Liebe in Zeiten von Tinder und Co
von Rebecca Hertlein (13. Juni 2019)

 

 

Eva Illouz geht in ihrem neuen Buch der Frage nach „Warum Liebe endet“. Wie sie selbst sagt, gibt es in unserer Zeit unendlich viele Geschichten darüber, wie Liebe beginnt. Erzählungen über den magischen Moment indem man seinem zukünftigen Seelenverwandten in die Augen sieht und weiß, dass man füreinander bestimmt ist.  Bücher darüber, warum Liebe plötzlich endet, sind bisher eher selten.

Eva Illouz versucht zu erklären, wie Konsum und Unverbindlichkeit darauf Einfluss nehmen, was wir im Scheitern unserer Beziehungen erleben, wie sexuelle Anziehungskraft und Äußerlichkeiten die entscheidenden Auswahlkriterien wurden. Wie Frauen immer mehr zu Objekten wurden, wie vor allem in sexueller Hinsicht geradezu „Verträge eingegangen werden. In Interviews zeigt sie auf, aus welchen Gründen wir uns von Menschen trennen, die wir vor nicht allzu langer Zeit zutiefst geliebt haben. Auch Dating Apps wie Tinder und Co werden genau analysiert: wie der angestrebte „Gelegenheitssex“ häufig dazu führt, noch verwirrter, orientierungsloser und voller Bindungsangst zurückzubleiben. Letztendlich ist dieses Veräußerlichen jedoch genau das Paradoxe, denn letztendlich ist es immer das Innere und nie das Äußere, das zu einer Trennung oder Scheidung führt

Klimawandel mal anders
von Rebecca Hertlein (12. Juni 2019)

 

 

In Jasper Ffordes neuem Roman „Eiswelt“ ist das Gegenteil unserer heutigen Zeit der Fall: Die Welt wird nicht immer wärmer, sondern immer kälter. Die Auswirkungen sind deshalb jedoch nicht weniger verheerend. Es herrscht Klimawandel und die Welt wird jedes Jahr kälter. Im Versuch, diese Entwicklung aufzuhalten, gibt es für Länder mit besonders hohem Emissionsausstoß- anders als bei uns- keine Bestrafungen, sondern Vergütungen. 

Menschen müssen Winterschlaf halten und sich davor so viele Kalorien wie nur irgend möglich anfuttern. Je weniger körperliche und geistige Aktivität, desto besser, um unnötigen Energieverbrauch aufzuhalten. Außerdem werden die Menschen wieder behaarter: Es wächst ihnen ein Winterpelz. Diese Welt scheint ganz anders von unserer heutigen Welt zu sein, und dennoch finden sich viele Parallelen.

Hoch hinaus im Wildschwein-Schritt!
von Jasmin Wieland (08. Juni 2019)


Der Traum vom Fliegen. Wer kennt das nicht? Beim Ulmer Spatzen angefangen, über den Zeppelin bis hin zum Flugzeug. Fallschirmsprünge, Bungeejumping. Und genau davon träumt auch das kleine Wildschwein. Nachdem es eines Nachts davon träumte auf einer Tannenbaumrakete unterwegs zu sein, geht es ihm nicht mehr aus dem Kopf: das Fliegen.

In gewohnt elterlicher Fürsorge versucht dem kleinen Wildschwein die ganze Rotte den Gedanken aus dem Kopf zu schlagen, doch neugierig und erfinderisch wie es ist, geht das eben nicht einfach. Das Ziel ist klar: Einmal fliegen und dafür holt es sich Rat von anderen Waldtieren. Andrea und Lee D. Böhm erzählen in ihrem Bilderbuch Das kleine Wildschwein und der traumhafte Flug für Kinder ab vier Jahren jene herzergreifende Geschichte und zeigen eindrücklich, wie kleine Kinderbuchhelden schon ganz groß sein können… bzw. hoch hinaus wollen.

Den Klassiker wiederentdecken mit der Sonderausgabe des Coppenrath Verlags
von Janine Vogelsang (07. Juni 2019)

 

 

Auf die britische Schriftstellerin Frances Hodgson Burnett trifft man spätestens in der Vorweihnachtszeit. Die Zeit, in der man ihre zwei berühmtesten Klassiker im Fernsehen nicht nur einmal, sondern fast jeden Tag sehen kann.

Auch Kinder, Jugendliche und Buchliebhaber kennen die Geschichten von „Der kleine Lord“ und „Der geheime Garten“ und finden sicherlich noch die ein oder andere Ausgabe der Klassiker im eigenen Buchregal. Doch spätestens seit Frühjahr dieses Jahres ist „Der geheime Garten“ in einer ganz besonderen Schmuckausgabe in allen Buchhandlungen zu finden. Ein Blick in das Buch lohnt sich.

Coming of Age einer Autorin
von Tessa Friedrich (06. Juni 2019)

 

 

„Die Wahrheit ist nie hässlich. Nur das Missverständnis. Wie die Welt beschaffen ist, erforschen die Naturwissenschaften. Warum die Welt erschaffen ist, verdrängen die Naturwissenschaften. Wir sind immer die heute Lebenden. Und nie dieselben.“

In Zeiten meines Daseins als Schülerin war meine Leidenschaft zum Lesen unweigerlich mit der Fantasy-Autorin Jenny-Mai Nuyen verbunden. Als großer Fan von Romanen dieses Genres faszinierte mich, dass sie sich in ihren Texten wie Das Drachentor von der oft in phantastischer Literatur vorkommenden schwarzweiß Zeichnung durch klare Strukturen von Gut und Böse abwandte und allen Figuren eine individuelle Stimme gab, indem sie in abwechselnden Kapiteln deren Perspektive einnahm. Die Handlungen der unterschiedlichen agierenden Parteien und deren Motivationen und Konflikte wurden nachvollziehbar, der Leser wurde so zum neutralen Beobachter: selten fieberte, jubelte und litt ich beim Lesen so mit jeder einzelnen Figur mit. Und das alles platziert in phantastischen Welten, die Nuyen in einem Alter ab dreizehn Jahren erschuf.