Alles neu und gar nichts anders

von Florian Grobbel (15. Oktober 2018)


       

Es wurde mal wieder Zeit. Einer der populärsten Stoffe der Kinderliteratur bekam seine Neuverfilmung. Besonders die Bücher Erich Kästners scheinen einen ganz besonderen Reiz für stetig neue Filme zu haben. Jeder seiner bekannten Kinderromane wurde mittlerweile mindestens zwei Mal verfilmt. Nach dem ersten Kinoerfolg aus dem Jahr 1950, einer sehr kitschigen 90er-Version und vielen mehr oder weniger geglückten US-Adaptionen, wurde im vergangenen Jahr Das doppelte Lottchen für den SWR wieder einmal neu produziert.

Dass sogar Disney einen seiner Filme der Verwechslungsgeschichte widmete, zeugt von der Genialität und Einfachheit des Stoffes. In einem Feriencamp laufen sich aus Zufall zwei Mädchen über den Weg, die sich bis aufs Haar gleichen. Lotte und Luise finden schnell heraus, dass sie Zwillinge sind und als Kleinkinder getrennt wurden. Luise lebt bei ihrem Vater – im Falle der Neuverfilmung in Salzburg – Lotte bleibt bei ihrer Mutter in Frankfurt. Sie entschließen sich, die Rollen zu tauschen und ihr jeweils anderes Elternteil kennenzulernen. Nach einigen Katastrophen, die das Leben des Anderen mit sich bringt, klärt sich die Verlade auf und die geschiedenen Eltern kommen wieder zusammen.

Crime-Time im Kinosessel

von Dominik Achtermeier (27. Dezember 2017)

 

 

Gleich von der ersten Minute an bin ich fasziniert von den Bildern, die sich mir als gespannter Zuschauer präsentieren. Mord im Orient-Express, einer der wohl bekanntesten Titel der Kriminalliteratur von der Königin des Genres höchstpersönlich: Agatha Christie. Und als großer Christie-Fan und in die Geschichte Eingeweihter bin ich bereit, in der wohl nobelsten Dampflock der Welt einer illustren Runde auf den Zahn zu fühlen.

Jerusalem 1933 – Der Vorspann

Hercule Poirot ist nicht nur ein charmanter Belgier, sondern auch abwägender Richter und genau-beobachtender Detektiv. Vor der geschichtsträchtigen Klagemauer und den Augen der einheimischen Bevölkerung stellt er sein Geschick in der detektivischen Aufklärungsarbeit unter Beweis und nimmt den Zuschauer bereits hier mit auf die Aufklärungsreise eines Verbrechens. Diesen Vorspann braucht Regisseur und Hauptdarsteller Kenneth Branagh, um seine Hauptfigur vorzustellen und orientalische Funken zu versprühen, die auch im anschließenden Istanbul-Panorama nochmals auffunkeln und spätestens in diesem Moment ein Abenteuer für die Augen sind. Mit der Abfahrt des Zugs verlässt der Film aber diese äußere Idylle und wird klaustrophobischer.

Götter sind out

von Lucie Homann (9. Juli 2017)

 

 

 

Google ist schneller um Rat gefragt als ein Priester. Karma lässt sich viel leichter durch die Social-Media-App Jodel als durch gute Taten verdienen und Tieropfer für eine erfolgreiche Ernte erscheinen unnötig, wenn der Kühlschrank überquillt. American Gods postuliert genau diese Art des Konflikts zwischen den archaischen und den modernen Göttern. Während die Götter der alten Welt drohen, vergessen zu werden, erheben sich aus den Stromkabeln die neuen Gottheiten der Technologie, des Fernsehens und der Globalisierung.

»Somewhere in America«

Kein Land eignet sich besser als Schauplatz für den Endkampf der Gottheiten als Nordamerika, das Land der Einwanderer. Das Land, in dem erstmals Götter und Fabelwesen verschiedenster Kulturkreise aufeinandertrafen, geeint nur durch den unbändigen Glauben an den American Dream.

»Denn was ist dies anderes als Verstellung?«

von Svenja Schwentker (21. Januar 2017)

 

 

Jane Austen-Verfilmungen? Das sind aufwendige Kostüme, rauschende Feste des britischen Adels und pompöse Landsitze. Aber auch gewitzte Dialoge, charmante Protagonistinnen und ein ironischer Blick auf die Verflechtungen der höheren Gesellschaft zeichnen die Geschichten der britischen Autorin aus. Mit Lady Susan wurde nun unter dem Titel Love & Friendship eines der frühesten Werke Austens verfilmt.

Lady Susan Vernon (Kate Beckinsale) genießt in den gehobenen Kreisen der britischen Gesellschaft keinen guten Ruf. So schön wie gerissen versteht es die frischgebackene Witwe, Junggesellen und verheirateten Männern gleichermaßen den Kopf zu verdrehen. Nach einem Aufenthalt bei Bekannten in Langford, bei dem sie gleich zwei vergebene Männer aus der Fassung bringt und eine Ehe zerstört, zieht es sie zu ihrem Schwager aufs Land. Hier begegnet sie dem jungen Reginald DeCourcy (Xavier Samuel), der sich, anfangs durch die Erzählungen seiner Schwester von der Lasterhaftigkeit der schönen Frau überzeugt, schnell von ihrem Charme überwältigen lässt. Gleichzeitig plant Lady Susan die vorteilhafte Vermählung ihrer Tochter Frederica (Morfydd Clark) mit dem wohlhabenden aber geistlosen Sir James Martin (Tom Bennett). Doch Frederica sträubt sich gegen die ehrgeizigen Pläne ihrer Mutter und Lady Susans charmante Fassade beginnt zu bröckeln.

Kunterbuntes Parfait

von Marlene Hartmann (16. November 2016)

 

 

Noch eine Coming of Age-Geschichte? Noch ein verwirrter Teenager, der Probleme damit hat, seinen Platz in der Welt und vor allem sich selbst zu finden? Die Mitte der Welt mag auf den ersten Blick vielleicht in das Schema eines schon zur Genüge gesehenen Filmgenres passen, doch die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Andreas Steinhöfel ist dabei so wenig klischeebelastet wie einfühlsam und schafft eine Atmosphäre aus Sommergefühl und Kindheitserinnerungen gepaart mit Familiengeheimnissen und einer Menge Vanilleeis.

Als Phil (Louis Hofmann) von seinem Französisch-Camp zurückkehrt, muss er feststellen, dass nicht nur der Garten seines Zuhauses »Visible« von einem Sturm verwüstet wurde, sondern dazu auch noch die Beziehung zwischen seiner Mutter Glass (Sabine Timoteo) – einer selbsternannten Kämpferin – und seiner Zwillingsschwester Dianne (Ada Philine Stappenbeck) einen schweren Schlag erlitten hat. Was genau zwischen den beiden vorgefallen ist, klärt sich erst im Laufe des Films, genau wie die Frage, ob der geheimnisvolle Neue in der Klasse von Phil und seiner besten Freundin Kat (Svenja Jung) sich als bloßer Blender oder als Phils große Liebe entpuppen wird.