Tod im Artuswald

von Dominik Achtermeier (2. August 2018)

 


 

„Die Korsen, eigentlich wohlgelitten in der Bretagne, hatten für eine prachtvolle Korsika-Werbebroschüre, welche die einzigartige Schönheit der korsischen Mittelmeerküste zeigen sollte, unverfrorenerweise Fotos eines bretonischen Strandes verwendet. [...] Das Mittelmeer warb mit Bildern der Bretagne! Weil bretonische Strände die mediterransten waren!“

Worum gehts?

Ein Betriebsausflug des Kommissariats von Concarneau führt Kommissar Dupin und sein Ermittlerteam in den sagenumwobenen, 7700 Hektar großen Eichenwald von Brocéliande. König Artus, Löwenritter Iwein und viele weitere Helden der mittelalterlichen Epik sollen an diesem Fleckchen Erde zuhause gewesen sein. Für einen Pariser Kollegen will Dupin während des Ausflugs den Artus-Forscher Cadiou aufsuchen und stolpert regelrecht über seine Leiche. Als die Leiche eines weiteren Wissenschaftlers unweit des im Wald gelegenen Brunnens der Laudine gefunden wird und der Verdacht nahe liegt, dass auch ein bereits vor Monaten verstorbener Mediävist gleich wie die beiden anderen Mordopfer in Beziehung zu der just zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Tagung steht, hat man Dupin kurzerhand die Ermittlungen überlassen und der Betriebsausflug ist Geschichte. Die tagenden Wissenschaftler versuchen sich von den Morden unbeeindruckt zu zeigen und doch kommen Verhältnisse untereinander bald zum Vorschein. Auch von dem Großprojekt Cadious Ehefrau, die den Wald in einen Erlebnispark verwandeln will, in welchem Iwein als 3D-Figur bald schon gegen den Schwarzen Ritter kämpfen soll, zeigt sich nicht jeder begeistert und scheint hierfür auch über Leichen zu gehen.

Neuanfang

von Rebekka Barta (30. Juli 2018)

 

 

Berühre mich. Nicht. bildet den Auftakt einer New Adult Dilogie. Nach ihrem Schulabschluss hat Sage nur ein Ziel: mit ihrer Vergangenheit abschließen und neu anfangen. Auch wenn sie weiß, dass sich dieser Neuanfang schwierig gestalten wird.

Als sie in Nevada, wo sie studieren wird, ankommt, besitzt sie nichts. Sie hat kein Geld und muss in ihrem Auto schlafen. Ihr größtes Problem sind aber wohl ihre Ängste und Panikattacken, die sie immer wieder einholen. Aufgrund ihrer Vergangenheit hat Sage ein Problem mit Männern, fürchtet sich regelrecht vor ihnen. So auch vor Luca Gibson. Trotzdem nimmt sie, um ihre Studiengebühren bezahlen zu können, einen Job an, bei dem sie stundenlang allein mit ihm ist. Anfangs noch völlig panisch, merkt Sage mit der Zeit, dass sie Luca falsch eingeschätzt hat, ihm sogar vertrauen kann und auch die Anziehungskraft zwischen den beiden wird immer stärker.

Kampfzone Kaff oder Back to the roots

von Philipp Schlüter (24. Juli 2018)

 

 

Souverän humorvoll und mit dem richtigen Gespür für die mitunter ulkigen Befindlichkeiten im Kleinkosmos Dorf erzählt Jan Böttcher in seinem neuen Roman »Das Kaff« von der Rückkehr aus der Großstadt in die niederdeutsche Provinz. Der aus Lüneburg stammende Autor zeigt in seinem Text, wie sehr das »Kaff« auch noch nach Jahren der Abwesenheit in einem steckt, und das es sich lohnen kann, sich ganz sportlich auf ein Rückspiel mit dem Alltag dort einzulassen.

Kaff-Geschichten haben Hochkonjunktur. Man denke nur an die guten Bücher von Saša Stanišićs »Vor dem Fest«, an Juli Zehs »Unterleuten« oder an Dörte Hansens »Altes Land«. Jan Böttcher macht durch den Titel »Das Kaff« – ähnlich einem negativen Vorzeichen – noch vor allen anderen klar, wie in seinem Roman auf das provinzielle Dasein im Dorf geschaut wird. Klar, bei dieser Haltung kann das Buch nicht verweilen, sonst langweilt es irgendwann. Das weiß sein Autor. Es ist erfrischend, dass Böttchers Hauptfigur nicht bei dieser Einseitigkeit stehenbleibt, andererseits am Ende aber auch nicht als glühender Wiedereingedorfter das manchmal durchaus kaf[f]kaesk erscheinende Alltagsleben verklärt. Subtil zeigt uns diese Geschichte: eigentlich alles doch ganz in Ordnung hier in der heimatlichen Provinz.

Vom geheimen Leben in unseren Kleiderschränken

von Franziska Schleicher (23. Juli 2018)

 

 

Jetzt hat der Guido auch noch einen Roman geschrieben. Ziemlich genau das ging mir durch den Kopf, als ich das erste Mal Das rote Kleid vor mir sah. Neugierig wie ich bin, wusste ich aber, dass ich mir dieses Buch doch einmal genauer anschauen muss.

Kretschmers erster Roman – er hat vorher schon zwei Ratgeber veröffentlicht – handelt von Anascha. Die ist ein rotes Seidenkleid und aus ihrer Perspektive wird auch die Geschichte erzählt. Richtig gelesen: hier sind die Kleidungsstücke die Protagonisten. Der Roman erzählt die Lebensgeschichte Anaschas. Kurz nach ihrer Geburt wird sie in einen Kostümfundus für einen Filmdreh (mit Menschen – so ganz ohne kommt der Roman dann doch nicht aus) gebracht. Dort erklären ihr die vielen Klamotten, auf die sie trifft, die Welt: Dass es das Ziel eines jeden Kleidungsstücks ist, ein Lieblingsteil zu werden und in einem Schrank ein Zuhause zu finden.

Kampf um den Stummfilm

von Hannah Deininger (4. Juli 2018)

 

 

In das Berlin der 1930er Jahre reist der Leser zusammen mit dem Kommissar Gereon Rath. Eine Schauspielerin stirbt durch einen tragischen Unfall bei den Dreharbeiten zu einem neuen Tonfilm. Gereon Rath wird gerufen, da man an der Zufälligkeit des Unfalls zweifelt.

Schon bald zeichnet sich ab, dass es bei Weitem kein Zufall war, der der jungen Schauspielerin das Leben kostete. Nachdem sich die Morde an jungen Schauspielerinnen häufen, nimmt der Krimi von Volker Kutscher Fahrt auf. Neben der fesselnden Kriminalhandlung ist es interessant mitzubekommen, wie die Filmwelt sich wandelte, hin vom Stumm- zum Tonfilm. Aus Sicht der Schauspieler, Regisseure, Produzenten und Geldgeber der Filmindustrie wird detailliert beschrieben, wie der Wandel sich langsam vollzieht. Eine Entwicklung, die den meisten unserer Generation im Detail nicht bekannt sein dürfte. Und wie manche versuchen an der alten Kunst festzuhalten, obwohl die Neuheit des Sprechfilms alles zu überrollen droht.