Von Hausproblemen und anderen Widrigkeiten eines Lebens

von Saskia Lackner (20. Juli 2011)

Er war laut Hermann Kesten ein „höchst ordentlicher, sozusagen gewissenhafter, ja bürgerlicher Bohemien – mild wie ein Bräutigam und zornig wie ein betrogener Freund der Freiheit“. Er saß gerne in Cafés und der frühe Vogel war, nun ja, nicht gerade sein Freund und so begann sein Tag meist auch erst in den späten Abendstunden.

Die Rede ist von Erich Kästner, einer der wenigen Autoren der Kinder und Erwachsene gleichermaßen für sich gewinnen konnte. Dass er sich mit den Kindergeschichten anfangs recht schwer getan hat, erfahren diejenigen, die sich „Vom Kleinmaleins des Seins“ schnappen. Denn für alle, die Kästner entdecken oder wieder entdecken oder vielleicht auch nur weiter entdecken wollen, eignet sich dieses wunderbare kleine, feine Büchlein hervorragend. Tagebucheinträge reihen sich da neben Gedichten, Briefe neben Artikeln. Diese Mischung aus privaten und öffentlichen Texten ist nicht nur äußerst unterhaltsam, sondern bietet auch einen wunderbaren Einblick in Kästners Leben. Doch es handelt sich hierbei nicht nur um eine Sammlung von Originaltexten Kästners, die von Walter Sittler zusammengetragen und in einen neuen Zusammenhang gebracht werden. Hinzu kommen erklärende Texte von Sittler selbst, aber auch von Kästners Zeitgenossen wie zum Beispiel Carl Zuckmayer.

Dass es sich bei dieser Sammlung eigentlich um ein gleichnamiges Bühnenprogramm Walter Sittlers handelt, bemerkt man nicht, die gekürzte Fassung passt ganz wunderbar zwischen zwei Buchdeckel.

Gerade das Berlin der 20er Jahre wird dabei greifbar: Die quirligen Cafés als Ort der Entspannung, als Arbeitszimmer, als Wohnzimmer, die einen wichtigen Platz in Kästners Leben eingenommen haben (da auch seine Vermieterin eine – vorsichtig ausgedrückt – nicht allzu charmante Person war) rücken dabei in einen Mittelpunkt. Doch auch Kästners Erlebnisse im Deutschland unter Hitler beeindrucken nachhaltig. Insbesondere als er Zeuge wird, wie während der Bücherverbrennungen seine eigenen Werke in Flammen aufgehen.

„Vom Einmaleins des Seins“ nimmt den Leser auf einen spannenden Ausflug mit, der auf wunderbare leichte Weise ein Portrait entstehen lässt.

Vom Einmaleins des Seins

Erich Kästner

Atrium 2010

176 Seiten, 12 Euro