Wie Macht verführt

von Rebekka Barta (24. März 2018)

 

 

»Ist es für unschuldige Kinder wirklich so leicht verdorben zu werden?« In seinem neuen Roman Der Junge auf dem Berg beantwortet John Boyne diese Frage und zeigt, wie leicht es wirklich ist.

Mit dem Roman Der Junge im gestreiften Pyjama feierte John Boyne weltweit große Erfolge. In Der Junge auf dem Berg greift er die Dritte Reich Thematik erneut auf und macht deutlich, welche verführerische Wirkung Macht auch schon auf die Jüngsten unter uns ausübt. 

Wenn die Angst zum Feind wird

von Ines Reckziegel (12. März 2018)

 

 

»Wer hat dich eigentlich so verkorkst?«, fragt die Angst. [...]
»Na, du.«
»Kann gar nicht sein!« [...] 
»Warum nicht?«
»Ist doch klar: Wenn du normal wärst, wär ich gar nicht da.«

Franziska Seyboldt erzählt in ihrem neuen Buch, der Autobiografie Rattatatam, mein Herz – vom Leben mit der Angst, die Geschichte ihrer Angststörung und wie sie gelernt hat besser damit umzugehen. In kurzen Kapiteln werden einige Schlüsselmomente auf ihrem Weg zur Besserung beleuchtet, die Angst in all ihrer Schönheit und Schrecklichkeit charakterisiert und Situationen im Alltag eines Menschen mit Angststörungen beschrieben. In witzigen, schlagfertigen Dialogen mit ihrer Angst nimmt Franziska Seyboldt einem ein bisschen die Angst vor der Angst und zeigt, dass es Hoffnung gibt und ein, mehr oder weniger, harmonisches Leben mit Angststörungen möglich ist. 

Anything Goes

von Tessa Friedrich (11. März 2018)

 

 

The Roaring Twenties. Das Leben in Nordamerika war kurz nach dem Ersten Weltkrieg ausgelassen und frei, die Menschen ständig auf der Suche nach dem Rausch. Einer der bedeutendsten Schriftsteller dieser Zeit war F. Scott Fitzgerald, bekannt vor allem durch seinen Roman The Great Gatsby, ein Meilenstein der amerikanischen Literaturgeschichte. In Würdigung seiner weiteren literarischen Arbeiten brachte der Diogenes Verlag nun einen Band mit Erzählungen und Kurzgeschichten Fitzgeralds heraus: Liebe in der Nacht und andere Lovestorys. Was zunächst nur nach einer großen Portion Kitsch klingt, hält aber doch noch viel mehr bereit.

Hat man bereits Romane von Fitzgerald gelesen, überrascht und fasziniert das Liebe in der Nacht-Bändchen, in dem sich die schriftstellerische Bandbreite des amerikanischen Autors zeigt: Neben der titelgebenden Erzählung finden sich noch sechs weitere Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, wären sie nicht durch das große Thema »Liebe« miteinander verbunden. Doch ist diese wahrscheinlich am häufigsten in der Literatur thematisierte Emotion nicht immer der Protagonist.

Der Traum vom perfekten Menschen

von Jana Röckelein (10. März 2018)

 

 

In einer Zukunft in der alles und jeder perfekt ist, tauchen auf einmal Knochen von Neandertalern auf. Das Kuriose: Die Knochen sind nur einige Jahre alt. Wie weit geht die Menschheit, um ihren Traum vom perfekten Menschen zu verwirklichen?

Deutschland in nicht allzu ferner Zukunft, 2053. Deutschland ist einer der Vorreiter in der Gentechnologie und optimiert die genetischen Veranlagungen. Risikogene für Volkskrankheiten wie Diabetes oder auch Krebs werden bereits vor der Geburt eliminiert. Dazu bieten die Krankenkassen noch einen besonderen Bonus an: Haar-, Augenfarbe oder andere Körpermerkmale können bereits vor Geburt bestimmt und nach Wunsch abgeändert werden. Verantwortlich für das Ein- und Aussortieren von bestimmten Genen ist das »Ministerium für Glück und Gesundheit«, die bereits Genreparaturen im Mutterleib unterstützen. Noch dazu sind Alkohol und Rauchen geächtet. Wer sich nicht daran hält, muss ohne die Unterstützung einer Krankenkasse auskommen.

Der Doktor zweier Herren

von Florian Grobbel (3. März 2018)

 

 

Der eine ein Gottesmörder, der andere ein Deutscher. Doch Charles Darwin und Karl Marx haben mehr gemeinsam als die kritische Betrachtung seitens ihrer Zeitgenossen. Beide leben zur gleichen Zeit in London, befinden sich am Ende ihres Lebens und zumindest in Ilona Jergers erstem Roman Und Marx stand still in Darwins Garten teilen sie auch ihren Hausarzt.

Die Schauplätze dieser Geschichte des späten 19. Jahrhunderts sind hauptsächlich die Wohnsitze der beiden Gelehrten, zwischen denen die Erzählperspektive immer wieder hin und her springt. Doch auch aus der Sicht der Haushälterin oder Darwins Hund wird berichtet, was den Roman sehr abwechslungsreich macht, gerade im Kontrast zu den Kapiteln, in welchen die beiden Protagonisten mit ihrem Arzt Dr. Beckett eine ausführliche Diskussion über ihr Werk führen. Durch diesen erfahren Darwin und »Mohr«, wie Marx auch genannt wird, einiges über das Leben des anderen und können es natürlich nicht lassen, dessen Schaffen zu kommentieren. Die Handlung gipfelt in einem Aufeinandertreffen der Denker bei einem gemeinsamen Dinner im Hause der Darwins, bei dem es am Tisch schnell um ein leidiges Thema geht, das Beide nicht mehr hören können: Ihre Einstellung zum Glauben.