¡Que viva el norte!  - Auf und abseits des Jakobsweges

von Jasmin Wieland (18. Juni 2018)

 

 

Nordspanien klingt nach Jakobsweg? Exakt! Jedoch warten abseits der Jakobsmuschel weitere unzählige spannende Geschichten und wunderschöne Orte Spaniens darauf, entdeckt und erlebt zu werden. Thomas Schröder nimmt uns in seinem Reiseführer Nordspanien mit durch drei Sprachgebiete – baskisch, kastilisch, galizisch – und eine Landschaft, die geprägt ist von den Gebirgszügen der Pyrenäen, den Picos de Europa und der Sierra de Ancares, ehe sie am sagenumwobenen Kap Finisterre der endlosen Weite des Meeres Platz macht.

Genau wie bei allen anderen Michael Müller Ausgaben, ist der übersichtliche Aufbau ein großer Pluspunkt des Reiseführers. Dem Jakobsweg folgend, geht es von Ost nach West, von Navarra, über La Rioja und all die anderen autonomen Gemeinschaften Nordspaniens nach Galizien. Dabei besticht Nordspanien vor allem durch seine Ausführlichkeit und Detailgenauigkeit, was sich bereits im ersten Kapitel »Hintergründe und Infos« bemerkbar macht. Hier erfahren wir auf gut hundert Seiten reichlich Wissenswertes, etwa über Land und Leute, die Geschichte Spaniens und die kulinarischen Köstlichkeiten sowie ein Dossier zu allem Möglichen, wie der Siesta. Die einzelnen Kapitel zu den autonomen Gemeinschaften sind einheitlich aufgebaut und beginnen jeweils mit ein paar allgemeinen Worten zur Gemeinschaft und ihrer Geschichte, gefolgt von einer halbseitigen Landkarte, Infos zum öffentlichen Verkehr, regionalen Festen und der Küche, bevor die einzelnen Regionen bzw. Städte beschrieben werden. Bei größeren Städten ist stets ein kleiner Stadtplan vom Zentrum abgedruckt, was sehr kompakt und hilfreich ist. Außerdem finden sich auf zahlreichen Seiten kleine gelbe Kästchen mit wichtigen oder interessanten Zusatzinfos, etwa zu zum Thema passenden Vokabular, geschichtlichen Legenden oder Kulinarischem. So werden beispielsweise im Kapitel »La Rioja«, Spaniens Weinregion Nr. 1, die verschiedenen Klassifikationen der Weine aufgelistet. Wusstet ihr, dass man dabei zwischen »Joven«, jungem Wein, »Crianza«, ein einjährig im Fass sowie mehrere Monate in der Flasche gereiftem Wein, »Reserva«, drei Jahre gelagertem Wein und dem »Gran Reserva«, einem mindestens fünf Jahre gelagertem Wein unterscheidet? Na, wenn man dabei nicht Lust bekommt, einen solch edlen Tropfen in einer der zahlreichen Bodegas inmitten der spanischen Weinprärie zu verkosten!

Do-It-Yourself für ausgebrannte Flaneure

von Dominik Achtermeier (25. Mai 2018)

 

 

‚Raus in die Natur‘ heißt die Devise dieses besonderen Sachbuchs, das dem Trend einer Renaissance der alltäglichen Dinge entspringt. Zehn Künstler unserer Gegenwart schildern in der Fibel mit dem grafischen Look unseres modernen Zeitgeists, wie sie das Spazierengehen in der Natur für sich wiederentdeckt haben.

Ratgeber gibt es heute wie Sand am Meer. Doch dieses soeben im Dumont-Verlag veröffentlichte Sachbuch mit dem Titel Walking in the Rain fällt nicht nur aufgrund seiner ansprechenden Gestaltung auf, sondern weckt auch inhaltlich den Wunsch in uns, endlich einmal wieder bewusst die Peripherie der stressigen Alltagswelt aufzusuchen. Die zehn Geschichten von Künstlern, Designern und Psychologen vermitteln den Mehrwert des bewussten Gehens, zielorientierten Wanderns, kreativen Flanierens und glücklichmachenden Bummelns: man entflieht dem Gewöhnlichen und kommt Schritt für Schritt zur Ruhe. Psychologin Ruth Williams ist Geschäftsführerin des Dep.store for the Mind, einer kreativen Ideenwerkstatt von ‚School of Life‘ Gründerin Sophie Howarth, und zeigt im neunten Kapitel sogar auf, wie man seine Ängste mit dem möglichen Ziel, sie an einem Baumstamm angebunden einfach auszusetzen, spazieren führen kann.

Aber die Liebe hört niemals auf

von Sophia Klopf (11. Mai 2018)

 

 

„Die lebenslange Liebe ruht auf mehreren Pfeilern: dem wachen Interesse daran, was der oder die andere tut, denkt und fühlt, und einer unbedingten – wenn auch bisweilen schmerzhaften – Aufrichtigkeit gegenüber dem Partner als Basis unerschütterlichen Vertrauens.“ 

Was Antonia Meiners in dem Vorwort ihres Buches Lange Liebe. Vom Glück des Zusammenbleibens beschreibt, steht wohl krass im Gegensatz zur deutschen Scheidungsquote. Im Jahr 2016 kamen im Jahr auf zehn geschlossene Ehen rund vier Scheidungen. Dennoch hält sich das Ideal der großen, das ganze Leben währenden Liebe hartnäckig in den Köpfen der Menschen und ist vielen eine Wunschvorstellung. Viele Paare beweisen, dass es durchaus funktioniert, lebenslang nicht von der Seite seines Partners zu weichen. In ihrem Buch Lange Lieben porträtiert Antonia Meiners eine Auswahl der berühmtesten, historischen Unzertrennlichen aus den letzten 250 Jahren.

Auf den Zahn gefühlt

von Svenja Zeitler (08. Mai 2018)

 

 

Jetzt mal ehrlich: Kein Mensch geht doch wirklich gerne zum Zahnarzt. Was soll man diesem Erlebnis mit bestimmt vier verschiedenen Gerätschaften im Mund, die vor sich hin pusten, brummen und saugen auch abgewinnen? Und auch die Unterhaltungen, bei denen eine Gesprächsseite nur aus verzweifeltem Gurgeln besteht, sind nicht das Wahre. Doch seit einigen Jahrzehnten wird den Menschen die Zahngesundheit immer wichtiger, ist präsenter in den Köpfen und in der Erziehung unserer heutigen Kultur. Im Buch Mut zur Lücke – Kunst und Geschichte der Zahnheilkunde erkundet Richard Barnett die Anfänge der Zahnmedizin bis heute und illustriert so ein faszinierendes Fachgebiet mit bewegter Geschichte. Also: Keine Angst vorm Zahnarzt!

Was einem beim Anblick und beim Öffnen des Buches zunächst auffällt, ist, dass es sich wirklich nicht nur um ein ödes Fachbuch handelt, sondern der Aspekt der Kunst eine große Rolle spielt. Auf etlichen Seiten erblicken wir Fotografien, Bilder und Zeichnungen, die eine unweigerliche, wenn auch sehr ungewöhnliche Ästhetik besitzen.

Ein Kochbuch, das eine Kultur leben lässt. Syrien. 

von Jasmin Wieland (7. April 2018)

 

 

Aubergine, Paprika, Linsen, Kichererbsen und Bulgur – fünf Zutaten, die ein fester Bestandteil der syrischen Küche sind. Doch das ist längst nicht alles, denn die syrische Küche glänzt mit vielen weiteren ausgezeichneten Zutaten und vor allem Gewürzen. So bleibt Paprika nicht einfach Paprika, sondern wird mit Kreuzkümmel, Koriander, schwarzen Sesamsamen, Granatapfelsirup und Tomaten zu einer Paste verarbeitet. Dazu gibt’s selbstgemachte Bulgur-Kartoffeln-Nocken. Klingt aufwendig? Das darf es auch gerne sein, denn wie Malakeh Jazmati in Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat schon auf den ersten Seiten anklingen lässt, ist die syrische Küche nämlich gerade eines: ein Zusammenkommen und Zusammenkochen der ganzen Familie.

Liest man Jazmatis Einleitung, so wird schnell klar, dass Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat viel mehr ist als einfach nur ein Kochbuch. Es ist eine Hommage auf die syrische Kultur und der Wunsch danach, nicht nur den Menschen Asyl zu gewähren und sie hier im friedlichen Europa in die Mitte der Gesellschaft aufzunehmen, sondern eben auch ihre Kultur und somit ihre Küche. Jazmati erzählt und präsentiert ihre Rezepte mit viel Gespür und lässt die beiden Komponenten Kultur und Küche im Kochbuch wundervoll miteinander verschmelzen. In goldener Schrift und wie mit dem Pinsel gezeichnet, zieren die syrischen Rezeptnamen die Seiten. Stillvolle syrische, arabische Muster kreieren ein rundes Gesamtkonzept und nehmen einen mit auf die Reise von Musabaha (Hummus) bis Tmarekaek (Crêpes aus Damaskus). Unterteilt in Vorspeisen, Salate und kleine Gerichte, vegetarische Hauptspeisen, Hauptspeisen mit Fleisch sowie Desserts und Gebäck, deckt das Kochbuch das ganze Essenserlebnis ab. Highlights sind etwa Sambose (Frittierte Käsetaschen mit Petersilie), Msakaa Bazenjan (Paprika-Tomaten-Gemüse auf Auberginenscheiben), Barbique Kibbeh (Gegrillter Bulgurteig mit Speck-Fleisch-Füllung) oder eben Tmarekaek (Crêpes aus Damaskus), in dem sich beispielweise Dattelsirup und Tahin, also Sesampaste, versteckt.