Reise durch Israel

von Leonie Herr (20. Mai 2020)

 

Im Mittelpunkt von Yehoshuas Roman steht Zvi, ein Straßenbauingenieur im Ruhestand, der zuletzt immer wieder kleine geistige Aussetzer hat. Ein Besuch beim Neurologen bestätigt dann auch, dass sich bei ihm auf dem Frontallappen eine Atrophie gebildet hat, die der Grund für die Erinnerungslücken ist. Doch der Arzt macht Hoffnung und hebt die Bedeutung geistiger Aktivität hervor, um der beginnenden Demenz etwas entgegenzusetzen. Zvi ist mit den täglichen Einkäufen und der Betreuung des Enkels tatsächlich nicht ausgelastet und so kommt das Angebot, als Berater bei einem Straßenbauprojekt tätig zu werden, gerade recht. Er soll seinen Amtsnachfolger im Bauministerium bei der Planung einer geheimen Straße in der Wüste unterstützen. Der junge und der alte Ingenieur machen sich deshalb auf den Weg in die Negev-Wüste im Süden Israels, um das Gelände zu besichtigen. Nur um festzustellen, dass der Straße ein Hügel im Weg ist, der abgetragen werden müsste – wäre da nicht die palästinensische Familie, die auf dem Hügel lebt. Die Lösung scheint ein Tunnel, doch von dieser aufwendigeren und teuren Lösung müssen die Zuständigen im Ministerium erst überzeugt werden.

"Der Sarg deiner Beerdigung"

von Niklas Knüpling (04. Mai 2020)


 

"Ich glaube, Sie sind mein Sohn.
Ich bin nicht Ihr Sohn.
Doch, doch, ich glaube schon."

"Das ist das wichtigste Bild deines Lebens. Das ist der Sarg deiner Beerdigung." Ein leerer Sarg, eine theatralische Trauergemeinde, eine Überzeugung: Ihr Sohn wurde von keiner Bombe getroffen und ist auch nicht gestorben. Von dieser Gewissheit getrieben lehnt sich Rosa Kaplan gegen ihr Schicksal auf. Um die schmerzhafte Lücke, die ihr verschollener Sohn Polat hinterlassen hat, zu füllen, beschließt sie, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und ihre Geschichte neu zu schreiben. Nach zehn Jahren Arbeit am Skript zur Serie TAXI zieht Rosa Kaplan los, um einen neuen Sohn zu suchen.
Von etwas Geld und dem Versprechen auf Abwechslung überzeugt, zieht der Erzähler des Romans in die Wohnung von Rosa Kaplan. Durch monatelanges Training schlüpft er in das Leben des Polat. Zusehends identifiziert er sich mit dessen Leben und beginnt, seine eigenen Erfahrungen hinter sich zu lassen.

Schwarz und Weiß

von Sebastian Meisel (22. April 2020)

 

Eines der sicherlich außergewöhnlichsten Bücher der vergangenen Saison zu besprechen, kann immer ein Wagnis sein. Die Erwartungen sind aufgeladen, Verrisse und Jubelarien schon geschrieben, gelesen, vergessen. Dies gilt umso mehr, wenn ein Roman über ein hochaktuelles und ebenso extrem polarisierendes Thema sprechen will. In Brüder von Jackie Thomae ist es die Herkunft und Jugend zweier afrodeutscher Brüder. Aber damit nicht genug, denn beide wachsen in jenem Teil Deutschlands auf, der gemeinhin nicht für seine Diversität bekannt war: die DDR. Sicher ist es kein Zufall, dass die Autorin Jackie Thomae eine fast gleich verlaufende Kindheit hatte – damit schleicht sich sogleich der Verdacht ein, dass es sich hier doch nur um einen autobiographischen Roman handeln könne, angereichert mit fiktionalen Zügen.

Eine Umarmung in Buchform

von Svenja Zeitler (08. April 2020)

 

Ist es eine Geschichte, ein Bilderbuch, ein Selbsthilfe-Ratgeber oder ein Kunstwerk? Alles auf einmal. Nachdem der Künstler, Cartoonist und Illustrator Charlie Mackesy mit seiner Zeichnung eines Jungen und eines Pferdes das Internet begeisterte, veröffentlichte er kurz darauf das Buch mit der Geschichte der vier untypischen Freunde Junge, Maulwurf, Fuchs und Pferd, in dem er deren kluge Unterhaltungen und bewegende Erlebnisse wiedergibt. Dieses eroberte die Herzen der Menschen im englischsprachigen Raum (und darüber hinaus) im Sturm, es wurden Nachdrucke angefordert und nun ist diese Komposition aus Kunst, Poesie und Lebensweisheiten auch im Deutschen erschienen.

Wir haben einen Deal.

von Paula Heidenfelder (01. April 2020)



Sinking Ships
ist Tami Fischers zweiter New Adult Roman der Fletcher-University-Reihe. In diesem begleiten die LeserInnen Carla und Mitchell, die im vorherigen Band Burning Bridges als Nebencharaktere vorkommen, bei ihrem alltäglichen studentischen Leben, ihren Auseinandersetzungen mit der Familie und gemütlichen Abenden mit Freunden. In dem Roman geht es um das Überwinden von Ängsten und das Zulassen von Schwächen.

"Doch manchmal musste man eben Opfer bringen, wenn man einen Menschen liebte."

Carla Santos hat Angst vor tiefem Wasser, ihre Familienverhältnisse sind kompliziert und ihr persönliches Umfeld könnte bei der kleinsten Schwierigkeit auseinanderbrechen. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Brüder Mateo und Oskar, die sie um jeden Preis beschützen will und baut eine Mauer um sich herum auf, damit ihrer Familie nichts passiert. Gefühle und eine feste Beziehung kommen für sie nicht infrage und schon gar nicht mit dem Überflieger und Good Guy Mitchell Moore. Dessen Familienverhältnisse scheinen perfekt und auch einer Zukunft als Schwimmer steht nichts im Weg. Als es jedoch auf einer Party zu einer prekären Situation kommt und Mitchell von Carlas Angst erfährt, möchte er ihr helfen, diese zu überwinden. Zusammen arbeiten sie daran und obwohl Mitchell seine Gefühle Carla gegenüber nicht verbergen kann, gesteht sich Carla diese nicht ein. Fehlendes Vertrauen, Stolz und Angst halten sie davon ab, ihre Empfindungen zuzulassen. Doch als Carlas Welt durch Probleme mit einem ihrer Brüder bedroht wird, hilft Mitchell ihr ohne zu zögern. Wird Carla der Liebe eine Chance geben?