Im Westen nichts Neues

von Sebastian Meisel (9. August 2020)


Téa Obreht vereint alles, was nötig ist, um zum Olymp der Schriftstellerinnen aufzusteigen: Sie ist jung, Feministin, hat eine Migrationsgeschichte. Und sie hat ein nicht zu leugnendes Talent fürs Schreiben. Man muss annehmen, dass dieser Aufstieg sehr bald der Fall sein wird, wenn man die begeisterten Kritiken zu ihrem neuen Roman Herzland intensiv gelesen hat.
Aber der Reihe nach: Téa Obreht stellt in ihrem zweiten Roman eine Welt vor, die den meisten schon bekannt sein dürfte: Sie spielt im so genannten „Wilden Westen“, jener archaischen, mythisch verklärten Zeit ohne Gesetze, der Pioniere und der Schuld. Hauptspielort der Handlung ist Amargo, ein fiktives Städtchen im Jahre 1893. Die Verfallserscheinungen des Wilden Westens zeigen sich hier schon: Längst geht es nicht mehr um romantische Aneignung eines unbeherrschten Landstriches, um Gold und Pelze, sondern um den Anschluss an Eisenbahnstrecken und an die Industrie. Es ist eine Zeit des Zwischens, eingeklemmt zwischen archaischer Besiedlung und der beginnenden Moderne. Alles ist im Fluss, Gewissheiten existieren nicht, existierten vielleicht nie. 

Die Hölle, das ist der Alltag

von Sebastian Meisel (5. August 2020)

 


„Die Welt war aus den Fugen und voller Erbärmlichkeit, voll widerwärtiger und komplizierter Geschichten“. Ein Satz wie ein Hammerschlag. Etwas stimmt nicht. Mit der Gegenwart, der Zeit, dem Menschen. Marion Messinas Debüt Fehlstart schleudert solche Sätze wie Anklagepunkte in die Welt heraus – an den besten Stellen. Und gleichzeitig ist es eine erschreckend banale, ja manchmal peinliche Liebesgeschichte – an den schlechtesten Stellen. 

Wer gräbt denn da?


von Hannah Deininger (5. August 2020)

 



Endlich geht es weiter mit der Geschichte um Carolin Bauer – und zwar in Ursula Poznanskis neustem Buch Vanitas – Grau wie Asche. Der zweite Teil der Thriller-Reihe beginnt, wo der erste Teil aufgehört hat: auf dem Wiener Zentralfriedhof, konkreter in der Friedhofsgärtnerei, wo Caro nach wie vor arbeitet und versucht möglichst unsichtbar zu sein. Denn eventuell vermuten nun die falschen Leute, dass sie noch lebt und diese Vermutung sollte sich nicht allzu schnell bestätigen. Ungünstig dafür ist allerdings, dass ausgerechnet jetzt auf dem Zentralfriedhof Unbekannte anfangen, Leichen auszubuddeln und Gräber zu schänden. Das erhöht die Polizei- und Fernsehpräsenz auch rund um die Friedhofsgärtnerei enorm, was Caro gar nicht recht ist. Als der Ermittlungsleiter bemerkt, dass mit Caro etwas nicht stimmt und sie immer mehr unter Verdacht gerät, bleibt nur noch eins: Alle ihre Unterweltkenntnisse auspacken und den Fall selbst aufklären. Und so idealerweise selbst aus der Schusslinie kommen. 

Vom schwarzen Gott

von Paulina Lemke (2. August 2020)

 

„Urgroßvater, Großvater, Vater. Ertränkt, erschossen, erhängt. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft.“ Bov Bjerg erzählt in seinem neuen Roman von einer Familientradition, die dem schwarzen Gott anheimgefallen ist, vom Lebenskampf eines Vaters gegen den Suizid. Kurvenreich und düster verhandelt Serpentinen die Kluft zwischen Verantwortung und Verrat, zwischen „Familienbla“ und eigener Identität.

Die Wahrheit ist in Ordnung

von Celine Buschbeck (2. August 2020)


Die junge Autorin Lowen Ashleigh bekommt die Chance ihres Lebens und darf die gefeierte Buchreihe einer anderen Schriftstellerin beenden. Der Grund: Ein Unfall, der Verity Crawford vermeintlich ans Bett fesselt und ihr die Möglichkeit nimmt, ihr Leben selbst zu bestimmen. Mit fortschreitender Arbeit an Veritys Psychothrillern verschwimmen die Grenzen zwischen Autor und Protagonist, zwischen wahrem Leben und Manuskript.