Weil Essen nicht gleich Essen ist

von Dominik Achtermeier (24. April 2016)

 

 

 

Seit gestern will ich Imker werde und meine Freunde halten mich für verrückt. Nein, kein Witz, habe ich ihnen klar machen wollen und drückte ihnen das dicke Buch in die Hand. Was ist das denn, fragen sie mich, und ich begann ihnen zu erklären, warum mich Laura Rowe angesteckt hat und ihr Konzept vom Imkern und Fischen, Braten und Dünsten, Schmecken und Genießen vollkommen aufgeht.

Was wächst denn da?

Alles übers Essen. Kennen, Kochen & Genießen heißt der Titel, der ein praktisches Nachschlagewerk zum Blättern, Nachlesen und vor allem Nachkochen bzw. -schmecken in einem ist. Zunächst brauchte es vielleicht noch eine Zeit bis ich mich auf das farbexplosive Spektakel einlassen konnte, doch dann war ich Laura Rowe verfallen. Die Autorin schafft es auf jeder Doppelbuchseite, die Naturprodukte, die wir unter dem Decknamen Lebensmittel subsumieren, vorzustellen und ihre speziellen Charaktereigenschaften in kurze, knackige Infotexte zu packen. So erfährt man im ersten Kapitel »Aus dem Garten« etwa, dass Kartoffeln nicht gleich Kartoffeln sind. Über 4000 verschiedene Kartoffelsorten, die sich in ihrer Größe, Form und Farbe voneinander unterscheiden, werden weltweit angeboten. Gleiches gilt für Kürbisse, zumindest was ihre Form- und Größenunterschiede angeht. Diese Spezies unterscheidet sich darüber hinaus durch ein vielfältiges Angebot der Zubereitung. Wo der Rote und Gelbe Zentner uns zuruft: »Füll mich! Back mich! Gratinier mich!«, fordert die Sorte Butternut dazu auf: »Schäl mich! Brat mich! Mach Risotto! Koch Suppe!«. Zutaten, mit denen das Kürbisgemüse bestens korrespondiert, sind in kleinen grafischen Bebilderungen aufzufinden und helfen bei der Erstellung der Einkaufsliste ungemein.

Die Notfall-Mixologie oder: Was Sie schon immer über die Cocktailherstellung wissen wollten

von Dominik Achtermeier (17. Februar 2016)

 

 

Bereits James Bond kannte den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen »geschüttelt, nicht gerührt«. Der Laie mag da schmunzelnd vor der Leinwand gesessen und gedacht haben: Nun kipp‘ den Martini doch endlich runter und schnell weiter zur nächsten Actionszene. Aber halt! Anfänger und Fortgeschrittene aufgepasst! Nicht nur die Herstellung, sondern bereits das Glas sollte wohl überlegt und durchdacht sein. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ab sofort zunächst Dan Jones oder lesen Sie Die Cocktail-Fibel.

Ein Cocktail gehört nun einmal zur Standardausrüstung einer jeden Feierlichkeit. Ob WG-Party oder Geburtstagsfeier, es gibt so manchen Grund, Spirituosen, Säfte und Eis zusammenzumixen. In einer guten Bar ums Eck, mag dies gekonnt von einem Barkeeper durchgeführt werden, zuhause fehlt dann der ein oder andere Handgriff zur Perfektion. Die nun in deutscher Übersetzung erschienene Cocktailbibel schafft nicht nur Abhilfe, sondern beweist sich darüber hinaus als Rezeptefundus und Bauplan zum köstlichen Klassiker, Punsch, Sirup oder Sour. Grundlegende Erläuterungen über das Zubehör eines Cocktail-Meisters und die Grundausrüstung einer Minibar reichern die vielfältigen Rezepte an und machen Lust auf die nächste Party nach dem Motto: Mit der Cocktail-Fibel kann nichts mehr schief gehen und die begeisterten Blicke meiner Freunde habe ich auch schon in der Tasche.

Another Day, Another Dollar – Nicht ganz

von Alena Verrel (19. Dezember 2015)

 

 

Man könnte meinen, man hat sie schon alle gehört. Die Geschichten. In der Schule, im Rundfunk, Fernsehen, Internet, Gotteshäusern – überall. Man ist (man mag es ja oft nicht einmal denken) gegenüber dem Thema Shoah schon fast abgestumpft. Aber eben dann doch nur fast.

Mit ihrem Buch »Mich hat Auschwitz nie verlassen«. Überlebende des Konzentrationslagers berichten haben Susanne Beyer und Martin Doerry einen leicht andersklingenden Tonus veröffentlicht. Es sind natürlich Lebensgeschichten, die denen, die man im Kino und anderen Büchern nacherzählt bekam, ähneln. Jedoch eben aus einer Perspektive, die so nicht flächendeckend publiziert wurde. Indem sie die Überlebenden des KZ Auschwitz erzählen lassen, nach all den vergangenen Jahrzehnten, bekommt das Thema Holocaust eine Aktualität, welche es in rund 10 Jahren nicht mehr geben wird. Mit diesen letzten Überlebenden, der Handvoll Zeitzeugen welche noch erzählen können/wollen/dürfen bleibt die Erinnerung lebendig. Eine hervorragende Leistung.

Die vielen Leben in und mit der Goldenen Stadt

von Dominik Achtermeier (2. Dezember 2015)

 

© Dominik Achtermeier | In der alten Traditionsstraße Melantrichova führt der Reiseführer zum Wohnhaus Reinerovás, die in der Nachbarschaft von Reporterlegende Egon Erwin Kisch und einem Bordell lebte.

 

Vom Hradschin aus hat man einen eindrucksvollen Blick auf das Dächermeer, die Moldau und das weite Umfeld dieser eindrucksvollen Stadt, der die Geschichte viele Gesichter verpasst hat. In den Straßen und Gassen litten und liebten, lebten und arbeiteten sie, die Menschen, die in Prag ihre Heimat fanden und immer wieder hierher zurück kamen. 20 berühmte Prager Persönlichkeiten stellt das Buch Prag – Eine Stadt in Biographien vor und läd den Leser auf eine Reise bis ins 8. Jahrhundert zurück ein. Politische Figuren spielten für die Stadt ebenso eine bedeutende Rolle wie Literaten, Komponisten, Regisseure oder Sportler. Oder sollte man besser sagen, die Stadt spielte für sie eine entscheidende Rolle in ihrem Leben?

Besonderes Interesse galt bei der Lektüre den Schriftstellern, worunter sich Namen wie Kafka, Brod und Reinerová versammeln. »Prag lässt nicht los«, schrieb der junge Kafka, der uns 2015 in Prag auf T-Shirts, Tassen, Magneten und Postkarten begegnet. Das Mütterchen Prag fuhr seine Krallen aus und behielt den vom Schicksal Verfolgten in ihren Krallen, veranschaulicht der Autor dieses besonderen Reiseführers, Norbert Schreiber. Und etwas Wahres ist dran: er wohnte an verschiedenen Orten, ob in der Altstadt oder im Goldenen Gässchen. Erst zum Sterben ließ sie ihn in ziehen, die Stadt des Prager Deutschen, der zu einem Heiligen geworden zu sein scheint, wenn man die Pilger zählt, die das Kafka Museum am linken Moldauufer aufsuchen, um auf seinen Spuren zu wandeln.

Superlativismus, Kevinismus und andere Leiden der deutschen Sprache

von Lucia Christl (28. Dezember 2014)

Andreas Hock befasst sich in seinem Buch Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann? Über den Niedergang unserer Sprache mit Gründen für den progressiven Niedergang des Deutschen. Wer aufgrund des Titels eine kurzweilige, bisweilen ironische Betrachtung diverser sprachschädigender Phänomene erwartet, wird nicht enttäuscht. Wie der Verfasser des Vorworts, Prof. Dr. Hellmuth Karasek, treffend feststellt, enthält das Werk auch lehrreiche Aspekte.

Bei diesen Zusatzinformationen handelt es sich leider zumeist um solche, die der Smalltalk bereichernden Kategorie unnützes Wissen zuzuordnen sind, wie zum Beispiel, dass es das erste Starbucks-Café in Deutschland im Jahr 2002 gab, dass der in bestimmten Bevölkerungsschichten weit verbreitete Name Kevin aus dem Irischen stammt und "anmutig von Geburt an" bedeutet oder dass die erste Mail hierzulande am 03. August 1984 gesendet wurde und – gewissermaßen als Wetterleuchten des durch dieses Medium geförderten orthographischen Verfalls – schon im Betreff Wilkomen einen Rechtschreibfehler enthielt. Apropos sprachliche Unzulänglichkeiten – Hock demontiert sich selbst durch Patzer wie Drehkurz statt des sicherlich gemeinten Drehkreuz auf Seite 37 sowie bereits zu Beginn des zweiten Kapitels mit der Verwendung von Sinn machen, wobei es sich um einen sogenannten false friend aus dem Englischen handelt. Im Deutschen ergibt oder hat etwas Sinn.