Weltuntergang hautnah

von Julia Göpfert (24. Juni 2009)

Jean Paul stellt in seinem Roman Siebenkäs (1796) den Atheismus der Idee der Unsterblichkeit gegenüber. Dem Traum Siebenkäs‘, der Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei, kommt hierbei besondere Beachtung zu. In einer Übung haben Studenten des Diplom-Studiengangs Germanistik unter der Leitung von Thorsten Heinz diese Rede in ein Hörspiel verwandelt.

Damit auch Jean-Paul-Unerfahrene dem Geschehen folgen können, beginnt die CD zunächst mit einer Einführung zum Autor und dem Original.Dann folgt das Hörspiel. Eine ruhige, aber dennoch packende Erzählerstimme ermöglicht es, die schwierigen Gedanken Jean Pauls und den verschachtelten Satzbau aufzunehmen und somit die ganze Schrecklichkeit des Weltuntergangs-szenarios zu begreifen. Die vollendete Symbiose von Text und Ton zieht magisch in das Hörspiel hinein, sodass man sich, wenn man die Augen schließt, mitten unter Toten, am Ende aller Welten, wiederfindet. Stimmengewirr, der Chor der Toten und die Klagen der Kinder sind beklemmend verwirklicht und auch Christus selbst zieht den Hörer in seinen Bann.Der Übergang zwischen Schlafen und Wachen wird sofort deutlich. Nach dem apokalyptischen Nachttraum wirkt der Morgen idyllisch, untermalt vom Gesang der Vögel und wundervoller Musik, sodass man meint, sogar die Sonnenstrahlen des Morgens zu hören.


Der tote Christus spricht (frei nach Jean Paul)
Produziert von Studierenden der Universität Bamberg
unter der Leitung von Thorsten Heinz
1 CD, ca. 30 Minuten