Greta Gerwig Little Women

Von Paula Heidenfelder (19. November 2020)

 

„Ich bin kein Dichter, ich bin nur eine Frau.

Louisa May Alcotts Little Women kommt ein weiteres Mal auf die große Leinwand. Dieses Mal mit feministischem Einschlag und aktueller Starbesetzung. Die Drehbuchautorin und Filmregisseurin Greta Gerwig bringt den zeitlosen amerikanischen Klassiker in emanzipatorischer künstlerischer Weise als Literaturverfilmung hervor.

Neuengland im 19. Jahrhundert: Die vier unterschiedlichen March Schwestern – Meg, Jo, Beth und Amy – durchleben gemeinsam ihre Kindheit, bei der der Vater im amerikanischen Bürgerkrieg dient und die Töchter zusammen mit ihrer Marmee versuchen ihr bescheidenes Leben zu finanzieren. Auf der Suche nach dem individuellen Weg jeder einzelnen Schwester begleiten gesellschaftliche Zwänge und traditionelle Rollenbilder das Heranwachsen der Mädchen zu jungen Frauen.

Verheiratete oder tote Frau als Hauptfigur

Im Film folgen die ZuschauerInnen dem Alter Ego Louisa May Alcotts, der zweitältesten Schwester Jo March, welche temperamentvoll als Schriftstellerin und Hauslehrerin durch ihr Leben schreitet. Hierbei beginnt die Story mit einem Einblick in das Leben der Schwestern als Erwachsene und springt dann in die Kindheit zurück. Der amerikanische Kinderbuchklassiker aus den Jahren 1868\69 ist wiederum strikt in einen ersten Teil – die Kindheit und Jugend der Mädchen – und einen zweiten – das Leben als Frauen – untergliedert, wohingegen in der Verfilmung bereits von Anfang an mit farblich gefilterten Rückblenden gearbeitet wird. 

Kostüme, Kulisse und Künste

Die Verfilmung Gerwigs zeichnet sich durch fantastische Kostüme, freie Künste, friedliche Kulissen, das technische Einfangen von harmonischen Momenten und autobiographische Einflüsse aus. Außerdem enthält der Film inspirierende Zitate, welche teilweise aus dem Klassiker übernommen worden sind. Die SchauspielerInnen vermitteln zudem eine energische realistische Atmosphäre, welche dem Kinderbuchklassiker ein neues Gewand ermöglicht.

Wer einen strikten Vergleich zwischen Kinderbuchklassiker und Neuverfilmung zieht, wird Mängel und Kritik finden, beispielsweise in den gleichbesetzten Zeitsprüngen oder den inhaltlichen Schwerpunkten der Adaption. Jedoch profiliert der Film im Ganzen durch ästhetische Präzision und emanzipatorische Einflüsse.



Greta Gerwig
Little Women
Columbia Pictures, Regency Enterprises
Sony Pictures Germany
135 Minuten
Kinostart 30. Januar 2020