»Stalin« und das Drogenkartell

von Florian Grobbel (23. September 2017)

 

 © Jule Hahn

 

Der Bamberger Autor Julo Drescowitz vertonte in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Felix Pielmeier eine seiner Geschichten. Herausgekommen ist dabei das etwa 45-minütiges Neo-Noir Hörbuch Wegen der Sache mit den Gaspistolen, welches eine klassische Mafiageschichte erzählt. Es geht um Drogen, Gewalt, Russen und die Liebe zu einer Frau, die irgendetwas zu verbergen scheint.

Das Hörbuch erzählt in der Ich-Perspektive die Geschichte von Polijak, einem jugendlichen Russen, der in einer dubiosen und kriminellen Gegend lebt. Zusammen mit seinem Kumpel Deniz ist er an die Familie Vladow geraten, angeführt von dem narbengesichtigen »Stalin« und seinem unberechenbaren wie brutalen Bruder Olec, die ein großes Drogengeschäft am Laufen haben. Für die Geschwister soll Polijak einen Auftrag erledigen. Ein deutscher Drogendealer ist im Viertel der Vladows und verkauft sein Marihuana wesentlich günstiger. Polijak und Deniz sollen ihn mit unechten Waffen einschüchtern, woraufhin die Polizei ausrückt und die beiden vor Gericht landen: Wegen der Sache mit den Gaspistolen. Dazu kommt noch ein Verhältnis, dass der Protagonist mit der ebenfalls russischen Maruschka führt, von der er aber nicht weiß, ob sie an einer ernsthaften Beziehung interessiert ist. Als Polijak zusammen mit Olec noch einmal den Deutschen besucht, um ihn, diesmal mit echter Munition, dazu zu bringen ein für alle Mal zu verschwinden, verrät der ihnen, wer sie wirklich bei der Polizei verraten hat.

Wegen der Sache mit den Gaspistolen ist ein schönes, kurzweiliges Hörbuch für einen verregneten Herbstnachmittag, den man auf dem Sofa mit einer Tasse Tee verbringt. Produziert wurde es von Julo Drescowitz selbst ohne die Professionalität eines Aufnahmestudios. Das Rauschen und die dann und wann auftretenden Hintergrundgeräusche stören beim Hören aber keineswegs, was auch der sehr angenehmen Stimme von Schauspieler Felix Pielmeier zu verdanken ist, die gut zur Hauptfigur Polijak passt. Allerdings muss man sagen, dass man einige unschöne Makel, auch ohne Studiotechnik hätte vermeiden können. So wird hier und da mal ein Wort verschluckt oder es entsteht eine Pause mitten im Satz, wenn die Seite umgeblättert wird. Das sind zwar Kleinigkeiten, aber das Ergebnis würde um einiges stimmiger, wenn man den Abschnitt noch einmal neu aufnimmt. Das selbe gilt auch für den Anfang. Das erste der 17 kurzen Kapitel greift voraus und gibt einen kurzen Einblick in den späteren Verlauf der Geschichte. Dabei ist auch das Geräusch eines startenden Autos zu hören, als die Vladows abfahren. Man stellt sich auf eine szenische Lesung mit Geräuschen ein, aber leider es bleibt bei diesem einen Soundeffekt. 

Zur Geschichte, kann man sagen, dass durch sie das Genre der Mafia-Literatur natürlich nicht neu erfunden wurde. Es geht um Rache, Waffengewalt, Mord und der Schauplatz ist eine Welt, wie sie böser und schlechter nicht sein könnte. Der alte Polizeitrick um sich beim Deutschen Einlass zu verschaffen überrascht nicht wirklich und es ist klar, dass Polijaks Liebe Maruschka am Ende noch eine wichtige Rolle im Komplott spielen wird.

Trotzdem ist die Handlung sehr gut erzählt. Drescowitz vermittelt die düstere Stimmung gekonnt und beschreibt Szenen unglaublich lebhaft. Dazu zählen vor allem die Handlungshöhepunkte wie das Aufeinandertreffen mit dem Deutschen oder der Geschlechtsverkehr zwischen Polijak und Maruschka. Aber auch die leisen Szenen und die gedankliche Welt der Hauptfigur sind unterhaltsam und man hört gerne zu.

Schlussendlich kann ich das Hörbuch auf jeden Fall weiterempfehlen. Wer mal einen Tag in der Stimmung für düstere, klassische Mafiageschichten ist, dem sei es ans Herz gelegt. Es ist zu hoffen, dass Julo Drescowitz noch eine weiteres Hörbuch produziert, bei dem er sich vielleicht ein wenig mehr Zeit für die Ausarbeitung von kleinen technischen Fehlern lässt, die bei so einer Aufnahme passieren können, aber den Hörer wieder mit seinem Talent für Beschreibung und Charaktere unterhält. 

Für alle, die sich selbst ein Bild machen wollen, steht das Hörbuch hier kostenlos auf YouTube zur Verfügung.