Von der Kunst, das Leben nicht so ernst zu nehmen

von Verena Bauer (26. Mai 2015)

 

© Olaf Kutzmutz

Am Abend des 19.05. war der Autor Markus Orths in Bamberg zu Gast, um in der Buchhandlung Hübscher aus seinem neuen Buch Alpha & Omega. Apokalypse für Anfänger zu lesen. Im anschließenden Gespräch des Autors mit Frau Prof. Dr. Andrea Bartl konnte das Publikum mehr über die Hintergründe des Romans erfahren und den »Kopf dahinter« besser kennen lernen.

Sehr zurückhaltend wirkt der Mensch, der da, den gespannten Zuhörern ein breites Lächeln entgegen werfend, zu seinem Lesepult huscht. Einfach ist er gekleidet, schwarze Baumwollhose, schwarzes Hemd, grobe braune Schuhe. Knapp, aber freundlich, begrüßt er die Umsitzenden und beginnt, von seinem Roman zu erzählen. 

Mit dem ersten Satz aus dem Buch scheint Orths sich plötzlich zu verwandeln. Gar nicht mehr schüchtern wirkt er nun, die Stimme wird fest und kräftig. Angenehm deutlich, geübt und mit dramaturgischem Talent bringt er das Publikum auf seine Kosten. Zunehmend selbstbewusster und mit mehr Mundart in den Dialogen nimmt Orths sein Publikum gekonnt mit auf die Reise in die mehr und weniger entfernte Zukunft. Erste Lachwellen erntet er, als er von der Szene im Buch erzählt, in der Gusto Alpha mit einem blutenden Messer über Omega stehend erwischt, nachdem der hohle Hund Escher einen Tennisball verschluckt hat... Ja, das Buch ist verrückt! Aber auch intelligent. Und satirisch. Halleluja!

 

So beschert Markus Orths den versammelten Bambergern einen angenehmen Abend zwischen schwulen Buddhas, Phantom-Zeitreisenden, überrumpelnden sexuellen Erlebnissen, schwebenden Topmodels und schwarzen Löchern. Doch so viel auch außenrum passiert, die eigentlich zentrale Figur des Buches bleibt Gusto Winter. Der alte Zyniker ist auch für den Autor die »geheime Hauptfigur«. Auf Sardinien, mit einem Glas Wein in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand, sei ihm die Idee zu diesem Charakter gekommen und habe ihn nicht wieder los gelassen. Obwohl sich das zu diesem Zeitpunkt schwierig gestaltet haben mag, habe ihn Gusto »an der Hand genommen und in den Roman hinein geführt«.

So viel Zynismus und Satire auf einen Haufen, die trotzdem keinen der Charaktere zu einem Dasein als reine Witzfigur verdammt, erinnert an Autoren wie Terry Pratchett oder Douglas Adams. Doch keines ihrer Bücher hat Orths selbst gelesen – umso genialer ist es dadurch, was er mit Alpha & Omega. Apokalypse für Anfänger geschaffen hat. Und wie bodenständig der Autor dennoch geblieben ist. Schließlich ist der Roman, als große »Alles-Satire« auch »eine Parodie auf die Sinnlosigkeit des Schreibens«. Er wolle sich schließlich nicht zu viel einbilden auf das, was Kunst bewirken könne, denn auch sie »hat was Wahnsinniges«.