Am Tisch mit Kathrin Röggla 

von Manuel Paß und Philipp Schlüter (06. Oktober 2017)

 

© Manuel Paß

Kathrin Röggla ist keine Autorin, der man ein Verweilen im literarischen Elfenbeinturm vorwerfen könnte. Mit großer Präzision legt sie den Zeigefinger auf die Brüche und Unebenheiten westlicher Gesellschaften, anstatt ihn moralisierend zu erheben, und geht dabei zugleich ästhetisch neue Wege. Für ihr sprach- und medienkritisches literarisches Schaffen wurde Röggla vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Anton-Wildgans-Preis und dem Arthur-Schnitzler-Preis. 2016 erschien ihr neuer Erzählungsband Nachtsendung. Unheimliche Geschichten, im Oktober 2017 wird ihr Text Normalverdiener als Drama am E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg uraufgeführt. Im Rahmen ihrer diesjährigen Poetikprofessur in Bamberg trafen wir Kathrin Röggla zum Interview – ein Gespräch über das Unheimliche,  den Erkenntniswert von Komik und den Begriff des Handelns in einer komplexen Welt.

 

Rezensöhnchen: Frau Röggla, Sie beschäftigen sich regelmäßig mit gesellschaftlich relevanten Themen, ihr Werk macht durchaus den Eindruck einer literature engagée. Zugleich kommen in ihren Werken aber fast ausschließlich Figuren vor, denen die Möglichkeit zu handeln verloren gegangen zu sein scheint.
Wollen Sie mit ihrer Literatur etwas anstoßen – ein Handeln? Ist ein solches Handeln des Subjekts überhaupt noch möglich? Glauben Sie, dass Literatur an den bestehenden Verhältnissen etwas ändern kann?

Kathrin Röggla: Ja, das ist sicher widersprüchlich. Mir fällt eigentlich immer zuerst auf, wo Handlung gerade nicht möglich ist, sie aber vermeintlich behauptet wird. Ich möchte erst einmal herausstellen: Das Handeln ist hier begrenzt oder funktioniert hier nicht. Letztendlich kann es aber nur darum gehen, Handeln wieder herzustellen: Das ist sozusagen der zweite Schritt. Um ins Handeln zu kommen, muss man erst verstehen, was das eigentlich bedeutet und was es nicht bedeuten kann. Was dem womöglich im Weg steht oder wodurch es begrenzt wird.  

Am Tisch mit Herrn Setz

von Marlene Hartmann, Friederike Klett, Manuel Paß, Niklas Schmitt und Lisa Strauß (17. Juli 2016)

 

© Manuel Paß

 

Clemens Setz ist nicht nur Erfolgsschriftsteller, sondern neben seiner zusätzlichen journalistischen Tätigkeit auch noch reger Twitterer und erklärter Grottenolm-Liebhaber. Für seine Prosa wird er regelmäßig mit Preisen geehrt, Leser und Feuilleton lieben ihn trotz, oder gerade wegen seiner oft abseitigen Art zu erzählen. Nach zahlreichen Romanen, Erzählungen und einem Gedichtband erschien Mitte letzten Jahres sein über 1000 Seiten starker Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre. Im Rahmen seiner diesjährigen Poetikprofessur in Bamberg trafen wir den Grazer Autor zum Interview – ein Gespräch über vergessene Wörter, die Kunst des Sammelns und den Wert des Obskuren, über Twitter-Morddrohungen und die Poesie von Computerspielen.

Amore mio

von Niklas Schmitt (4. November 2015)

 

© Niklas Schmitt

Vergangenen Samstag wurde in Darmstadt der Georg-Büchner-Preis an Rainald Goetz verliehen. In seiner Dankrede suchte er die Verbindung zwischen Jugend, Institution, Leben und Schreiben herzustellen.

Vier Tage sind nun schon vergangen, seit Rainald Goetz den wichtigsten deutschen Literaturpreis, den Georg-Büchner-Preis, feierlich in Darmstadt überreicht bekam. Die wichtigsten Feuilletons bis hin zum Lëtzebuerger Journal haben bereits vorgestern ihre Berichte abgeliefert. Die Laudatio von FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube war sogar schon in der Sonntagsausgabe abgedruckt. So schnell geht das im Journalismus. Zuerst passiert was, dann wird drüber berichtet und zum Schluss drüber gesprochen. Debatte. Mir ging das alles zu schnell. Mittlerweile habe ich soweit alles dazu gelesen und versuche mir rückblickend darüber klar zu werden, was denn da los war, mit mir.

Alle Wege führen nach Frankfurt – Impressionen der 67. Frankfurter Buchmesse

 (23. Oktober 2015)

© Katharina Voigt

 

Sieben Redakteure, dreizehn Hallen und unzählige Bücher: Am 16. und 17. Oktober besuchten wir die Frankfurter Buchmesse 2015. Neben etwas Eigenwerbung für das Rezensöhnchen (wir haben ca. 60 Hefte verteilt), konnte jeder von uns neue Kontakte knüpfen, Eindrücke sammeln und das Phänomen „Literatur“ auf sich wirken lassen. Hier könnt  ihr einen Ausschnitt der individuellen Messeeindrücke unserer Redakteure, teils als Überblick, teils als szenenhafter Moment, nachlesen:

Nachrichten von Thomas K.

von Felix Gerhard (29. Juli 2015)

© Guido Apel

Vergangen Samstag fand im Skulpturenpark von Bernd Wagenhäuser der bisher noch einzigartige Tag der Performance statt. Deutlich wurde vor allem, wie vielseitig und lebendig die Bamberger Kulturszene ist. Ein Überblick.

Das Wesen der Performance liegt in ihrer Gegenwärtigkeit. Man kann sie nacherzählen, sie oder ihre Wirkung versuchen zu beschreiben, und doch bleibt sie nicht zu wiederholen. Auch im Wortsinne, also nicht wiederzuholen, herbeizuschaffen, weder im eventuell aufgenommenen Ton- oder Bildmitschnitt und noch viel weniger in einem im Nachhinein resümierenden Text. Junge Menschen mit modernen Kommunikationsgeräten auf Konzerten vergessen das zuweilen, wenn sie den Sänger nur noch durch den kleinen Bildschirm vor ihren doch so viel mehr aufzunehmen bereiten Köpfen wahrnehmen. Was gleich noch einen wichtigen Faktor für das Gelingen einer Performance zeigt: das Publikum. Eine Performance ist nur so gut wie das Publikum, das sie wahrnimmt. Dass manch Künstler es auch dem willigen Kunstliebhaber mit allzu vertrackten Ideen etwas schwer macht, steht auf einem anderen Blatt, das Kunstkenner ausspielen können. Am Samstag jedoch wurde im Skulpturenpark von Bernd Wagenhäuser die Kunst ein wenig von ihrem mit den Jahren zum Klischee gewordenen Image, nur eingeweihte Kunstkenner mit weißem Seidenschal, Nickelbrille und Weißwein etwas anzugehen, befreit und jedem, der wollte, zugänglich gemacht. Wer also nicht da war, ist selbst schuld und dem kann nicht mehr geholfen werden.