Superlativismus, Kevinismus und andere Leiden der deutschen Sprache

von Lucia Christl (28. Dezember 2014)

Andreas Hock befasst sich in seinem Buch Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann? Über den Niedergang unserer Sprache mit Gründen für den progressiven Niedergang des Deutschen. Wer aufgrund des Titels eine kurzweilige, bisweilen ironische Betrachtung diverser sprachschädigender Phänomene erwartet, wird nicht enttäuscht. Wie der Verfasser des Vorworts, Prof. Dr. Hellmuth Karasek, treffend feststellt, enthält das Werk auch lehrreiche Aspekte.

Bei diesen Zusatzinformationen handelt es sich leider zumeist um solche, die der Smalltalk bereichernden Kategorie unnützes Wissen zuzuordnen sind, wie zum Beispiel, dass es das erste Starbucks-Café in Deutschland im Jahr 2002 gab, dass der in bestimmten Bevölkerungsschichten weit verbreitete Name Kevin aus dem Irischen stammt und "anmutig von Geburt an" bedeutet oder dass die erste Mail hierzulande am 03. August 1984 gesendet wurde und – gewissermaßen als Wetterleuchten des durch dieses Medium geförderten orthographischen Verfalls – schon im Betreff Wilkomen einen Rechtschreibfehler enthielt. Apropos sprachliche Unzulänglichkeiten – Hock demontiert sich selbst durch Patzer wie Drehkurz statt des sicherlich gemeinten Drehkreuz auf Seite 37 sowie bereits zu Beginn des zweiten Kapitels mit der Verwendung von Sinn machen, wobei es sich um einen sogenannten false friend aus dem Englischen handelt. Im Deutschen ergibt oder hat etwas Sinn.

Ungeahnte Hinterwelt

von Charlotte Häusler (14. Juni 2010)

Es ist ein voluminöser Wälzer der kuriose, interessante, altbekannte und neue Gerüchte und Geschichten rund um die Bücherwelt versammelt. Jahrelang trägt der deutsche Journalist und Buchautor Rainer Schmitz für sein Lexikon mehr oder weniger Wissenswertes zusammen, nachzulesen unter 1200 Stichwörtern. Eine beachtliche Vielfalt steckt da in dem Werk Was geschah mit Schillers Schädel? Alles was Sie über Literatur nicht wissen. Und auch nicht dingend wissen müssen, denn es handelt sich bei vielem um „schrecklich Unsinniges“.

Von Hausproblemen und anderen Widrigkeiten eines Lebens

von Saskia Lackner (20. Juli 2011)

Er war laut Hermann Kesten ein „höchst ordentlicher, sozusagen gewissenhafter, ja bürgerlicher Bohemien – mild wie ein Bräutigam und zornig wie ein betrogener Freund der Freiheit“. Er saß gerne in Cafés und der frühe Vogel war, nun ja, nicht gerade sein Freund und so begann sein Tag meist auch erst in den späten Abendstunden.

Die Rede ist von Erich Kästner, einer der wenigen Autoren der Kinder und Erwachsene gleichermaßen für sich gewinnen konnte. Dass er sich mit den Kindergeschichten anfangs recht schwer getan hat, erfahren diejenigen, die sich „Vom Kleinmaleins des Seins“ schnappen. Denn für alle, die Kästner entdecken oder wieder entdecken oder vielleicht auch nur weiter entdecken wollen, eignet sich dieses wunderbare kleine, feine Büchlein hervorragend. Tagebucheinträge reihen sich da neben Gedichten, Briefe neben Artikeln. Diese Mischung aus privaten und öffentlichen Texten ist nicht nur äußerst unterhaltsam, sondern bietet auch einen wunderbaren Einblick in Kästners Leben. Doch es handelt sich hierbei nicht nur um eine Sammlung von Originaltexten Kästners, die von Walter Sittler zusammengetragen und in einen neuen Zusammenhang gebracht werden. Hinzu kommen erklärende Texte von Sittler selbst, aber auch von Kästners Zeitgenossen wie zum Beispiel Carl Zuckmayer.