Zurück zu den Wurzeln brutzeln: Regional und Saisonal

von Jasmin Wieland (2. März 2017)

 

 

In Zeiten von Globalisierung, globaler Erwärmung, CETA etc. geht die Besinnung wieder zurück zu den Wurzeln. Das Gärtnern im eigenen Gemüsebeet wird immer beliebter und Projekte wie Urban Gardening liegen voll im Trend. Doch was wächst da eigentlich alles so im Gärtchen? Und vor allem wann wächst es? Stefanie Hiekmanns Kochbuch Wohlfühlküche mit heimischen Superfoods führt durch das Gemüsegärtchen und zeigt, was regional und saisonal so gedeiht und gekocht werden kann.

Los geht’s mit den Grundlagen. Der Saisonkalender zeigt nicht nur auf einen Blick, welches Gemüse im Frühling, Sommer, Herbst und Winter auf den Teller kommt, sondern weckt auch einige unbekanntere Gemüsesorten in Erinnerung, wie Mangold, Portulak, Topinambur oder Schwarzwurzel. Darauf folgt »Ein kleiner Streifzug durch den Gemüsegarten«, der Facts zu Blumenkohl, Brokkoli und Co. liefert. Eine schöne Idee, bei der sicherlich noch mehr drin gewesen wäre. Denn leider werden nur wenige Gemüsesorten aufgeführt, die zudem inhaltlich an der Oberfläche kratzen, und das »Außenseiter-Gemüse« bleibt unberücksichtigt. An dieser Stelle hätte man vielleicht besser auf die anschließenden Experten-Interviews verzichtet und dafür den »Streifzug« ausführlicher gestaltet.

Den Rezeptblock läuten knackige Basics rund ums Kochen ein und nun kann auch schon munter geschnippelt, geköchelt, gebrutzelt und gebacken werden. In den vier Jahreszeiten-Kategorien warten jeweils 15 Rezepte. Meist vegetarisch, mal vegan, mal mit Fleisch und mal mit Fisch. Die Palette reicht dabei von Pesto, Salaten und Suppen bis hin zu Pasta, Curry und Ofengemüse sowie ausgefallenen Gerichten wie Zwiebelgalette oder Butternut-Focaccia. Insgesamt eine bunte Mischung. Betrachtet man die Jahreszeiten gesondert, fallen jedoch Frühling und Sommer im Vergleich zu Herbst und Winter etwas ab, denn hier wird der Fokus zu sehr auf Salate und Vorspeisen gelegt. Auch wenn speziell im Sommer bevorzugt leichte Gerichte auf dem Teller landen, ist es doch schade, dass der Couscoussalat mehrmals auftritt, wenn auch in verschiedenen Varianten, hingegen inspirierende Grillideen für den Sommer außen vor gelassen werden.

Dennoch überzeugt das Kochbuch durch seinen erfrischenden Mix an heimischen Gemüsesorten, die in den Rezepten verwendet werden. Zugleich hält es das, was Hiekmann im Vorwort verspricht, nämlich eine Prise Internationalität, etwa durch »Gewürze aus aller Welt«. Es präsentiert sich heimatbewusst und weltoffen. Hiekmann verleiht den Rezepten mit viel Liebe zum Detail den entscheidenden Pfiff: Chicorée mit Gin, Blumenkohl mit Mangosaft, Kürbis mit Hanfsamen oder Pastinake mit Mandelmilch.

Auch grafisch ist das Kochbuch ein wahrer Genuss. Die Rezeptseiten sind klassisch schwarz auf weiß gehalten, doch mit moderner Schrift. Am rechten unteren Seitenrand finden sich häufig thematisch passende Gemüse-Illustrationen, die den Seiten zudem Pepp verleihen. Auch die Rezeptbilder sind äußerst stilvoll umgesetzt und machen Appetit auf Kochen und Essen, denn auf dem meist dunklen Hintergrund der Schieferplatten ist das Gemüse mit seinen bunten Farben ein wahrer Eyecatcher.

Fazit: Wer sich von dem Kochbuch erhofft, ein Experte in Sachen heimisches Superfood zu werden, sei es auf das Wissen über das Gemüse bezogen oder auf deren Verwendung, wird enttäuscht sein. ABER das Kochbuch regt definitiv dazu an, sich in der Küche auf Basis der heimischen Lebensmittel auszuprobieren und kreativ zu werden, und ist durch seine grafische Gestaltung auf jeden Fall eines, das man gerne in den Händen hält.

 

Stefanie Hiekmann
Wohlfühlküche mit heimischen Superfoods
Edition Michael Fischer 2016
176 Seiten
19,99 Euro