Die Bedingtheit zweier Disziplinen

von Dominik Achtermeier (20. März 2017)

 

 

Das aktuell herausgegebene Handbuch Literatur und Religion von Daniel Weidner bringt zwei Wissenschaften zusammen, die im wissenschaftlichen Diskurs zwar häufig schon zusammen gedacht, jedoch nie so komplex aufeinander bezogen und in ihrer Bezogenheit zueinander sichtbar gemacht wurden. Vor dem Hintergrund des abendländischen Kultursystems nähern sich die versammelten Beiträge des Handbuchs einer Wechselseitigkeit literarischer Einflüsse auf Religion sowie religiöser Einflüsse auf Literatur.

(Wieder-)Entdeckungen

Interessant ist bereits die Komposition des Handbuchs, das sich im ersten Kapitel unter der Überschrift »Zugänge« in erster Linie dem Forschungsfeld Religion widmet. Diese Priorität versinnbildlicht einen Zugang, der versucht, Religion einerseits definitorisch gerecht zu werden, andererseits den Einfluss religionsphilosophischen Themen in den Literaturtheorien seit dem 18. Jahrhundert zu entschlüsseln, um so eine historische Bedingtheit beider Disziplinen aufzuzeigen.

Zurück zu den Wurzeln brutzeln: Regional und Saisonal

von Jasmin Wieland (2. März 2017)

 

 

In Zeiten von Globalisierung, globaler Erwärmung, CETA etc. geht die Besinnung wieder zurück zu den Wurzeln. Das Gärtnern im eigenen Gemüsebeet wird immer beliebter und Projekte wie Urban Gardening liegen voll im Trend. Doch was wächst da eigentlich alles so im Gärtchen? Und vor allem wann wächst es? Stefanie Hiekmanns Kochbuch Wohlfühlküche mit heimischen Superfoods führt durch das Gemüsegärtchen und zeigt, was regional und saisonal so gedeiht und gekocht werden kann.

Los geht’s mit den Grundlagen. Der Saisonkalender zeigt nicht nur auf einen Blick, welches Gemüse im Frühling, Sommer, Herbst und Winter auf den Teller kommt, sondern weckt auch einige unbekanntere Gemüsesorten in Erinnerung, wie Mangold, Portulak, Topinambur oder Schwarzwurzel. Darauf folgt »Ein kleiner Streifzug durch den Gemüsegarten«, der Facts zu Blumenkohl, Brokkoli und Co. liefert. Eine schöne Idee, bei der sicherlich noch mehr drin gewesen wäre. Denn leider werden nur wenige Gemüsesorten aufgeführt, die zudem inhaltlich an der Oberfläche kratzen, und das »Außenseiter-Gemüse« bleibt unberücksichtigt. An dieser Stelle hätte man vielleicht besser auf die anschließenden Experten-Interviews verzichtet und dafür den »Streifzug« ausführlicher gestaltet.

Ein Berg schreibt Geschichte

von Katharina Stahl (21. Februar 2017)

 

 

Es war ein Ereignis, das den Lauf des Weltgeschehens verändern sollte: Der Ausbruch des Vulkans Tambora im Jahr 1815 stürzte nicht nur Indonesien ins Chaos. Auch auf globaler Ebene löste die Naturkatastrophe eine ganze Reihe verhängnisvoller Entwicklungen aus. Der Historiker Wolfgang Behringer, einem breiten Publikum durch seine Kulturgeschichte des Klimas bekannt, widmet sich in seiner neuen Bibliographie den mittelbaren und unmittelbaren Folgen jener Eruption. Seine Untersuchungen zur sogenannten »Tambora-Krise« schlagen einen Bogen von der Klima- zur Sozialgeschichte, von der Wirtschaftshistorie zur Kunst. Gewissenhaft recherchiert und anschaulich erzählt, schärft Behringers neueste Publikation unser Bewusstsein für historische Zusammenhänge und die eindrucksvolle wie bedrohliche Macht der Natur.

Der Hölle Rache

Für die Bewohner der indonesischen Insel Sumbawa muss es ein schrecklicher Anblick gewesen sein: Ihr friedlicher Berg, der »Gunung Tambora«, offenbarte in der Nacht des 5. April 1815 sein wahres Wesen. Nach einem jahrhundertelangen Schlaf erwachte der Vulkan mit einer gewaltigen Eruption, die das Inselreich mit einem tödlichen Ascheregen überzog und tausenden Menschen das Leben kostete. Noch über Wochen hüllte der Staub den indonesischen Archipel in Dunkelheit, Tiere gingen zugrunde und es kam zu einer Massenauswanderung. Die direkten Folgen der Katastrophe, so verheerend sie auch sein mögen, spielen in Behringers Band jedoch nur eine marginale Rolle. Sein Schwerpunkt liegt auf den Langzeitwirkungen der Eruption – der »Tambora-Krise« mit ihren weltweiten Auswirkungen.

Eine bibliophile Reise durch Europa

von Tanja Schlaifer (14. Januar 2017)

 

 

»Buchhandlungen machen jede Stadt ein bisschen schöner und jeden Tag ein bisschen besser.« Schon die ersten Worte des Sachbuches In 60 Buchhandlungen durch Europa zeigen, wie viel Leidenschaft der Autor Torsten Woywod für sein Projekt aufbringt. 12 Länder bereist der gelernte Buchhändler und stattet 60 Buchhandlungen einen Besuch ab. Dabei sind bereits ausgezeichnete Läden, aber auch Geheimtipps von Einheimischen.

Aufgeteilt ist das Sachbuch in die verschiedenen Länder – wobei hier Deutschland auch gerne vertreten hätte sein können. Dadurch erhält es eine gute Struktur und der Leser kann sich spezielle Länder, die ihn interessieren, herauspicken. Eine schöne Unterstruktur bekommt es, indem die Beschreibungen der einzelnen Buchhandlungen ebenfalls immer gleich aufgebaut sind. Woywod startet zumeist mit der Außenansicht des Gebäudes, geht anschließend hinein, beschreibt seine Eindrücke, erzählt von Unterhaltungen mit den Buchhändlern, den Raumaufteilungen und dem vorhandenen Sortiment. Dem Leser kommt es daher so vor, als würde er gerade selbst den Laden betreten. Allerdings wirkt es dadurch auch etwas trocken, teilweise fehlt etwas Abwechslung. Fotos lockern das Sachbuch ein wenig auf und bringen den Leser noch mehr zum Staunen als die Beschreibungen, die ebenfalls schon sehr detailliert sind. Am Ende jedes Landes gibt es auch Buchtipps mit bekannten Autoren des jeweiligen Ortes.

Bunte Gerichte für bunte Geschmäcker, aber vegan!

von Sandra Kolbinger (9. Januar 2017)

 

 

Seit geraumer Zeit findet sich ein neuer Hingucker in der Abteilung für Kochbücher. Die Rede ist von Helene Holunders handlichem Buch Meine Familie isst vegan mit dem bezeichnenden Untertitel Rezepte für mehr vegan im Alltag. Der Titel ist Programm, sollen doch ganz unterschiedliche Bedürfnisse gestillt werden. Die Autorin erkennt klug die heutige Problematik für eine ganze Familie nur ein Gericht zuzubereiten – der eine verträgt keine Milch, der andere hat eine Nussallergie, der nächste braucht eine individuelle Diät und dann sind da noch jene, die sich für einen speziellen Lebenswandel entschieden haben. Das, was eigentlich verbinden soll, das Essen, trennt plötzlich. So hat Holunder es sich zur Aufgabe gemacht, Rezepte zu entwickeln, die nicht nur vegan sind, sondern auch Nicht-Veganern schmecken. Wer sich umhört, weiß, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind…

So schwer das Ziel zu erreichen, so leichtfüßig bahnt sich Holunder ihren Weg und auf diesem ist ein wunderbares Buch voller Farben, Anregungen und Tipps entstanden. Bereits das Cover lässt erahnen, in welcher Tonlage das gesamte Werk verfasst ist – nämlich sympathisch und ohne jede Distanz. Man bekommt keinen sterilen Kochunterricht und Zutatenlisten, die zuerst eine Enzyklopädie und dann einen teuren Feinschmeckerladen erfordern. Stattdessen findet man Familienanekdoten und Varianten – zum Beispiel mag der Sohn der Autorin seine Guacamole auf eine ganz spezielle Art oder die »Haselnusscreme« war den Kindern zu erwachsen und Holunder überlegte, wie sie dem Abhilfe verschaffen kann. Dementsprechend steht bei jedem Rezept eine kleine Einleitung, wie es Einzug in den Familienalltag gefunden hat, wofür es eventuell besonders geeignet ist oder woher die Inspiration kommt. Und die lässt sich sehen! Denn neben dem schon erwähnten Wunsch, dass es allen schmecken soll, werden auch zwei doch eher verschiedene Regionalküchen kombiniert. Die Rede ist von jenen aus Norddeutschland und Kalifornien. Letzteres sogar noch mit den mexikanischen Einflüssen. Wer sich nun aber denkt, ich koche nicht vegan, um Lebensmittel vom anderen Ende der Welt zu importieren und damit erst recht wieder auf moralisch wackeligen Boden zu geraten, der sieht sich in guter Gesellschaft. Die Autorin versucht, in ihrer Küche nur regionale Produkte zu verwenden und so finden sich auch gelegentliche Hinweise, dass zum Beispiel ein Gericht, in Deutschland zubereitet, eher für den Winter geeignet ist.