Die Rückkehr zur Normalität im Kriegszustand 

von Janine Vogelsang (9. Januar 2019)



Erhielt Arno Geiger im Jahr 2005 noch für „Es geht uns gut“ den Deutschen Buchpreis, so brachte Geiger Anfang des letzten Jahres erneut einen fulminanten neuen Roman heraus, der in den Feuilletons der deutschen Zeitungen für lange Zeit Gesprächsthema und Interessenpunkt war. 

An der Drachenwand im Jahr 1944 spielt der neue Roman des österreichischen Schriftstellers Arno Geiger. Der junge Veit Kolbe reist zum Mondsee, um sich von den Schrecken des Krieges zu erholen. Wie eine Atempause liest sich auch das Buch, in dem ganz bewusst die Ambivalenz des Krieges inszeniert wird. Zwischen Krieg und Idylle befindet sich die Kulisse, befinden sich alle Figuren. Allen voran Veit Kolbe, der mehr mit seinen Erinnerungen aus dem Krieg zu kämpfen hat, als mit den äußeren Gefahren. Findet man diese stete Ambivalenz bei dem Hauptprotagonisten, verweist Geiger mit strenger Beharrlichkeit auch auf die innere Widersprüchlichkeit der anderen Figuren, die keine absoluten Meinungen vertreten und sich gerade deshalb dem Roman auf künstliche Weise anpassen.

Krieg zwischen Engeln und Dämonen

von Lisanne Dehnbostel (5. Januar 2019)



Finstere Zeiten stehen bevor: jährlich fallen in den letzten fünf Dezembernächten Dämonen über die Erde her. In diesem Jahr verfolgen sie dabei einen ganz speziellen Plan. Die Dämonen wollen ständige Dunkelheit bringen, damit sie das gesamte Jahr über auf Menschenjagd gehen können. Die Rettung der Menschheit liegt allein an der 17-Jähigen Adriana und dem Halbdämonen Cruz. Sie müssen nicht nur weitere Halbdämonen zur Unterstützung auftreiben, sondern sich zudem mit verschollenen Engeln verbünden. Aber: wie und wo findet man diese?

Die originelle Plotidee von Anna MacKays Jugend-Trilogie Dämonentage bringt frischen Schwung ins Fantasybuchregal. Zwar befinden sich dort bereits einige Bücher über Dämonen, etwa Jennifer L. Armentrouts Reihe Dark Elements, doch die Verknüpfung mit der Engelthematik ist neu. Leider scheitert MacKay an der Umsetzung des ersten Bandes mit zahlreichen Klischees und nichtssagenden Charakteren.

Schlummert ein Mörder in jedem von uns?

von Franziska Schleicher (11. Dezember 2018)


Wem würdest du einen Mord zutrauen? Der Verkäuferin in der Bäckerei? Der Arzthelferin? Deinem besten Freund? Oder vielleicht sogar dir selbst? Mit dieser Frage spielt der neue Thriller der jungen deutschen Autorin Melanie Raabe.

Die Protagonistin Norah begegnet in ihrer neuen Heimat Wien auf der Straße einer Bettlerin, die ihr eine düstere Weissagung mit auf den Weg gibt: Norah wird am 11. Februar auf dem Prater einen Mann töten. Aus freien Stücken und mit gutem Grund. Zunächst tut Norah die Begegnung als nichtig ab und hält die Frau für verrückt. Doch nach und nach häufen sich merkwürdige Zufälle, die Norah in die Nähe dieses Mannes treiben. Sie beginnt Nachforschungen anzustellen und muss sich infolgedessen mit dem düstersten Kapitel ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Norah rutscht immer tiefer in einen scheinbar unaufhaltsamen Strudel aus Geheimnissen, an dessen Ende die entscheidende Frage wartet: ist sie wirklich in der Lage einen Menschen zu töten?

Schlüssel zur Vergangenheit 

von Jana Röckelein (28. November 2018)



Nomen est omen. Ein Schlüssel spielt in Marc Raabes Thriller Schlüssel 17 eine Schlüsselrolle. Zwischen düsteren DDR Machenschaften, dem Fund einer Leiche im Berliner Dom sowie einem verloren geglaubten Schlüssel spannt sich ein Netz, das Ermittler Tom Babylon immer mehr in seine Fänge treibt. 

Brutal zugerichtet hängt in der Kuppel des Berliner Doms die Leiche einer bekannten Pfarrerin. An ihren Hals hängt ein silberner Schlüssel mit der Aufschrift 17. Für Ermittler Tom Babylon beginnt mit diesem grausigen Fund ein Wettlauf gegen die Zeit, nicht nur aus Ermittlersicht, denn mit eben diesen Schlüssel verschwand seine jüngere Schwester Viola vor 19 Jahren. Er hat seit Jahrzehnten weder sie noch den Schlüssel gesehen. Viola ist sein wunder Punkt, er sein persönliches Damoklesschwert. Dieser eine kurze Moment am Tatort macht Tom schrittweise zu einem Getriebenen, der zunehmend jedem misstraut, der an den Ermittlungen beteiligt ist. Zu viele eigenartige Begegnungen und kleine Ungereimtheiten tauchen auf.

Take me to church!

von Jana Röckelein (4. November 2018)



„Wenn ich über alles nachdenke, was mir passiert ist, frage ich mich manchmal, ob irgendwas davon echt war. Ich frage mich manchmal, ob die Anstalt es vielleicht am Ende geschafft hat, mich verrückt zu machen.“ Was bleibt, wenn einem alles genommen wird, wenn sogar die eigene Identität ausradiert werden soll? Ergreifend erzählt der amerikanische Schriftsteller Garrard Conley in seiner autobiographischen Erzählung Boy erased über seine Zeit in einem Umerziehungscamp für Homosexuelle und wie sich dadurch die Beziehung zu seiner streng katholischen Familie verändert hat.

Arkansas, USA, 2003. Der Sohn eines streng katholischen Baptistenpredigers wird gegen seinen Willen vor seinen Eltern als homosexuell geoutet. Von nun an beginnt für ihn eine wahre Tortur – und die Frage nach seiner eigenen Identität. Unterwirft er sich den strengen Regeln seiner Kirchengemeinde, die die Bibel wortwörtlich nimmt und keine Fehltritte akzeptiert und entschließt sich zu einer Konversionstherapie oder riskiert er es für seine Identität einzustehen und aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden.