Zurück nach Phantasien und Lummerland - Wieland Freund vollendet Michael Endes Geschichte

von Janine Vogelsang (12.Mai 2019)    

 

 

Der Schöpfer der liebsten Kindheits- und Erwachsenenfiguren starb im Jahr 1995. Doch Bastian Balthasar Bux, Momo und Jim Knopf blieben. Im Frühjahr erschien nun eine neue Figur von Michael Ende und machte damit Jung und Alt glücklich. Die Rede ist von Knirps, der auf seinen Gegenspieler Rodrigo Raubein trifft. Knirps ist der Sohn zweier Marionettenspieler und zieht mit Papa und Mama Dick durch die Lande. Was auf dem ersten Blick spannend klingt, ist für Knirps sehr langweilig. Er sehnt sich nach Abenteuern in der Welt und flieht, um später beim Bösewicht Rodrigo Raubein Knappe zu werden. Dass er dabei genügend Abenteuer erleben wird, ist abzusehen.

Wir haben es dem Thienemann Verlag zu verdanken, dass wir Knirps und seine Geschichte verfolgen können. Wieland Freund, Kinderbuchautor und bekannter Journalist bei „Die Welt“, hat zu dem Manuskript noch weitere Kapitel hinzugefügt und ein solides Buch geschaffen, das zwar nicht mit den Geschichten Michael Endes vergleichbar ist, aber die Grundzüge seiner Welten beinhaltet.

Eine literarische und reale Reise zum eigenen Ich

von Jana Lickteig (11.Mai 2019)


 

Hanns-Josef Ortheil wandelt in Die Mittelmeerreise auf den Spuren seiner Jugend: Im Jahr 1967 begibt er sich mit seinem Vater im Hafen von Antwerpen auf ein Frachtschiff, welches die beiden durch das Mittelmeer bis nach Istanbul bringt. Die Erlebnisse und Begegnungen auf dem Frachter gewähren dem Leser dabei einen intensiven Einblick in die ganz persönliche Odyssee des jungen Autors.

Aufbruch in ein neues Leben

Die Mittelmeerreise setzt sich aus dem Reisetagebuch, welches Hanns-Josef Ortheil während der Reise schrieb, Briefen an die Mutter, den Aufzeichnungen seines Vaters sowie aus Texten zusammen, die in der Zeit direkt nach der Reise entstanden sind. Der autofiktionale Roman schildert nach Die Moselreise, Die Berlinreise und auch Paris, links der Seine die vierte und letzte Reise Ortheils mit seinem Vater. Schnell wird dem Leser dabei klar, welch weitreichende Bedeutung die Fahrt und die damit verbundenen Erfahrungen für den Jungen hatten.

Rucksack packen und los

von Rebecca Hertlein (10. Mai 2019)

 

Fast jeder von uns denkt im Laufe seines Lebens irgendwann mal daran, wie gerne er einfach losgehen würde. Nur seinen Rucksack packen, ohne festes Ziel und ohne Zeitlimit. Christopher Schacht erfüllt sich in seinem autobiographischen Buch Mit 50 Euro um die Welt genau diesen Wunsch.

Er ist insgesamt vier Jahre unterwegs und reist komplett ohne Flugzeug. Unterwegs lernt er segeln, trifft Menschen, die ihm immer weiterhelfen und in manchen Fällen wie eine Familie für ihn werden, spricht am Ende der Reise mehrere neue Sprachen, darunter Spanisch, Italienisch, Russisch und Filipino. Er lernt die Liebe seines Lebens kennen. Er sieht beeindruckende Landschaften, atemberaubende Natur. Er lernt, mit richtig wenig Geld auszukommen, immerhin startet er seine Reise mit nur 50 Euro und schafft es, sich damit durchzuschlagen. Wichtig ist ihm dabei stets, den Menschen, die so großzügig zu ihm sind, etwas zurückzugeben, deswegen hilft er mal bei der Feldarbeit, mal im Haushalt, mal auf Segelbooten und noch viel mehr.

Süditalien und das Erwachsenwerden

von Rebecca Hertlein (8.Mai 2019)

 

Den Himmel stürmen. In seinem neuen Roman schreibt Paolo Girodano über vier junge Menschen, die sich im Alter von 16 kennenlernen und begleitet sie über die nächsten 20 Jahre hinweg, auf ihrem Weg, den Himmel zu stürmen.

Theresa kommt eigentlich aus Turin, verbringt aber jedes Jahr die Sommerferien in Apulien bei ihrer Großmutter. Bern, Tommaso und Nicola leben nebenan, bei einem, wie man sagen könnte, Bibelfanatiker. Nicola ist der einzige leibliche Sohn, Bern und Tommaso sind sozusagen adoptiert. Diese Tatsache allein führt schon manchmal zu Spannungen zwischen den Dreien, doch als dann auch noch Theresa dazukommt, wird die Sache kompliziert. Im Laufe der Jahre werden die vier zu Sektenmitgliedern, Ökoaktivisten, Hausbesetzern, teilweise Drogensüchtigen. Sie verlieben sich ineinander, streiten sich, verlieren sich aus den Augen und finden wieder zusammen.

Ein Mexiko- Roman über zwei Brüder, brave Jungs, Rausch, Rache und Menschlichkeit

von Svenja Schrader (3. Mai 2019)

Guillermo Arriagas, eigentlich gefeierter, mexikanischer Drehbuchautor veröffentlicht mit „Der Wilde“ 2018 seinen dritten Roman. Einen Roman, bei dem man sich durchaus zwischendurch zu fragen beginnt, wie viele eigene Erfahrungen Arriaga, der seinen Geruchssinn bei einem Straßenkampf verlor, hat einfließen lassen.

Auf 750 Seiten erzählt er einerseits die Geschichte von Juan Guillermo, der mit 17 Jahren in einem der düsteren Viertel von Mexiko Stadt erst seinen Bruder verliert und dann zum Weisen wird. Andererseits verfolgt der Leser, wie ein Inuit von einer Vision getrieben, verzweifelt versucht in Kanada einen Wolf zu erlegen. Soviel sei verraten, die beiden Erzählstränge führen am Ende zusammen.