Shake the Shelbys!

Von Jasmin Wieland (11. November 2020)


Serien streamen boomt seit einigen Jahren auf Rekordniveau und ist gerade in Corona-Zeiten eine willkommene Alltagsversüßung. Doch Serien-Junkies streamen nicht nur, sie pilgern auch, nämlich zu den Live-Schauplätzen ihrer Lieblings-Freizeitaktivität. Screen Tourism, ein Trend, der in aller Munde ist und gerade durch Serien wie Game of Thrones oder Peaky Blinders prosperiert. Doch was machen, wenn in Zeiten von Covid-19 das Reisen beschränkt bzw. schlicht weg zu gefährlich geworden ist? Keine Panik auf der Titanic! Die Rettung lautet: Nichts wie ran an die Spirituosen und Cocktails mixen à la Shelbys & Co. Sandrine Hourdé-Grégoire hat in Peaky Blinders. Das Cocktailbuch40 Drinks mit Kultanspruch zusammengestellt, die einen zurückbeamen ins 20er-Jahre-Feeling und einen im wahrsten Sinne eintauchen lassen in Rauch, Cars, Bars und private Räumlichkeiten Birminghams. Cheers!

Los geht’s mit… was auch sonst… Whisky! „Vendetta“ nennt sich der erste Gaumenschmaus. Übersetzt „Blutrache“. Ob der goldene Cocktail mit Amaretto und Maraschino seinem Namen wirklich gerecht wird, bleibt zu bezweifeln. Dafür tropft das Blut danach beim „Red Horse“ – ein Mix aus Orangensaft, rotem Wermut, Kirschlikör und irischem Whiskey. Das Cocktailbuch präsentiert insgesamt 15 Whisky-Cocktails. Dem folgen 15 Cocktails mit Gin und 10 mit anderen Spirituosen wie Cognac, Kräuterliköre oder Rum. Die Grundlage für die Whisky-Cocktails ist meist ein irischer Single Malt oder Rye Whiskey, bei den Gin-Cocktails – insofern eine genauere Angabe gemacht ist – ein London Dry Gin.

Was macht die Cocktails jetzt Peaky Blinders-like? Gute Frage. Im Grunde sind es nur die Namen der Cocktails sowie die Aufmachung des Buches. Namensträger sind Charaktere wie Ada Shelby, Billy Kimber, Danny Whizz-Bang, Mrs. Changretta oder Michael Gray (Polly wurde leider außer Acht gelassen), Lokalitäten wie Black Country, The Garrison oder Derby, oder andere, die Serie betreffenden Begriffe wie Ulster Force, Last World oder Section D. Dabei scheint, wenn auch nur in Ansätzen, Name und Cocktail-Inhalt aufeinander abgestimmt zu sein: Ada Shelby mag’s auf klassisch-feminine Art fruchtig, Billy Kimber erhält einen exklusiven Cocktail mit Malzbier-Schaum.

In gewohntem Peaky-Blinders-Style sind die Rezeptseiten bedeckt und verrucht, und gleichzeitig mit einem Hauch von Eleganz und Glamour gehalten. Cremefarbene und graue Seiten wechseln sich ab mit den Fotografien der Cocktails, die hingegen in schickem Barlicht erstrahlen. Immer wieder sind Fotografien von Szenen oder Charakteren eingestreut sowie Zeichnungen. Letztere beschränken sich allerdings auf Tommy und Arthur Shelby. An dieser Stelle hätte es gerne noch ein wenig kreativer und abwechslungsreicher sein dürfen.

Fazit: Peaky Blinders. Das Cocktailbuch ist ein absolutes Muss für Peaky Blinders-Süchtige und Spirituosen-Lieblinge! Aber Achtung: Es besteht Suchtpotenzial! Wer Cocktails im Tommy-Tempo konsumiert, dem könnte es durchaus schwindelig werden. Also vielleicht lieber einen Gang zurückschalten und einen Tick mehr genießen. Feststeht: Das Cocktailbuch darf bei keinem Peaky-Blinders-Abend fehlen! Let’s order a… Revolution.



Sandrine Houdré-Grégoire
Peaky Blinders. Das Cocktailbuch
Christian Verlag 2020
112 Seiten
22,99 Euro