Einblicke in die Seifensiederei: Achtsamkeit und viel Kreativität.

Von Jasmin Wieland (1. August 2021)


In Zeiten des Klimawandels und der Vermüllung der Weltmeere durch Plastik, heißt es: Verpackung sparen, wo immer es geht. Der Trend geht weg von klassischen Kosmetika in Tuben und Plastikflaschen und hin zu unverpackten Kosmetikartikeln. Neben Zahnpflege-Produkten und Deodorants boomt ein Produkt ganz besonders: Seifen, seien es Körper- oder Haarseifen. Und, wie Buchautorin Barbara Freyberger zeigt, ist Seifen selbst herzustellen gar nicht so schwer, wenn man ein paar wichtige Dinge beachtet.

Wie Freyberger im Vorwort schreibt, begann ihr Vorhaben, nachdem ihre Töchter geboren waren. Damals hatte sie „einiges hinterfragt“, heißt: Freyberger wurde sich bewusst, wie viele (unnötige) Inhaltsstoffe sich in industriell hergestellten Kosmetika befinden – ganz zu schweigen davon, dass einige, wie etwa Palmöl verheerende Folgen für das Klima haben. Dies brachte Freyberger zu einem Umdenken und drum siedet sie nun seit 17 Jahren Seife selbst. Sie eignete sich Wissen an, experimentierte mit den unterschiedlichsten, natürlichen Inhaltsstoffen und gründete sogar ihre eigene Seifenwerkstatt, genannt „Seifensieder“. Und genau diese langjährige Erfahrung spürt man auch in diesem Buch.

Die ersten rund 70 Seiten verwendet Freyberger, um detailliert in das Seifensieden einzuführen. So erklärt sie bspw. die Unterschiede zwischen einer Kalt- und einer Heißverseifung, erläutert die chemischen Prozesse und weist dabei vor allem auf die Gefahren hin. Denn: Inhaltstoffe wie Natriumhydroxid etwa sind ätzend, weshalb Vorsicht am Arbeitsplatz an erster Stelle steht. Des Weiteren geht sie auf diverse Seifenformen mit ihren jeweiligen Vorteilen ein und beschreibt ausführlich die zum Seifensieden benötigten Zutaten, darunter Basisöle, Fette und Wachse sowie ätherische Öle, Farbzusätze und Kräuter – beinahe in Lexika-Manier. Ganz schön viel Stoff! Doch da lasse sich nur ein Tipp geben, der auch für das Seifensieden an sich gilt: In der Ruhe liegt die Kraft. Genauso wie auch die Seifen nicht von heute auf morgen hergestellt und verwendet werden können, sondern erst „reifen“ müssen, so scheint auch in der achtsamen Vorbereitung die Schönheit des Seifenherstellung zu liegen. Für welchen Zweck möchte ich die Seife? Körper oder Haare? Welche Farbe soll sie haben? Welchen Duft soll sie verbreiten? Und, ganz wichtig, welche Wirkung soll sie entfalten?

Freyberger geht dabei mit viel Kreativität vor und stellt in ihrem Buch 30 feine Rezepturen für Seifen mit den unterschiedlichsten Wirkungen vor. Die Wildrosenseife mit Hagebutten eignet sich bspw. für leicht irritierte Haut, die Hanfölseife wiederum wirkt hautpflegend und ist für die reife Haut gedacht. Das in der Tonerdenseife enthaltene Litsea-Cubeda-Öl wirkt stimmungsaufhellend, antibakteriell und entzündungshemmend und die Kaffeeseife bindet Gerüche wie Zwiebel und Knoblauch und kann daher gerade in der Küche verwendet werden. Freybergers Rezepte decken einen soliden Rahmen ab und sind doch nur der Anfang für all diejenigen, die das Seifenfieber gepackt hat. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Es ist ein Wahrnehmen von Duft, Farben und Beschaffenheit – was an die Herstellung von Parfum erinnert und Assoziationen an Süskinds Das Parfum weckt. Es ist ein Experimentieren und ein Eintauchen mit allen Sinnen.

Freyberger geht das Buch von der praktischen Seite her an. Die ästhetischen Fotografien und vor allem die Farben und Dekorationen der Seifen unterstreichen aber unabdinglich die sinnliche Note des Seifensiedens, was sie zu dem perfekten Geschenk macht. Und doch ist die gute, alte Seife eben viel mehr als das: Mit all ihren unterschiedlichen Inhaltsstoffen ist sie Heilmittel und Wohlfühlprodukt zugleich, Alltagshelferin und ein aromatisches und haptisches Stück Sinnlichkeit für besondere Momente. Potenzial, das unbedingt entdeckt und ausprobiert werden will!



Barbara Freyberger
Naturseife selber machen. Reine Pflege aus ätherischen Ölen und Kräutern
Christian Verlag 2021
153 Seiten
19,99 Euro