(Etwas) über den Tellerrand hinaus

von Jasmin Wieland (31. August 2017)

 

 

Im Grunde ist es ganz simpel. Man nehme Mehl, Butter, Eier oder Milch und verknete alles. Ausrollen, die passende »Füllung«, sei es salzig oder süß, hinein in den Ofen, backen, und fertig sind Quiche oder Tarte. Wie vielfältig das Geschmackserlebnis dabei sein kann, zeigt Daniel Grothues in seinem Koch- und Backbuch Tarte, Quiche & mehr.

Den Anfang machen Fakten und Tipps rund um Utensilien, Zutaten und die Zubereitung. Auch wenn Grothues hierbei interessante und wissenswerte Infos liefert, wie etwa die Begriffserklärung des Blindbackens, fallen sie stellenweise doch sehr einfältig aus und richten sich eher an Backanfänger. Beispielsweise wird erklärt, dass beim Backpapier zugeschnittene Bogen ideal seien, da man sie sofort auf das Backblech legen könne. Fraglich, ob sich ein Backanfänger, dem nicht bekannt ist, dass es zugeschnittene Backpapierbogen gibt, an Quiches und Tartes wagen würde. 

Dann folgen die Quiche- und Tarte-Rezepte, welche sich in zwei Teile gliedern. Der erste widmet sich  dabei dem herzhaften Gebäck und sprüht, frei nach dem Motto: »Hier noch ein paar Kapern, dort noch ein paar Chiasamen, da noch ein bisschen grüne Papaya und dort noch etwas Wasabipaste«, nur so vor Warum-nicht-mal-was-ausprobieren-und-ein-bisschen-verrückt-sein und lässt kulinarisch-kulturelle Grenzen bedeutungslos werden. Schlichte Rezepte, auf die Zutaten bezogen,  wie etwa das Tomaten-Tarte-Tatin, sind eher die Ausnahme. Für Entdecker-Bäcker genial, für Liebhaber ursprünglicher Quiches wie Quiche Lorraine enttäuschend. Die müssen wohl doch wieder in Großmutters gutem alten Elsässischem Kochbuch nachblättern. 

Die »Süßen Tartes« im zweiten Teil kommen da schon etwas traditioneller daher. Neben ausgefallenen Rezepten mit lila Süßkartoffeln oder einer orientalische Tarte mit Apfel und Kardamon, bekommen auch Klassiker wie »Tarte au citron«, eine Apfel-Tarte und eine Schokoladen-Tarte ihr Plätzchen. Selbstverständlich werden diese noch stilvoll verfeinert. Die Apfel-Tarte erhält beispielsweise ein himmlisches Vanille-Aroma, mit Mandeln als »Sahnehäubchen«.

Abgeschlossen wird das Koch- und Backbuch mit den »Feinen Extras«, ein Mix aus Dips, Suppen, Salaten und Co. Da die Quiches und Tartes schon an sich ausreichend zufriedenstellen und sättigen, fragt man sich zwar, ob dies wirklich nötig gewesen sei, zumal die nett gemeinten Ergänzungen wohl eher eine Gaumenüberreizung auslösen würden, aber auch hier gilt wohl: Geschmacksache. 

Die Rezeptbilder sind, wie immer bei EMF, sehr ansprechend und machen Lust auf Quiche und Tarte. In Sachen graphischer Gestaltung hätte man sich jedoch gerne etwas Neues einfallen lassen können. Nichtsdestotrotz ist die Grafik durch Schriftart und Dezenz sehr gelungen.

Fazit: Grothues Tarte, Quiches & mehr inspiriert zu kreativem Backen mit einer Fülle an ausgewählten und feinen Zutaten, vorausgesetzt Bäcker bzw. Bäckerin sind offen für ein Geschmacks-Potpourri in der Küche. Was Grotheus definitiv gelungen ist: Mit seinen Alles-ist-möglich-Quiches und -Tartes, die geschmacklich absolut überzeugen, schwimmt er auf der hippen Welle von Quinoa und Co. mit – auch durch neumodische Rezeptnamen wie der »No-Bake-Maracuja-Tarte«. Leider geraten dabei die Ursprünge von Quiche und Tarte etwas in Vergessenheit. Eine Ausgabe von Tarte, Quiches & mehr im Regal stehen zu haben, ist dennoch eine Bereicherung. 

 

Daniel Grothues
Tartes, Quiches & mehr
Edition Michael Fischer 2017
112 Seiten
16,99 Euro