»Denn was ist dies anderes als Verstellung?«

von Svenja Schwentker (21. Januar 2017)

 

 

Jane Austen-Verfilmungen? Das sind aufwendige Kostüme, rauschende Feste des britischen Adels und pompöse Landsitze. Aber auch gewitzte Dialoge, charmante Protagonistinnen und ein ironischer Blick auf die Verflechtungen der höheren Gesellschaft zeichnen die Geschichten der britischen Autorin aus. Mit Lady Susan wurde nun unter dem Titel Love & Friendship eines der frühesten Werke Austens verfilmt.

Lady Susan Vernon (Kate Beckinsale) genießt in den gehobenen Kreisen der britischen Gesellschaft keinen guten Ruf. So schön wie gerissen versteht es die frischgebackene Witwe, Junggesellen und verheirateten Männern gleichermaßen den Kopf zu verdrehen. Nach einem Aufenthalt bei Bekannten in Langford, bei dem sie gleich zwei vergebene Männer aus der Fassung bringt und eine Ehe zerstört, zieht es sie zu ihrem Schwager aufs Land. Hier begegnet sie dem jungen Reginald DeCourcy (Xavier Samuel), der sich, anfangs durch die Erzählungen seiner Schwester von der Lasterhaftigkeit der schönen Frau überzeugt, schnell von ihrem Charme überwältigen lässt. Gleichzeitig plant Lady Susan die vorteilhafte Vermählung ihrer Tochter Frederica (Morfydd Clark) mit dem wohlhabenden aber geistlosen Sir James Martin (Tom Bennett). Doch Frederica sträubt sich gegen die ehrgeizigen Pläne ihrer Mutter und Lady Susans charmante Fassade beginnt zu bröckeln.

Lady Susan gehört zweifellos zu den schmaleren und weniger beachteten Büchern Jane Austens. Die Geschichte um Eitelkeiten, Gerüchte und Intrigen ist in Briefform verfasst, was eine gelungene Verfilmung vor einige Herausforderungen stellt. Während der Leser des Romans das Geschehen nur durch die Augen des jeweiligen Briefschreibers wahrnimmt – abwechselnd hauptsächlich Lady Susan, ihre Freundin Mrs. Johnson oder Lady De Courcy –, übernimmt der Film die schriftliche Korrespondenz der Figuren in kurzweilige Dialoge, die mitunter den genauen Wortlaut der Briefe aufgreifen. So bleibt beinahe keine Szene ohne Lacher aus dem Publikum. Zwar werden die Motive der charmanten Verführerin Susan in der Romanvorlage deutlicher als im Film, jedoch wirkt sie hier durch die großartige Verkörperung von Kate Beckinsale menschlicher und weniger berechnend. Zudem erweitert Love & Friendship die Geschichte um einige äußerst lustige Momente, die die Briefromanvorlage nicht bieten kann.

Während die Frauen der Gesellschaft die opportunistischen Motive und gekonnte Verstellung der Witwe erkennen, tappen die Männer reihenweise in ihre Falle und sind so Vorlage für viele Pointen. Jane Austen zeigt sich einmal mehr als scharfe Beobachterin der Vorgänge in der englischen Upper Class des späten 18. Jahrhunderts, in der den Frauen nur die geschickte Konversation und das Pläne Schmieden bleibt, um ihre Ziele zu erreichen. Auch wenn Lady Susan offensichtlich falsch und stellenweise böse wirkt, sind ihre Antworten auf versuchte Bloßstellungen so charmant bissig und selbstbewusst, dass dem Zuschauer nur Bewunderung und Amüsement bleiben. Die kleinen entlarvenden Spitzen der Protagonistin sowie die grandiose Szenerie des Films entführen den Zuschauer auf höchst vergnügliche Weise in Jane Austens Welt.

Love & Friendship ist weniger kitschig als Emma (1996) und heiterer als Stolz und Vorurteil (2005), punktet jedoch ebenso wie seine Vorgänger durch wunderschöne Kostüme und brillanten Witz. Ein kurzweiliges Vergnügen und natürlich ein Muss für jeden Jane Austen Fan!

 

Love & Friendship [2016]
Regisseur: Whit Stillman
Mit: Kate Beckinsale, Chloë Sevigny, Xavier Samuel
FSK 0