Leipzig-Logbuch: Bitte beginnen Sie nun, sich für Lyrik zu begeistern

von Philipp Schlüter (16. März 2015)

Man kennt die Aufnahmen aus dem Fernseher, in denen die Preisträgerinnen und Preisträger der Leipziger oder Frankfurter Buchmesse im Moment ihres Auserwählt-Seins erscheinen und von hochrangigen Vertretern der Literaturkritik zu gekrönten Dichtern erhoben werden. War man noch nicht dort, so wähnt man die Buchmessen als einen besonderen Ort, an dem die deutsche Literatur neue Pfade einschlägt. Zugegeben, das klingt alles sehr idealistisch und prätentiös. Die dargelegte Ansicht, mit dem sich der hier Schreibende auf den Weg nach Leipzig machte, war nicht ganz so heroisch angehaucht. Er folgte eher der Maxime: Besser man verschafft sich selbst einen Überblick! Auch hatte er bereits, wie jeder anderer literaturaffine Mensch, ausschnittartig vom Preis der Leipziger Buchmesse und dessen Verleihung gehört, in Zeitungen davon gelesen oder auf Blogs einen kleinen Einblick in den Messealltag erhascht. All das Gehörte und Gelesene musste der persönlichen Überprüfung standhalten oder untergehen. Ein Bericht zur diesjährigen Preisverleihung.

Die Ankunft in der Haupthalle des Messegeländes fühlt sich gut an. Immer wieder bilden sich Menschentrauben und lösen sich nach Vorträgen an den unterschiedlichsten Gesprächspodien langsam wieder auf. Es herrscht eine angenehme Stimmung, die Menschen sehen zufrieden aus, so meine ich es zumindest zu spüren. Halle 1 wird von vier weiteren gigantischen Messehallen umlagert. Ich schreite unter dem gläsernen Halbrund über mir wahllos in Richtung Halle 5. Die Verlagsstände von Dumont und Kiepenheuer & Witsch werden für mich zu zwei Säulen einer Eingangspforte, durch die ich mich in das Leben der Buchmesse stürze. Die Neuerscheinungen der Verlage thronen an den Ausstellungswänden. Man kann sich hier durch die gesamten Verlagsneuerscheinungen lesen, sofern man im doch recht hektischen Hin- und Her und neben dem subtilen Lautstärkepegel dazu die Ruhe findet. Die frischen, vielversprechenden Bücher und adretten Damen hauchen den verschiedenen Ausstellungsflächen das entsprechende Leben ein.