Die Leipziger Buchmesse 2015: Der Duft von frischen Büchern

von Verena Bauer (19. März 2015)

Überall Bücher, enge Gänge und kuriose Wesen, die den Weg kreuzen – so manch einer mag sich jetzt an Walter Moers' Romane erinnert fühlen. Ich spreche aber hier von der Leipziger Buchmesse, die am vergangenen Wochenende auf dem Leipziger Messegelände stattgefunden hat. Zwar geht es hier ein wenig geschäftiger und weniger geheimnisvoll zu, als in besagten Romanen, aber alle Bücherwürmer und Leseratten können sich auf der Buchmesse nur wie im Paradies fühlen: Überall neu erschienene Literatur, Gespräche über Bücher und verwandte Themen, Leseecken, Leseproben, Poetry Slams, und auch sonst alles, was nur irgendwie mit Literatur zu tun hat. Sogar das optimale Lese-Möbel kann man hier erwerben (für viel Geld). 

Kein Wunder, dass bei diesem großen Angebot immer mehr Bücher-Liebhaber im März nach Leipzig strömen. In diesem Jahr waren es 251.000, was sage und schreibe 14.000 mehr sind, als im Jahr zuvor. Für so viele Besucher muss natürlich auch etwas geboten werden, und da haben sich die Veranstalter kräftig ins Zeug gelegt: zusammen mit dem Lesefest „Leipzig liest“ fanden auf der Messe selbst und an verschiedenen Orten in der Stadt 3.200 Veranstaltungen statt. Besonders von sich reden machten neben den Gewinnern des Preises der Leipziger Buchmesse (siehe Philipps Beitrag) heuer Kinderbücher, das Thema „Self-Publishing“ und natürlich die Veranstaltungen rund um den diesjährigen Schwerpunkt „1965-2015. Deutschland – Israel“.

„Schaue ich nun selber in die Bücher rein, oder lausche ich lieber Experten, um mir einen Überblick zu verschaffen? Richte ich meine Aufmerksamkeit nun auf die Autoren und Dichter, die ihre Worte verkünden wollen, oder staune ich lieber die ganzen verkleideten Gestalten an?“ - das hat sich vermutlich jeder Besucher der Buchmesse mindestens einmal gefragt. Reizüberflutung, ganz im positiven Sinne, ist auf jeden Fall gegeben. Und das nicht zuletzt wegen der vielen Cosplayer, die zur parallel auf dem Messegelände stattfindenden Manga-Comic-Convention strömen. Da läuft auf einmal eine Gruppe Disney-Prinzessinnen vorbei. Zwei Meter weiter trifft man auf Figuren berühmter Anime-Serien. Dreht man sich um, versperrt einem plötzlich Iron Man den Weg, und ein paar Schritte weiter steht ein ganz in sich versunkener Batman wie eine Statue. Figuren aus Filmen, Serien und Computerspielen aus den unterschiedlichsten Bereichen treffen hier aufeinander. 

 Was das noch mit Literatur zu tun hat? Nun – jede Geschichte hat ihr Vorbild in einer anderen oder nimmt zumindest Anleihen aus schon Vorhandenem. So haben die Disney-Filme bekanntermaßen Märchen als Grundlage, und diese wiederum alte Volkssagen. Auch andere Filme basieren auf dem geschriebenen Wort, und viele Figuren aus Computerspielen sind wiederum an Roman- oder Filmfiguren angelehnt. Und wenn die Verbindung doch mal nicht so ganz zurück zu verfolgen ist: Wir sind ja tolerante Büchermenschen. Und so ein Blick auf etwas Großes, Buntes lenkt uns mal ab von dem ganzen Buchstabensalat, der uns sonst so umgibt. Schließlich, wie schon auf facebook gesagt, tut so ein Perspektivenwechsel uns allen mal ganz gut und passt doch auch irgendwie zum Messeschwerpunkt, oder? 

Mit vollem Hirn und schwerem Herzen haben wir uns schließlich von diesen heiligen Hallen voller Seitenrascheln und dem dezenten Parfüm frisch gedruckter Bücher getrennt. Sehnsüchtig blicken wir zurück und freuen uns schon auf den nächsten Besuch!