Georg Büchner und seine Geschwister

von Frederic Heisig (19. Mai 2009)

Besonders unter jungen Germanisten wird Georg Büchner für sein literarisches Talent, sein politisches Engagement und die Überschaubarkeit seines Lebenswerkes geliebt und bewundert. Aber der Verfasser des Woyzeck kommt in dem Feature Georg Büchner und seine Geschwister. Ein Familienpanorama von Heiner Boehncke, Peter Brunner und Hans Sarkowicz eher am Rande vor. Vermutlich war sein Leben zu kurz, um in diesem sehr biographisch gehaltenen Panorama mehr Platz einzunehmen. Aus seinem Schatten treten dann diejenigen, die fast in Vergessenheit geraten waren: Die Familie.

Heiner Boehncke, Peter Brunner und Hans Sarkowicz Georg Büchner und seine Geschwister. Ein Familienpanorama
In der Familie Büchner schaffte es - bis auf die häuslichere Matilde – jeder auf seine Art und Weise es zu etwas zu bringen. Die Geschwister Ludwig, Wilhelm, Luise und Alexander wurden als Philosoph, Chemiefabrikant, Frauenrechtlerin und Literaturprofessor bekannt und vermögend. Jeder trug seinen Teil dazu bei, die Tradition von 1848 in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zu tragen. Das war nicht immer einfach für die Eltern Ernst und Caroline Luise Büchner. Immerhin war der Vater als Medizinalrat und Vorsitzender der Obermedizinaldirektion Staatsbeamter und musste sich zumindest offiziell vor der politischen Agitation seiner Kinder in Acht nehmen. Lange Zeit war auch nicht Georg der bekannteste Büchner, sondern sein Bruder Ludwig, der mit seinem philosophischen Werk Kraft und Stoff die Intellektuellen seiner Zeit polarisierte und sogar bei Dostojewski zitiert wird.

Mit Schuberts Sinfonie Nr. 9 C-Dur und netten Anekdoten wird das Darmstädter Idyll der Büchners in bunten Farben ausgemalt und man versteht, dass Georg sein Talent schon mit der Muttermilch aufgesogen haben muss. Man kann sich vorstellen, wie die Büchners stundenlang zu Tisch die kontroversesten Themen diskutierten, und immer wieder aufs Neue muss das Fazit lauten: „dass die Familie Büchner vor allem eines war: revolutionär!“ Das bestätigt dann auch Manfred Büchner, ein Urenkel von Wilhelm, der die Revoluzzergene seiner Vorfahren bis in die Gegenwart hinein spüren will. Nachdem diese Tendenz in 131 Minuten Spielzeit viel öfter als nötig herausgestellt wurde, beginnt man sich zu fragen, wen denn eigentlich so ein Familienpanorama interessiert und ob man stattdessen nicht doch lieber noch einmal Leonce und Lena gelesen hätte. Denn Georg – und das will auch dieses Feature nicht unterschlagen - war trotz seines rätselhaft kurzen Lebens „das Wasserzeichen“ des Büchner’schen Schaffens.

---

Heiner Boehncke, Peter Brunner und Hans Sarkowicz
Georg Büchner und seine Geschwister. Ein Familienpanorama
Der Hörverlag 2009
131 Minuten/ 2 CDs
19,95 €