Ein Kochbuch, das eine Kultur leben lässt. Syrien. 

von Jasmin Wieland (7. April 2018)

 

 

Aubergine, Paprika, Linsen, Kichererbsen und Bulgur – fünf Zutaten, die ein fester Bestandteil der syrischen Küche sind. Doch das ist längst nicht alles, denn die syrische Küche glänzt mit vielen weiteren ausgezeichneten Zutaten und vor allem Gewürzen. So bleibt Paprika nicht einfach Paprika, sondern wird mit Kreuzkümmel, Koriander, schwarzen Sesamsamen, Granatapfelsirup und Tomaten zu einer Paste verarbeitet. Dazu gibt’s selbstgemachte Bulgur-Kartoffeln-Nocken. Klingt aufwendig? Das darf es auch gerne sein, denn wie Malakeh Jazmati in Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat schon auf den ersten Seiten anklingen lässt, ist die syrische Küche nämlich gerade eines: ein Zusammenkommen und Zusammenkochen der ganzen Familie.

Liest man Jazmatis Einleitung, so wird schnell klar, dass Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat viel mehr ist als einfach nur ein Kochbuch. Es ist eine Hommage auf die syrische Kultur und der Wunsch danach, nicht nur den Menschen Asyl zu gewähren und sie hier im friedlichen Europa in die Mitte der Gesellschaft aufzunehmen, sondern eben auch ihre Kultur und somit ihre Küche. Jazmati erzählt und präsentiert ihre Rezepte mit viel Gespür und lässt die beiden Komponenten Kultur und Küche im Kochbuch wundervoll miteinander verschmelzen. In goldener Schrift und wie mit dem Pinsel gezeichnet, zieren die syrischen Rezeptnamen die Seiten. Stillvolle syrische, arabische Muster kreieren ein rundes Gesamtkonzept und nehmen einen mit auf die Reise von Musabaha (Hummus) bis Tmarekaek (Crêpes aus Damaskus). Unterteilt in Vorspeisen, Salate und kleine Gerichte, vegetarische Hauptspeisen, Hauptspeisen mit Fleisch sowie Desserts und Gebäck, deckt das Kochbuch das ganze Essenserlebnis ab. Highlights sind etwa Sambose (Frittierte Käsetaschen mit Petersilie), Msakaa Bazenjan (Paprika-Tomaten-Gemüse auf Auberginenscheiben), Barbique Kibbeh (Gegrillter Bulgurteig mit Speck-Fleisch-Füllung) oder eben Tmarekaek (Crêpes aus Damaskus), in dem sich beispielweise Dattelsirup und Tahin, also Sesampaste, versteckt.

Die Rezeptseiten sind dabei sehr übersichtlich und vollkommen gestaltet: Angabe der Zutaten, Rezeptbeschreibung, Zeitangabe für Zubereitungs- und Garzeit sowie Personen- bzw. Mengenangabe. Einleitend finden sich des Öfteren Tipps zur Zubereitung oder kleine Anekdoten von Jazmati, was hilfreich und sehr interessant ist. Zwischen den Rezepten staunt man über die Farbenvielfalt auf syrischen Märkten, schmunzelt beim Bild des Jungen, dessen Kopf bedeckt ist von Fladenbroten, oder liest sich aufmerksam die interessanten Zusatzinfos rund um die syrische Küche durch.

Und spätestens nachdem man das Nachwort und Jazmatis Botschaft gelesen hat, steht fest: Um in Zeiten des Krieges ein Land leben und in Farbe erstrahlen zu lassen, in welchem doch eigentlich das Grau der Zerstörung dominiert, braucht es gerade Menschen wie Malakeh Jazmati, die im Land ihrer Zuflucht vom Land ihrer Heimat erzählen und so die Kultur an anderer Stelle erblühen lassen. Doch gleichzeitig sind auch wir es, das Land der Zuflucht, die einen fruchtbaren Boden schenken müssen, damit diese Kultur blühen kann. Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat ist nicht nur ein fantastisches Kochbuch, das einem die syrische Küche schmackhaft macht, sondern vor allem der Wunsch, der syrischen Kultur mit Offenheit zu begegnen und gemeinsam für deren Erhalt zu kämpfen. Denn an der Blüte erfreuen wir uns schließlich alle. Shahiat jayida!

 

Malakeh Jazmati
Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat
ZS Verlag 2017
192 Seiten
34 Euro