Einmal durch die Blume und zurück

von Alexandra Kaganowska (2. Januar 2017)

 

© C. Forcht

 

Nach dem Erfolg der ersten Ausgabe von fortississimo, das 2015 von Niklas Schmitt und Timotheus Riedel ins Leben gerufen wurde, erwarteten wir voller Vorfreude die zweite Lesung der Bamberger Edition junger Texte. Am Abend des 12. Dezembers war es wieder soweit. Für ein paar Stunden wurde das Rezensöhnchen zusammen mit anderen Zuschauern auf eine kleine Reise mitgenommen – eine unvergessliche und berührende Reise in die Welt der Lyrik und Prosa.

Mysteriöse Musikklänge, ein kleiner aber gemütlicher Raum voller Menschen und das Gefühl allgegenwärtiger Erwartung, so wurde man kurz vor acht auf den Abend eingestimmt. Eröffnet wurde die Lesung durch Manuel Paß’ Rede, der zusammen mit Sandra Marie Heppes, Leah Hentschel und Mirjam Stumpf dieses Jahr die zweite Ausgabe des fortississimo herausgegeben hat. Man wurde auf das Konzept und die drei bevorstehenden Abschnitte vorbereitet, in die die Lesung eingeteilt werden sollte. Durch die Blume, Über die Blume und An die Blume waren die Stationen der diesjährigen literarischen Reise und des Abends, der stimmungsvoll am Klavier und Schlagzeug von dem Jazz-Duo Tip Top begleitet wurde. Nach einer Danksagung an Bernd Goldmann und den Illustrator Robert Schwarz endete der formelle und begann der literarische Teil.

 

 © C. Forcht

 

Wie auch letztes Jahr gab es wieder drei Blöcke, in denen mehrere Werke von verschiedenen Studenten-Künstlern vorgelesen wurden. Den ersten Block begann Moody Wonders mit seiner Spanischen Elegie. Schon die ersten Zeilen des Gedichts, das etwas altmodisch Schönes an sich hat, prägen sich ein:

»Denk ich an das, was ich früher oft dachte,
was ich da wollte, dass mir mein Herz lachte,
dann weiß ich wieder, was heute ich will,
was ich nun brauche und schon bin ich still.«

Weiter folgte Lisa-Marie Kuichs VISIONS OF URBAN SOLITUDE VII, ebenfalls ein Gedicht, aber von einem ganz anderen, pessimistisch futuristischen Charakter aus einer Reihe, das die Verfasserin zur besseren Wirkung gleich zweimal vorlas. Generell war an diesem Abend etwas für jeden dabei, weil jedes Gedicht und jedes kleine Prosawerk sich vom Charakter und Stil her unterschieden hat.

 

 © C. Forcht

 

So konnten wir von ganzem Herzen lachen, während Leah Hentschel mit knallhartem Sarkasmus und Humor ihre Geschichte über einen erdnussbutter-intoleranten Hund vorlas, dessen Besitzer sich am Ende eingestehen musste, dass der mühsame Weg zur Tierarztpraxis und der Übernachtungsgast doch gar nicht so schlimm waren. Mit Mina Rezapours Ein neues Land wurden wir in die traurige Realität aller Menschen versetzt, die in einem neuen Land Zuflucht und einen neuen Lebensraum suchen, um mit einem »Ihren Pass, bitte!« all das wieder zu verlieren, denn es ist leider »eine Welt, die sich verschließen lässt«. Zwar gab es beim Zuhören ein paar Verständnisschwierigkeiten, wodurch der Wirkung des Gedichts aber nichts abging.

Aber das sind nur ein paar Beispiele für die verschiedenartigen Eindrücke, die wir Zuschauer an diesem Abend sammeln durften, und für die Fülle an Emotionen, die einem mit jedem neuen vorgelesenen Kunstwerk überfluteten. Mal besinnlich, mal witzig, mal melancholisch und romantisch, so war für jeden was dabei. Mal wurde aus der Sammlung vorgelesen, die in das fortississimo aufgenommen wurde, aber auch mal was Neues. Durch die musikalischen Pausen hatte man dazwischen immer wieder kurz die Möglichkeit, nach Luft zu schnappen, um vom einen in das nächste literarische Erlebnis einzutauchen. Schön ist, dass am Ende der Lesung den Zuschauern auch noch etwas Zeit gelassen wurde, um sich bei Snacks und Wein gemeinsam auszutauschen, nochmal alles zu verarbeiten und wieder in die reale Welt zurückzukommen.

 

© C. Forcht

 

Euphorisch, voller Gedanken und inspiriert, vielleicht endlich auch selber mal die Schreibfeder zu schwingen, verließen wir die gemütliche Atmosphäre und den kleinen Raum am Schillerplatz. Wir hoffen sehr auf eine Fortsetzung der Ausgabe mit vielen neuen Ideen und Erlebnissen. Für alle, die es dieses Jahr nicht geschafft haben, ist Nachholen im Jahr 2017 ein Muss!