Wenn Wunder wahr werden

von Dominik Achtermeier (30. April 2016)

 

 

 

Hansen und Paul begeben sich auf ihr nächstes Abenteuer, nachdem sie bereits 13600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach China zurückgelegt haben: In 80 Tagen wollen sie – in Anlehnung an den Klassiker von Jules Verne – um die Welt. Nur eines ist neu bei ihrer Interpretation: finanzielle Mittel sind Tabu, um das Ziel der Weltumrundung zu erreichen.

Gewusst wie und doch kein leichtes Unterfangen

Sie sind erprobte, harte Jungs, die keine Scheu vor Hürden haben, sind sie auch anfänglich noch so groß. Scheitern kennen Hansen und Paul nicht, denn alles ist geplant – eben nur nicht bis ins Kleinste. Und so wagen sie sich von Berlin aus in ihr Abenteuer einmal rund um den Globus. Ihr Weg, den beide in Form von Tagebucheinträgen in Zwei um die Welt nachzeichnen, führt sie per Anhalter, Zug, Bus oder Flugzeug von Europa aus über Nordamerika zunächst bis nach Japan. In Tokio gelandet schreibt Paul: »So sieht also die Zukunft aus [] und keiner versteht uns. Nicht mal die Dame am Informationsschalter spricht Englisch. Wie sollen wir uns hier bloß zurechtfinden, geschweige denn mit unserer Geschichte Geld verdienen?«

Sie vermarkten sich immer wieder aufs Neue und erzählen den Menschen, denen sie auf den Plätzen und Straßen begegnen, von ihrem Abenteuer. Natürlich freuen sie sich, wenn sie den ein oder anderen Euro oder die vor Ort übliche Währung zugesteckt bekommen werden. Das gehört eben zu einem modernen Crowdfunding dazu. Sie scheuen aber auch nicht davor zurück, für den nächsten Transportweg zu arbeiten oder Restbestände an Marktständen aufzuklauben, um nicht hungern zu müssen.

Geschichten, die begeistern

Unglaublich, wohin es die beiden Zwillingsbrüder verschlägt. Sie stehen vor atemberaubenden Kulissen, wie den Rocky Mountains in Kanada oder der größten Moschee in Indien. Noch mehr aber überzeugen die gesammelten Geschichten in der Geschichte der beiden Reisenden. In Ballungszentren oder fernab der Zivilisation begegnen sie Menschen, die ihre Reisestationen prägen. Außergewöhnliche Mannsbilder wie die Kanadier Kirk und Craig oder die Thailänderin Nam, die mit ihrem Freund Pana Demonstrationen organisiert und sich für freie Wahlen einsetzt. Doch sie treffen nicht nur auf Unterstützer und stehen plötzlich vor der bitteren Vorahnung, dass ihr Plan, in 80 Tagen um die Welt zu kommen, nicht ganz aufgehen könnte, schließlich sind sie noch tausende Kilometer von ihrem Ziel entfernt…

QR-Codes, die zu Filmsequenzen führen, und ein farbiger Bildteil im Inneren des Buches lassen es zu, dass der Leser mit auf die Reise der beiden Autoren gehen kann. Nahezu mag man glauben, Teil des Abenteuers zu sein, doch dann freut man sich auch wieder, die Mühen und Anstrengungen Hansen und Paul überlassen zu können. Denn eines ist klar: Dies ist nichts für schwache und ängstliche Gemüter.

 

Hansen und Paul Hoepner
Zwei um die Welt. In 80 Tagen ohne Geld
Malik 2016
304 Seiten
19,99 Euro