Kunterbuntes Parfait

von Marlene Hartmann (16. November 2016)

 

 

Noch eine Coming of Age-Geschichte? Noch ein verwirrter Teenager, der Probleme damit hat, seinen Platz in der Welt und vor allem sich selbst zu finden? Die Mitte der Welt mag auf den ersten Blick vielleicht in das Schema eines schon zur Genüge gesehenen Filmgenres passen, doch die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Andreas Steinhöfel ist dabei so wenig klischeebelastet wie einfühlsam und schafft eine Atmosphäre aus Sommergefühl und Kindheitserinnerungen gepaart mit Familiengeheimnissen und einer Menge Vanilleeis.

Als Phil (Louis Hofmann) von seinem Französisch-Camp zurückkehrt, muss er feststellen, dass nicht nur der Garten seines Zuhauses »Visible« von einem Sturm verwüstet wurde, sondern dazu auch noch die Beziehung zwischen seiner Mutter Glass (Sabine Timoteo) – einer selbsternannten Kämpferin – und seiner Zwillingsschwester Dianne (Ada Philine Stappenbeck) einen schweren Schlag erlitten hat. Was genau zwischen den beiden vorgefallen ist, klärt sich erst im Laufe des Films, genau wie die Frage, ob der geheimnisvolle Neue in der Klasse von Phil und seiner besten Freundin Kat (Svenja Jung) sich als bloßer Blender oder als Phils große Liebe entpuppen wird.

Wenn der Zuschauer zum Richter wird

von Dominik Achtermeier (6. November 2016)

 

 

Als Eventprogrammierung strahlte man die TV-Adaption des Theaterstücks Terror von Ferdinand von Schirach unter dem gleichnamigen Titel samt Zusatz Terror – Ihr Urteil Mitte Oktober gleichzeitig in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Die Zuschauer waren dazu aufgerufen, während des laufenden Filmes für oder gegen die Verurteilung des Angeklagten intermedial abzustimmen und so über die Schlusssequenz zu entscheiden. Wo das Justizdrama versagte und welche Wirkung es im Vergleich zur Lektüre des Lesedramas entfalten konnte.

Ein herausfordernder Stoff

Es war nun fast ein Jahr her. Ende 2015 las ich Ferdinand von Schirachs Theaterstück Terror erstmalig und war bereits von den Vorankündigungen gespannt wie ein Flitzebogen. Und meine Vorfreude bestätigte sich. Die Lektüre fesselte mich nicht nur und ließ mich das Büchlein gleich im Ganzen verschlingen, sondern stellte mich auch auf die Probe. Es forderte mich heraus, im Rahmen des Gerichtsszenarios Partei zu ergreifen. »Dürfen wir Unschuldige töten, um andere Unschuldige zu retten?« Noch konkreter: Darf der Bundeswehrpilot Lars Koch ein von einem Terroristen entführtes Flugzeug, in dem sich 164 Menschen befinden, abschießen, um 70 000 Menschen in der vollbesetzten Allianz Arena das Leben zu retten? Ganz konkret: Kann ich Lars Koch für seine eigenmächtig ausgeführte Heldentat als unschuldig befinden oder sehe ich einem Familienvater in die Augen, der in 164 Fällen Mord begangen hat und dafür lebenslänglich verurteilt werden muss?

Bester Sommer von allen

von Lisa Strauß (5. November 2016)

 

 

Wenn es mal nicht so läuft? Einfach mit einem »geliehenen« Lada losfahren und gucken, was sich ergibt! Fatih Akins Verfilmung von Tschick bringt das Sommerferiengefühl, das Wolfgang Herrndorfs Roman ausmacht, auf die Kinoleinwand.

Maik Klingenberg alias Psycho ist 14 und wird von keinem in der Klasse ernstgenommen. Für seine Angebetete ist er Luft, die Mutter ist mal wieder in einer Entzugsklinik und der Vater mit einer Geliebten auf Geschäftsreise. Nichts ist so, wie es sein sollte, bis ein Neuer in die Klasse kommt –  Andrej Tschichatschow, den alle nur Tschick nennen. Nach anfänglicher Skepsis finden die beiden einen Draht zueinander und erleben gemeinsam einen unvergesslichen Roadtrip.