Alle Wege führen nach Frankfurt – Impressionen der 67. Frankfurter Buchmesse

 (23. Oktober 2015)

© Katharina Voigt

 

Sieben Redakteure, dreizehn Hallen und unzählige Bücher: Am 16. und 17. Oktober besuchten wir die Frankfurter Buchmesse 2015. Neben etwas Eigenwerbung für das Rezensöhnchen (wir haben ca. 60 Hefte verteilt), konnte jeder von uns neue Kontakte knüpfen, Eindrücke sammeln und das Phänomen „Literatur“ auf sich wirken lassen. Hier könnt  ihr einen Ausschnitt der individuellen Messeeindrücke unserer Redakteure, teils als Überblick, teils als szenenhafter Moment, nachlesen:

Sams in Syrien

von Kevin Dühr

Nach dem in Presse und Rundfunk viel rezipierten Messeauftakt durch Salman Rushdie und seiner flammenden Rede zur Meinungsfreiheit, war die erste Berührung mit der nun allerorts als politisch kategorisierten Messe eine ebensolche. Von den zahlreichen Lesungen am Abend des zweiten Fachbesuchertages zog vor allem die unter dem Namen Zwischen den Zeilen – Eine Stunde Schönheit beworbene Veranstaltung an, bei der in Deutschland namhafte Autoren wie Nora Bossong, Navid Kermani oder Ilija Trojanow Literatur von Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten lasen. Die teilweise in Gefangenschaft lebenden oder bereits verstorbenen Autoren der Texte konnten mit sowohl arabesker Lyrik als auch kraftvoller Prosa beeindrucken und veranschaulichten die Notwendigkeit sowie damit einhergehende Gefahr der Literatur als Sprachorgan für die Unterdrückten.

Weniger politisch, dennoch bunt gemischt ging es anschließend bei Literatur im Römer weiter. Neben dem klugen Witz der neuen Kurzgeschichten Der Wächter von Pankow von Jochen Schmidt, erschienen bei C.H. Beck, stellte auch Feridun Zaimoglu seinen neuen Roman Siebentürmeviertel (Kiepenheuer & Witsch) vor, dessen Hauptfigur in der 1930er Jahren von Deutschland in die Türkei emigriert und auf herausragende Weise den Blick des Ich-Erzählers mit zwischenzeitlichen Eindrücken zahlreicher, fast geisterhaft anmutender Stimmen vereint. Der Autor selbst sagte dazu, es „ströme aus ihm heraus“.

Ströme von Menschenmassen waren es auch, die am nächsten Tag, trotz der immer noch geltenden Fachbesucherbeschränkung, auf dem Messegelände anzutreffen waren. Im Schweinsgalopp ging es mit den Kollegen von Stand zu Stand. Angefangen bei dem in Bamberg ansässigen Magellan Verlag stand ein paar Schritte weiter auch schon der von sechs Rezensentenaugen beäugte Paul Maar verdutzt da, um seine neue Sams-Geschichte Ein Sams zu viel (Verlagsgruppe Oetinger) an den Mann zu bringen. Der Besuch in Halle 3.1 lohnte sich dagegen erst später, um neben den großen Literaturverlagen wie Rowohlt und S. Fischer auf der Bühne des Deutschlandfunks noch einmal Denis Scheck zu lauschen, der ebenso bei der live-Sendung Druckfrisch (ARD) begeistern konnte. Natürlich war damit das ZDF mit Das blaue Sofa nicht weit, um die Messe in ihre ernsthaft politischen Schranken zu verweisen. Guerilla-Aktionen gab es derweil höchstens von Deutschlands erstem Straßenvorleser und dem Rezensöhnchen, um den Fortbestand Bamberger Kritikerkunst zu gewährleisten.

Nach endlosen Meilen und zahllosen grauen Herren im Anzug rief alsbald der Äppelwoi, eine entspannende Lesung sowie letztendlich das Bett, um den Rezensenten eine Pause vom Big Business zu gönnen. Alle lesenden und gelesenen Autoren der Abendveranstaltungen finden sich im Übrigen auf http://www.openbooks-frankfurt.de/ .

 

Freitag unter Fachbesuchern

von Katharina Voigt

Schon erstaunlich, so ein Fachbesucher-Tag: Wenn man als Otto-Normal-Besucher nur überfüllte Gänge kennt, in denen sich bunte Cosplayer, gestresste Familien und allerlei Bücherwürmer dicht an dicht drängen, fühlt man sich an den eigentlichen Messetagen im ersten Moment fast ein wenig einsam. Aber der Schein trügt, es werden nicht nur Buchpreise verliehen und geschäftliche Gespräche geführt! Die Auswahl an Lesungen, Diskussionen und Signierstunden ist an diesen Tagen nicht weniger vielfältig und erweitert sich um Workshops und allerlei Verköstigungsangebote, die natürlich ausschließlich als Basis für ein erfolgreiches Networking gedacht sind!

Alles sehen zu wollen, ist wie immer utopisch. Also muss man auch hier seine Prioritäten setzen: Wir entscheiden uns nach erster Sondierung des Messegeländes, die für sich allein schon mehrere Stunden in Anspruch nimmt, erst einmal die ARD-Zentrale zur Aufzeichnung von „Best of Druckfrisch“ – Buchempfehlungen von Literaturkritiker Denis Scheck anzusteuern. Und hier ist tatsächlich schon der Geist der diesjährigen Buchmesse erkennbar: Er stellt Politisches, wie Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitschs Der Krieg hat kein weibliches Gesicht, natürlich das aktuelle Buch des Deutschen Buchpreisträgers Frank Witzel, Nostalgisches, wie einen Bildband des dritten Grimm-Bruders Ludwig Emil und Kurioses, wie den völlig neuartig konstruierten Roman im Roman S – das Schiff des Theseus von J.J. Abrams und Doug Dorst. Seine Art, zu kritisieren, ist wie gewohnt unterhaltsam und schickt uns mit Freude zurück ins Messetreiben. Hier finden wir an den zahlreichen Ständen – der in diesem Jahr auffallend vielen jungen Aussteller – nun frisch motiviert einen Haufen interessanter Bücher, die wir euch hoffentlich bald alle vorstellen können.

Doch neben all dem Stöberspaß fällt eines auf: Überall ist Politik! Man bemüht sich beispielsweise sehr um Autoren aus dem diesjährigen Ehrengast-Land Indonesien, kehrt aber in Zeiten der PEGIDA- und Flüchtlingsdebatten durchaus auch vor der eigenen Haustür. Im Projekt Frankfurt Undercover treffen sich sogar über 30 Autoren, um Lösungen für aktuelle politische Probleme zu diskutieren. Der hier gemachte Vorschlag, für jeden Euro in der Rüstungsindustrie auch einen Euro für Friedenspolitik auszugeben, wird wohl eher ein fantastisches Konzept bleiben. Klar ist dieses Jahr aber, dass Literatur nicht nur Unterhaltung ist, sondern auch eine Aufgabe hat.

Es mag am Rausch des Bücherduftes oder den schmerzenden Füßen liegen, mit denen wir nach diesem langen und aufregenden Tag wieder ins Hostel fahren – aber ich bin in diesem Moment seltsam erfüllt von der Hoffnung auf die ernsthafte Verbreitung einer Literatur, die endlich wieder etwas bewegen will…

 

Literarisches Allerlei

von Lisa Strauß

Unser erster Messetag (2. Fachbesuchertag), morgens halb zehn in Frankfurt: Jacken an der Garderobe abgegeben, Presseausweis justiert und los ging es – mitten rein ins Getümmel der weltweit größten Buchmesse. Zur Einstimmung erst einmal zum Bamberger Magellanverlag, bei dem Kinder- und Jugendbuch Programm ist und ein Plüschwal das geschäftige Treiben überwacht. Gleich nebenan, am Stand der Verlagsgruppe Oetinger, begrüßt uns der „Vater des Sams“. Paul Maars aktuelles Buch „Ein Sams zu viel“ erzählt das neueste Abenteuer rund um Wunschpunkte und Co. Überall emsiges Treiben, (literarischer) Austausch zwischen Kaffeeduft und Bücherregalen.

Über den Messeplatz zwischen dem Lesezelt und diversen kulinarischen Angeboten hindurch, ging es dann zum ARD Forum. Auf der Fernsehbühne gaben sich Autoren und Literaturkritiker nacheinander das Mikrofon für Interviews in die Hand: Denis Scheck lobte die durchgängig gute Qualität der Thriller von Sebastian Fitzek. (Am 26.10.2015 erscheint mit „Das Joshua Profil“ sein neuester Psychothriller bei Bastei Lübbe.) Der (Theater)Schauspieler Dominique Horwitz schwärmte im Zuge seines Debütkrimis „Tod in Weimar“ (erschienen bei Knaus) über die titelgebende Klassikerstadt.

Schauplatzwechsel: Frank Witzel, der diesjährige Buchpreisträger stand für ein Interview des Fernsehsenders 3sat Rede und Antwort: "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" (erschienen bei Matthes&Seitz) zeichnet sich durch ein Zusammenspiel verschiedener Stile und durch einen Roman im Roman aus.

So schnelllebig das Messetreiben war, so jagte auch ein Highlight das nächste – zufällig bot sich einigen von uns die Gelegenheit eines kurzen Gesprächs mit dem Autor Leif Randt, in dem er uns an seinen persönlichen Messeindrücken teilhaben ließ. Im Rahmen der Initiative „Deutsche Saison in Indonesien“ verbrachte er zwei Monate im diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse. Seine Erlebnisse schildert er sehr anschaulich hier.

An unserem zweiten Messetag, an dem der Buchumschlagsplatz für alle Interessierten seine Tore geöffnet hatte, gab es beinahe kein Durchkommen mehr zwischen all den ausgefeilten Cosplay-Kostümen. Da fand man dann „auf“ dem blauen Sofa des ZDF Zuflucht, wo beispielsweise Alexander Hacke, Gitarrist der Band „Einstürzende Neubauten“, Anekdoten über den romantischen Briefwechsel zwischen ihm und Christine F. (bekannt aus „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) zum Besten gab, wobei die Vorstellung seines Buches „Krach“ (erschienen bei Metrolit) beinahe zur Nebensache wurde. Glücklicherweise zeigte uns der Besuch der diesjährigen Buchmesse, dass Literatur nicht zur Nebensache verkommt und das ist die Hauptsache.

 

Auf der anderen Seite

von Barbara Dietzel (Mitarbeiterin beim Magellan Verlag)

Wie verhält es sich, wenn man sich nicht mit den Massen durch die Hallen treiben lässt?

Anstatt seine Wahrnehmungsfähigkeit zu trainieren, nach Interesse zu filtern und die Vielfalt der einzelnen Stände zu bestaunen, bekommt man als Aussteller nicht wenig vom Trubel und den Ausmaßen der Frankfurter Buchmesse mit. Doch obwohl sich das eigene Sichtfeld auf einen kleinen Teil in einer der Hallen beschränkt und man nahezu den gesamten Tag am eigenen Stand verbringt, sind auch hier die Begegnungen nicht weniger abwechslungsreich. Von Autoren über Agenten, Buchhändler, aufstrebende Schriftsteller und die, die es werden wollen, bis hin zu Familien oder aufwendig verkleideten Cosplay-Anhängern – es ist die bunte Mischung, die im Gedächtnis bleibt.

Am Stand bedeutet dies abwechslungsreiche Aufgaben. Dabei gilt es, auf die unterschiedlichsten Menschen einzugehen, Fragen zum Verlagsprogramm zu beantworten, aber auch bei Lesungen der eigenen Autoren den Bücherverkauf zu organisieren. Bei Letzterem sind es vor allem die strahlenden Kinderaugen, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Denn hier erhält man den wahren Lohn für die Arbeit, die in den Werken steckt. Es ist schön zu sehen, wie das Endprodukt beim (kleinen) Leser ankommt. Noch schnell ein Foto mit dem Verlagsmaskottchen hier, noch Informationen über Leseexemplare da. Schon müssen die Werbemittel verteilt werden. Dass dazwischen immer wieder Komplimente zur Besonderheit des Programms kommen, macht stolz. Diese Möglichkeit des persönlichen Austausches und der Rückmeldung gibt es eben nur auf der Buchmesse.

Und obwohl man am Ende des Tages nur wenige Quadratmeter genauer betrachten konnte, fühlt es sich an, als hätte man ein Stück Welt gesehen.

Eins steht fest: Die Mischung macht's – auf beiden Seiten.

 

Wie geht es dir denn hier, auf der Leipziger Buchmesse? – Die Krux des Interviewens

von Laura Ott

Eben noch auf hochgestellten Zehen über die Schulter meines Vordermannes auf die klitzekleine Bühne guckend, auf der gerade Frank Witzel über sein preisgekröntes Buch witzelt, neigt sich mein Kopf aus einer unergründlichen Intuition heraus nach links, sodass mein Blick auf den Typen neben mir fällt. Braune Haar, Prinzenbob, Adidas Jacke, Anzughose. Ist er das nicht? Nein. Oder? Schnell hat Tessa ihr Handy gezückt und sucht ein aktuelles Bild von Leif Randt heraus. Er ist es. IST DAS NICHT UNSERE CHANCE?

Wie wildgeworden, denn der Schriftsteller setzt sich in Bewegung, kämpfen Tessa, Lisa und ich uns durch die dampfenden Menschenmengen, immer im Visier: Den Schriftsteller, der da einfach so frei herumläuft. Oh Mann, denke ich, wir befinden uns tatsächlich im Schmelztiegel der Literaturszene, Autoren zum Anfassen. Plötzlich bleibt Leif Randt stehen. Wir stürmen auf ihn zu: Tschuldigung, bist du Leif Randt? Wir haben jetzt eigentlich gar keine Fragen vorbereitet, aber wir würden dich trotzdem gerne fragen (weil es sich gerade anbietet und du so gut aussiehst, aber das denken wir uns nur): Naja, wie geht es dir denn so auf der Leipziger Buchmesse? Das wir ja eigentlich auf der Frankfurter stehen, ist dann auch schon egal, eigentlich ist es ja sowie so dasselbe und eigentlich fühlt sich Leif Randt auch gerade gar nicht so wohl hier. Der köchelnde Schmelztiegel der Literatur ist für ihn wohl eher ein zu aufwendig gestaltetes, schlechtes Zirkusprogramm, das die Verkaufspotential zum Stargast hat. Tessa, Lisa und ich? Wir nicken ehrfürchtig. Das haben wir uns auch schon gedacht, sagen wir. Als er weg ist, fahren wir mit unserem Marsch fort und vertiefen uns in Interviews mit Charlotte Roche, Jenny Erpenbeck, Ilija Trojanow und Rafik Schami, hören so ziemlich immer die gleichen Fragen und fast immer die gleichen Antworten und fallen abends müde ins Hostelbett. Ob ich froh bin, dabei gewesen zu sein? Auf jeden Fall!

 

Messenexzerpt

von Tessa Friedrich

Ich weiß auch nicht so recht, wie ich es geschafft habe, dann doch so früh aus dem Bett zu kommen. Die Neue im Zimmer, die gestern mitten in der Nacht noch ihr Bett bezog, hat ja schon ordentlich Krach gemacht, aber die anderen von uns sind ja sogar noch früher losgezogen. Nein, also sieben Stunden zum Tüten, Taschen und Beutel schleppen reichen mir vollkommen. Wie auch immer. Notiz an mich: Das nächste Mal nehmen wir gleich die S-Bahn und nicht den Fußweg zum Messegelände.

So, erst mal Jacken und unnötigen Kram an der Garderobe abgeben. Sieht ja schon aus wie am Flughafen, mit diesen Laufbändern. Und bevor man überhaupt anfängt, danach zu suchen, drückt einem ein freundlich lächelnder Herr ein Programmheft in die Hand. „Die schönsten Bücher 2015“ in Halle 4.1. Klingt schon mal gut, und eine Ausstellung von antiquarischen Büchern ist da auch noch mit dabei. Wollen wir da hin? Okay, ähm, Mordor, Gandalf, liegt das links oder rechts?

Puh, gleich mal ein riesiger Stand von Suhrkamp. Mit diesen Unmengen an Büchern, die ja nur der Optik dienen, schade. Am liebsten würde ich mich wahllos bedienen.  Aber halt! Charlotte Roche ist jetzt am FAZ-Stand in Halle 3.1! Da wollten wir doch auch hin! Okay, wieder aus Halle 4.1 raus, die Rolltreppe hoch, am Klett-Cotta-Stand vorbei und… ah, die reden grade über die Darstellung von Sex in ihrem neuen Roman. Wer hätte das gedacht. „Ich signiere auf alles!“, sagt sie. Alles klar.

Die Atmosphäre beim Fachbesuchertag hat auf jeden Fall etwas. Überall Menschen mit Wollmänteln, Fliegen und Hornbrillen, die mit einem Kaffee an einem kleinen, runden Tisch sitzen und literarische Pläne schmieden. Unser Plan, ein kleiner Rezensöhnchen-Stand gegenüber vom Blauen Sofa. Der ist mithilfe eines Baumwolltaschen- und Rucksackturms schnell aufgebaut. Nicht schlecht, finde ich, aber ausbaufähig.

Nach den vielen gewonnenen Eindrücken und Kilometern, die wir zurückgelegt haben, fehlt einem doch die Lust, Frankfurt noch weiter zu erkunden, also zurück ins Hostel. Oh, eine neue Zimmergenossin. Wie, aus Indonesien? Und du bist Autorin? Das ist ja ein Zufall! So kann man auch an neue Rezensionsexemplare kommen. Wieder was gelernt! Dann ist morgen der Besuch der Indonesieninsel der Messe auf jeden Fall ein Muss. In der Hoffnung, dass wir überhaupt so weit kommen, und nicht in den engen Gängen an den Flügeln von Cosplayern hängen bleiben. Gut, noch eine Folge aspekte und dann Licht aus.

P.S.: Falls jemand eine Hausarbeit über Leif Randt schreibt, er selbst sammelt sowas. Also einfach per Mail an ihn senden, er freut sich bestimmt. Und ja, wir sind an Flügeln hängen geblieben.

 

„Der Shit ist heiß, der Held ist hip.“

von Dominik Achtermeier

Die Rede ist von keiner anderen als der literarischen Figur des Sherlock Holmes. 128 Jahre nach der Erfindung durch Sir Arthur Conan Doyle machte die gleichnamige BBC-Serie den Sherlock-Stoff wieder en vogue. Und siehe da: An vielen Verlagsständen der Buchmesse schaute es mich an, das Konterfei des Detektivs. Mal als Silhouette mit Hut und Pfeife, mal als Benedict Cumberbatch, der wohl die Rolle seines Lebens in der Verkörperung dieser Figur gefunden hat.

Die Rollen seines Lebens stellte Mario Adorf auf dem Blauen Sofa zwischen Halle 4.1 und 5.1 vor. Schauen Sie mal böse heißt sein in der Livesendung beworbenes Werk, in dem er meist in heiterem und augenzwinkerndem Ton Anekdoten aus seinem Schauspielerleben mit seinen Fans und mit mir, der ich im Publikum unter den Scheinwerfern zu Erröten beginne, teilt. Dabei wurde er, wie er im Gespräch mit ZDF-Moderatorin Luzia Braun zugibt, nicht für jede seiner Rollen gefeiert. Dass er als Bösewicht Santer 1963 Winnetous Schwester Nscho-tschi erschoss, verärgerte viel Fans auch noch Jahrzehnte später.

Nicht verärgert, sondern erfreut war Kinderbuchautor Paul Maar, als wir Redakteure uns mit ihm am Stand der Oetinger Verlagsgruppe (Halle 3.0) bekannt machten. Er lud uns ein, sich mal in Bamberg zu treffen, wenn man doch schon gemeinsam in der schönsten Universitätsstadt Deutschlands lebt und arbeitet.

Mit Studenten aus der zumindest zweitschönsten Unistadt haben wir uns am Stand der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig in Halle 4.1 connected. Beim Literatur-Memory besiegten wir sie und staubten als Gewinn sogar noch Bücher ab. So etwas nennt man dann wohl eine Win-Win-Situation.

Von der Präsentation des Gastlands Indonesien in der ersten Etage des Forums hatte ich mir irgendwie mehr versprochen. Meditationsmusik die Müde macht und Dunkelheit: Kein Wunder, dass die Messebesucher hier auf den Sitzgelegenheiten einschliefen. Wenn die Niederlande und Flandern nächstes Jahr aufschlagen, steigt bestimmt eine tosende Oranje-Party wie am Koningsdag im Amsterdamer Grachtenmeer. Auf dem Innenhof der Messe Frankfurt stimmte ich mich mit Katharina während einer Miesmuschelverkostung bereits auf 2016 ein.

Fazit:

Insgesamt drehte ich in Frankfurt an 19 Glücksrädern, verteilte 17 Rezensöhnchen-Visitenkarten an Verlagsleute und besuchte sechs Lesungen – ein voller Erfolg. Das war bei der tollen Redaktionsgruppe, die sich zum Verschnaufen und gegenseitigen Verwunden der schmerzenden Füße immer wieder mal zusammen fand, auch nicht anders zu erwarten. Die Flyer, Verlagsprogramme und sonstigen Inhalte meiner Baumwolltaschen, die 20 Kilogramm an jeder Schulter locker packen, trug ich mit letzter Kraft aus den heiligen Hallen heraus. 
Bis zum nächsten Jahr und Tot ziens!

 

© Katharina Voigt