»Stalin« und das Drogenkartell

von Florian Grobbel (23. September 2017)

 

 © Jule Hahn

 

Der Bamberger Autor Julo Drescowitz vertonte in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Felix Pielmeier eine seiner Geschichten. Herausgekommen ist dabei das etwa 45-minütiges Neo-Noir Hörbuch Wegen der Sache mit den Gaspistolen, welches eine klassische Mafiageschichte erzählt. Es geht um Drogen, Gewalt, Russen und die Liebe zu einer Frau, die irgendetwas zu verbergen scheint.

Das Hörbuch erzählt in der Ich-Perspektive die Geschichte von Polijak, einem jugendlichen Russen, der in einer dubiosen und kriminellen Gegend lebt. Zusammen mit seinem Kumpel Deniz ist er an die Familie Vladow geraten, angeführt von dem narbengesichtigen »Stalin« und seinem unberechenbaren wie brutalen Bruder Olec, die ein großes Drogengeschäft am Laufen haben. Für die Geschwister soll Polijak einen Auftrag erledigen. Ein deutscher Drogendealer ist im Viertel der Vladows und verkauft sein Marihuana wesentlich günstiger. Polijak und Deniz sollen ihn mit unechten Waffen einschüchtern, woraufhin die Polizei ausrückt und die beiden vor Gericht landen: Wegen der Sache mit den Gaspistolen. Dazu kommt noch ein Verhältnis, dass der Protagonist mit der ebenfalls russischen Maruschka führt, von der er aber nicht weiß, ob sie an einer ernsthaften Beziehung interessiert ist. Als Polijak zusammen mit Olec noch einmal den Deutschen besucht, um ihn, diesmal mit echter Munition, dazu zu bringen ein für alle Mal zu verschwinden, verrät der ihnen, wer sie wirklich bei der Polizei verraten hat.

Georg Büchner und seine Geschwister

von Frederic Heisig (19. Mai 2009)

Besonders unter jungen Germanisten wird Georg Büchner für sein literarisches Talent, sein politisches Engagement und die Überschaubarkeit seines Lebenswerkes geliebt und bewundert. Aber der Verfasser des Woyzeck kommt in dem Feature Georg Büchner und seine Geschwister. Ein Familienpanorama von Heiner Boehncke, Peter Brunner und Hans Sarkowicz eher am Rande vor. Vermutlich war sein Leben zu kurz, um in diesem sehr biographisch gehaltenen Panorama mehr Platz einzunehmen. Aus seinem Schatten treten dann diejenigen, die fast in Vergessenheit geraten waren: Die Familie.

Weltuntergang hautnah

von Julia Göpfert (24. Juni 2009)

Jean Paul stellt in seinem Roman Siebenkäs (1796) den Atheismus der Idee der Unsterblichkeit gegenüber. Dem Traum Siebenkäs‘, der Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei, kommt hierbei besondere Beachtung zu. In einer Übung haben Studenten des Diplom-Studiengangs Germanistik unter der Leitung von Thorsten Heinz diese Rede in ein Hörspiel verwandelt.

Jenseits von Gut und Böse

von Bettina Gabler (24. Juni 2009)

Die Liebe ist ein grausamer Mann von Hans Henny Jahnn (1894–1959) ist ein akustisches Portrait, das Auszüge aus Jahnns Lebenswerk, seinen Dramen und seinen essayistischen Werken, wiedergibt. Nicht nur die hervorragende Leistung der Sprecher, die durch klare und sympathische Stimmen überzeugen, macht das Hörbuch zu einem spannenden Erlebnis.

Die Welt ist eine Opernbühne

von Anja Hedrich (24. Juni 2009)

»Worte eines solchen Abschieds haben wir nicht in unserem Repertoire.« Die Sprachlosigkeit einer unsagbar schweren Trennung steht zwar am Anfang des Hörbuchs, für die Geschichte jedoch, die dieser vorausgeht, findet Pascal Mercier eine Fülle von wunderschönen Worten, die er seinen Figuren behutsam in den Mund legt.

Nach sechs Jahren begegnen sich die Zwillinge Patricia und Patrice in ihrem Elternhaus wieder, nachdem ihr Vater wegen Mordes ins Gefängnis gekommen ist. Das Opfer ist ein berühmter Opernsänger, der tödliche Schuss hat ihn auf der Bühne getroffen und der Klavierstimmer Frédéric Delacroix ist sofort festgenommen worden. Wechselnd legen nun die Hauptfiguren ihre Gefühle und Erlebnisse offen und geben tiefe Einblicke in die Geschichte einer Familie – um Inzest, Mord und die Liebe zur Musik. Im Zentrum steht die komplizierte Beziehung der Geschwister, die beschlossen haben, endgültig Abschied voneinander zu nehmen. Zwar erreichen all die Bekenntnisse den Hörer, zur Aussprache der Protagonisten kommt es aber nie, denn: »Es ist anstrengend, die eigenen Gedanken mit anderen zu teilen, vielleicht sogar unmöglich, wer weiß.«