Schwarz und Weiß

von Sebastian Meisel (22. April 2020)

 

Eines der sicherlich außergewöhnlichsten Bücher der vergangenen Saison zu besprechen, kann immer ein Wagnis sein. Die Erwartungen sind aufgeladen, Verrisse und Jubelarien schon geschrieben, gelesen, vergessen. Dies gilt umso mehr, wenn ein Roman über ein hochaktuelles und ebenso extrem polarisierendes Thema sprechen will. In Brüder von Jackie Thomae ist es die Herkunft und Jugend zweier afrodeutscher Brüder. Aber damit nicht genug, denn beide wachsen in jenem Teil Deutschlands auf, der gemeinhin nicht für seine Diversität bekannt war: die DDR. Sicher ist es kein Zufall, dass die Autorin Jackie Thomae eine fast gleich verlaufende Kindheit hatte – damit schleicht sich sogleich der Verdacht ein, dass es sich hier doch nur um einen autobiographischen Roman handeln könne, angereichert mit fiktionalen Zügen.

Eine Umarmung in Buchform

von Svenja Zeitler (08. April 2020)

 

Ist es eine Geschichte, ein Bilderbuch, ein Selbsthilfe-Ratgeber oder ein Kunstwerk? Alles auf einmal. Nachdem der Künstler, Cartoonist und Illustrator Charlie Mackesy mit seiner Zeichnung eines Jungen und eines Pferdes das Internet begeisterte, veröffentlichte er kurz darauf das Buch mit der Geschichte der vier untypischen Freunde Junge, Maulwurf, Fuchs und Pferd, in dem er deren kluge Unterhaltungen und bewegende Erlebnisse wiedergibt. Dieses eroberte die Herzen der Menschen im englischsprachigen Raum (und darüber hinaus) im Sturm, es wurden Nachdrucke angefordert und nun ist diese Komposition aus Kunst, Poesie und Lebensweisheiten auch im Deutschen erschienen.

Wir haben einen Deal.

von Paula Heidenfelder (01. April 2020)



Sinking Ships
ist Tami Fischers zweiter New Adult Roman der Fletcher-University-Reihe. In diesem begleiten die LeserInnen Carla und Mitchell, die im vorherigen Band Burning Bridges als Nebencharaktere vorkommen, bei ihrem alltäglichen studentischen Leben, ihren Auseinandersetzungen mit der Familie und gemütlichen Abenden mit Freunden. In dem Roman geht es um das Überwinden von Ängsten und das Zulassen von Schwächen.

"Doch manchmal musste man eben Opfer bringen, wenn man einen Menschen liebte."

Carla Santos hat Angst vor tiefem Wasser, ihre Familienverhältnisse sind kompliziert und ihr persönliches Umfeld könnte bei der kleinsten Schwierigkeit auseinanderbrechen. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Brüder Mateo und Oskar, die sie um jeden Preis beschützen will und baut eine Mauer um sich herum auf, damit ihrer Familie nichts passiert. Gefühle und eine feste Beziehung kommen für sie nicht infrage und schon gar nicht mit dem Überflieger und Good Guy Mitchell Moore. Dessen Familienverhältnisse scheinen perfekt und auch einer Zukunft als Schwimmer steht nichts im Weg. Als es jedoch auf einer Party zu einer prekären Situation kommt und Mitchell von Carlas Angst erfährt, möchte er ihr helfen, diese zu überwinden. Zusammen arbeiten sie daran und obwohl Mitchell seine Gefühle Carla gegenüber nicht verbergen kann, gesteht sich Carla diese nicht ein. Fehlendes Vertrauen, Stolz und Angst halten sie davon ab, ihre Empfindungen zuzulassen. Doch als Carlas Welt durch Probleme mit einem ihrer Brüder bedroht wird, hilft Mitchell ihr ohne zu zögern. Wird Carla der Liebe eine Chance geben?

Lutz Seiler – Stern 111

von Sebastian Meisel (27. März 2020)

 

Was könnte einfacher sein, als eine Buchbesprechung über ein Werk zu schreiben, das gerade mit einem wichtigen deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde? Und doch: In den Zeiten einer grassierenden Pandemie erscheint alles irgendwie wichtiger als das Gespräch über Literatur. Man kann sich diesem Gedanken nicht erwehren und gleichzeitig versuchen, ihn auszuschalten, denn Seilers Buch versucht am Ende auch nichts weniger zu sein als eine Orientierungshilfe in unsicheren Zeiten. Es vermag das, was Literatur im besten Sinne auch immer sein kann: Ein Abbild der Wirklichkeit im Raum des Fiktionalen. Ein Seelentröster. Und eine Ablenkung.

Die vergessenen Opfer von Pearl Harbour

von Anna Brodmann (11. März 2020)


Das menschliche Gedächtnis ist nicht in der Lage, sich an alles zu erinnern. Es filtert die "wichtigen", die emotionalen, bedeutsamen Momente, die unser Leben verändert haben, heraus und speichert sie ab – alles andere wird vergessen. Doch nicht nur unser individuelles Gedächtnis funktioniert nach diesem Prinzip, auch unsere kollektive Erinnerung an die Geschichte ist ähnlich organisiert. In Als der Kaiser ein Gott war erzählt Julie Otsuka die Geschichte einer vergessenen Episode aus der Geschichte. Sie zeigt uns das Schicksal der japanischen Bevölkerung in den USA nach dem Angriff auf Pearl Harbour.