorinnen, Regisseurinnen, Malerinnen oder Schauspielerinnen; sie alle zeigen Bilder aus ihren Badezimmern und geben damit Einblicke in ihr Leben, denn »[e]s ist ein intimer Raum, vielleicht der intimste der ganzen Wohnung, in dem sie ihr Leben ausbreiten, sich selbst gegenübertreten, beim Aufwachen oder vor dem Ausgehen, ihre Identität konstruieren, ein Selbstporträt schaffen.«

Wer ist nochmal Akuzenji?

von Florian Grobbel (13. April 2018)

 

 

Helden, Intrigen, zahlreiche brutale Tode und irgendwas mit Magie. Das funktioniert nicht nur in der Welt von George R.R. Martin. Lian Hearn, große Liebhaberin der japanischen Kultur, entführt uns mit dem ersten Band der Legende von Shikanoko in ein altertümliches Japan, welches kurz vor einem erbitterten Krieg zwischen den zwei führenden Clans steht, bei dem es um nichts anderes als den Kaiserthron geht. Und mitten im Geschehen steht Shikanoko – das Kind des Hirsches, der eigentlich nur auf Rache sinnt.

Hearn beginnt ihren Roman mit einer Situation, wie sie klassischer nicht sein könnte. Der junge Kazumaru, welcher später der titelgebende Shikanoko werden soll, ist der rechtmäßige Thronfolger seines Heimatortes Kumayama. Nichtsahnend gerät er in eine tödliche Falle, gestellt von seinem machtgierigen Onkel Sademasa (Nein, das ist nicht japanisch für »Claudius«). Jedoch wird Shikanoko in letzter Sekunde vor dem tödlichen Pfeil bewahrt, da ein Hirsch schützend vor ihn springt und sich somit opfert. Daraufhin flieht Shika in den »schwarzen Wald«, wo er bald erschöpft bei einem Zauberer unterkommt, welcher ihm verkündet, dass er nun »das Kind des Hirsches« sei und übermenschliche Kräfte erlangt hat. Die Magie bündelt der Zauberer in eine Maske, welche nur Shikanoko tragen kann. Für diesen beginnt nach seiner Genesung eine abenteuerliche Reise. Nachdem sich das Kind des Hirsches zunächst dem Räuberhäuptling Akuzenji anschließt, gelangt er bald an den Hof des Fürsten Kiyoyori, um daraufhin als Geisel genommen zu werden, von keinem geringeren als dem diabolischen Fürstabt, der es auf den Kaiserthron abgesehen hat und natürlich allzu sehr an Shikanokos magischer Maske interessiert ist.