Von der Traumvorstellung in die totale Barbarei

von Janine Vogelsang (18. Januar 2019)



Ikarien von Uwe Timm brachte Ende 2017 Furore in die Medienlandschaft. Der neue Roman des altbekannten Schriftstellers aus Hamburg beschäftigt sich mit der Rassenhygiene und deren Ursprüngen. 

Im 19. Jahrhundert noch eine Traumvorstellung. Ein sozialistisches Paradies mit Gleichberechtigung von Mann und Frau, freien Wahlen und basisdemokratischer Abstimmung. Ein Gegenentwurf zur Industrialisierung mit ihrer Kinderarbeit, dem frühen Tod der Arbeiter und den hygienischen Verhältnissen in den überfüllten Städten.

Der Gott der Lügen liebt dich

von Anna Hechler (14. Januar 2019) 



Als New York Times Bestselling Autorin wagt sich Marie Rutkoski mit Die Schatten von Valoria an eine Trilogie im Jugendbuchbereich und entführt mit ihrem Auftakt die jungen Leser in die besitzergreifende Welt des Imperiums Valoria, das alles verschlingt, wonach es ihm begehrt. Was bedeuten einem dann noch die Bezwungenen, wenn man aus dem Volk der Gewinner stammt? Die Generalstochter Kestrel wird dazu gezwungen, sich genau diese Frage zu stellen. 

Marie Rutkoski eröffnet mit Spiel der Macht ihre Fantasy-Trilogie Die Schatten von Valoria und entführt sogleich in eine Welt der Besitzer und Besitztümer: Das Imperium Valoria ist bereits über Herran hereingefallen und Kestrel sieht sich als Tochter des ranghöchsten Generals in der gehobenen Gesellschaft, während sie vor der Wahl steht, zu heiraten oder dem Militär beizutreten. Eine Kurzschlussentscheidung führt sie dazu, den Sklaven Arin zu ersteigern, der ihr langsam andere Perspektiven aufzuzeigen beginnt. So kommen sie sich näher: als Repräsentanten ihrer Völker und Kulturen, als ebenbürtige Menschen unterschiedlichen Glaubens und auch als Liebespaar. Kestrel befindet sich jedoch gefangen zwischen ihren beiden Zukunftsaussichten und dem höfischen Dasein, wohingegen Arin als Schmied langsam aber sicher mit anderen Sklaven daran arbeitet, sein geliebtes Herran wieder von den Eindringlingen zu befreien. 

Die Rückkehr zur Normalität im Kriegszustand 

von Janine Vogelsang (9. Januar 2019)



Erhielt Arno Geiger im Jahr 2005 noch für „Es geht uns gut“ den Deutschen Buchpreis, so brachte Geiger Anfang des letzten Jahres erneut einen fulminanten neuen Roman heraus, der in den Feuilletons der deutschen Zeitungen für lange Zeit Gesprächsthema und Interessenpunkt war. 

An der Drachenwand im Jahr 1944 spielt der neue Roman des österreichischen Schriftstellers Arno Geiger. Der junge Veit Kolbe reist zum Mondsee, um sich von den Schrecken des Krieges zu erholen. Wie eine Atempause liest sich auch das Buch, in dem ganz bewusst die Ambivalenz des Krieges inszeniert wird. Zwischen Krieg und Idylle befindet sich die Kulisse, befinden sich alle Figuren. Allen voran Veit Kolbe, der mehr mit seinen Erinnerungen aus dem Krieg zu kämpfen hat, als mit den äußeren Gefahren. Findet man diese stete Ambivalenz bei dem Hauptprotagonisten, verweist Geiger mit strenger Beharrlichkeit auch auf die innere Widersprüchlichkeit der anderen Figuren, die keine absoluten Meinungen vertreten und sich gerade deshalb dem Roman auf künstliche Weise anpassen.

Krieg zwischen Engeln und Dämonen

von Lisanne Dehnbostel (5. Januar 2019)



Finstere Zeiten stehen bevor: jährlich fallen in den letzten fünf Dezembernächten Dämonen über die Erde her. In diesem Jahr verfolgen sie dabei einen ganz speziellen Plan. Die Dämonen wollen ständige Dunkelheit bringen, damit sie das gesamte Jahr über auf Menschenjagd gehen können. Die Rettung der Menschheit liegt allein an der 17-Jähigen Adriana und dem Halbdämonen Cruz. Sie müssen nicht nur weitere Halbdämonen zur Unterstützung auftreiben, sondern sich zudem mit verschollenen Engeln verbünden. Aber: wie und wo findet man diese?

Die originelle Plotidee von Anna MacKays Jugend-Trilogie Dämonentage bringt frischen Schwung ins Fantasybuchregal. Zwar befinden sich dort bereits einige Bücher über Dämonen, etwa Jennifer L. Armentrouts Reihe Dark Elements, doch die Verknüpfung mit der Engelthematik ist neu. Leider scheitert MacKay an der Umsetzung des ersten Bandes mit zahlreichen Klischees und nichtssagenden Charakteren.

Schlummert ein Mörder in jedem von uns?

von Franziska Schleicher (11. Dezember 2018)


Wem würdest du einen Mord zutrauen? Der Verkäuferin in der Bäckerei? Der Arzthelferin? Deinem besten Freund? Oder vielleicht sogar dir selbst? Mit dieser Frage spielt der neue Thriller der jungen deutschen Autorin Melanie Raabe.

Die Protagonistin Norah begegnet in ihrer neuen Heimat Wien auf der Straße einer Bettlerin, die ihr eine düstere Weissagung mit auf den Weg gibt: Norah wird am 11. Februar auf dem Prater einen Mann töten. Aus freien Stücken und mit gutem Grund. Zunächst tut Norah die Begegnung als nichtig ab und hält die Frau für verrückt. Doch nach und nach häufen sich merkwürdige Zufälle, die Norah in die Nähe dieses Mannes treiben. Sie beginnt Nachforschungen anzustellen und muss sich infolgedessen mit dem düstersten Kapitel ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Norah rutscht immer tiefer in einen scheinbar unaufhaltsamen Strudel aus Geheimnissen, an dessen Ende die entscheidende Frage wartet: ist sie wirklich in der Lage einen Menschen zu töten?