Rezensöhnchens erste LoveLetterConvention
Von Friederike Brückmann (24. Juni 2019)

 


Am 01. und 02. Juni fand die 8. LoveLetterConvetion in Berlin statt. Dem Rezensöhnen wurde die Chance geboten die Veranstaltung erstmals zu besuchen und da konnten wir natürlich nicht Nein sagen. Am Samstagmorgen machte ich, Redaktionsmitglied Friederike, mich also auf den Weg ins weite Berlin, um dieser Convention mal auf den Zahn zu fühlen. Als eine Veranstaltung der romantischen Literatur von Fans für Fans, wird die LLC jährlich seit 2012 abgehalten und die Besucherzahlen und Begeisterung  wachsen stetig.

Die LoveLetterConvention ist eine Mischung aus Meet & Greets, Lesungen, Diskussionsrunden und den heiß begehrten Signierstunden. Zwei Tage lange treffen sich Autor*innen, Verlagsmitarbeiter*innen und Leser*innen, um gemeinsam über Bücher zu fachsimpeln, Trends zu besprechen und den Aufbau eines guten Liebesromans zu untersuchen. Von 9 Uhr bis 18 Uhr wird fleißig diskutiert, geschwärmt und signiert und am liebsten hätte man einen Zeitumkehrer parat, um all die tollen parallel stattfindenden Veranstaltungen besuchen zu können. Vom normalen Liebesroman gibt es auch die Trends zu Dark Romance und New Adult, die verschiedene Altersgruppen und Themen abdecken und die Leser des Liebesromangenres vielseitig ansprechen. Neben den Wunschvorstellungen der großen Liebe, werden nun auch Themen wie Vielfalt, Repräsentation marginalisierter Gruppen und Klischees diskutiert und haben bei mehr als nur einer*m Besucher*in Denkanstöße geliefert. Spiegelbestsellerautorin Laura Kneidl hat beispielsweise eine Podiumsdiskussion mit Autorinnen verschiedener Zielgruppen geleitet; zusammen mit der amerikanischen Autorin T.M. Frazier wurden toxische Beziehungen auseinander genommen und eine weitere Veranstaltung diskutierte das Klischee der Jungfrau in Nöten.

Berührungsängste darf man auf der LLC keine haben, trotz guter Organisation gab es manchmal Staus vor besonders gefragten Veranstaltungen, aber das hat auch seine guten Seiten: So kann man neue Bekanntschaften zu schließen, sich über Bücher austauschen und wer ganz mutig ist, darf auch gerne eine*n Autor*in außerhalb der Veranstaltungen ansprechen, das ist (fast) kein Problem. Außer, wenn es Essen geben soll.

Die LLC stellt auch einen Cateringservice, der sich den Wetterumständen anpasst, sodass es auf dieser LLC einen kleinen Eisstand gab, wo man sich eine Erfrischung holen konnte.

Aufgrund der Strukturierung ist der Tag eines Besucher nicht allzu voll gestopft, mir was es möglich insgesamt 4 Veranstaltungen zu besuchen, die jeweils auf 45 Minuten angesetzt waren, sodass man noch 15 Minuten Zeit für den Raumwechsel und einen kleinen Snack hatte. Die Interviews und Diskussionsrunden waren gut organisiert und sehr informativ, man versuchte nicht nur die Autor*innen und ihre Leser*innen einander näher zu bringen, sondern auch Perspektiven auf Berufsfelder in der Buchbranche zu bieten und die Zusammenarbeit zwischen Blogger*innen und Verlagen zu stärken. In einer Fragerunde mit Pressevertreterinnen wurden Annahmen wie zeitnahe Rezensionen ausgeräumt (auch spätere Rezensionen können einen positiven Effekt haben), Angst vor negativen Rezensionen genommen und auch der Wunsch nach abwechslungsreichen Inhalten, die gerne in Zusammenarbeit mit den Verlagen entstehen können, geäußert.

Die LLC besticht ebenfalls durch ihr starkes Aufgebot an internationalen Autorinnen, die man nicht einmal auf der Buchmesse finden kann. Durch ein Anmeldeformular können Autor*innen ihr Interesse bekunden und dann wird entweder persönlich oder mit dem Verlag ein Terminplan vereinbart. So können Autorinnen selbst entscheiden, ob sie Teil der LLC sein wollen und man findet auch viele Selfpublisher vertreten.

Die LLC ist eine inklusive, bunte Gruppe an Besucher*innen, die den kleinen Rahmen schätzen. Organisatorin Karin Graßmann sagt, dass sie zusammen mit ihrer Freundin gerne Herausforderungen annimmt und die Convention ins Leben gerufen hat, weil ihnen Eventmanagement Spaß macht und es eine solche Veranstaltung in Deutschland bisher noch nicht gab. Netzwerken ist hierbei der Schlüssel zu einer erfolgreichen, attraktiven Convention und die beiden Organisatorinnen reisen jährlich in die Vereinigten Staaten, um auf der Romance Writers of America Conference Beziehungen zu knüpfen und interessierte Autor*innen nach Deutschland einzuladen.

Anregungen für diese internationalen Gäste bekommen sie durch das Wunschboard, wo Besucher ihre Wünsche für zukünftige Conventions vermerken können, die seit Jahren sorgfältig von den Organisatorinnen ausgewertet und so weit wie möglich umgesetzt werden. Dass der Veranstaltungsort nun endlich auch für Leser*innen mit Einschränkungen zugänglich war, hat eine deutliche Steigerung der Besucher nach sich gezogen. Die anvisierten 1000 Besucher sind es zwar nicht geworden, aber Größe ist kein Faktor der die LLC bestimmt. Vielmehr wird sie für ihr Gemeinschaftsgefühl und Familiarität geschätzt und ein besonderer Zauber entsteht durch die bekannten Gesichter, die man sieht.

Mein Fazit ist, dass die LLC aufgrund ihrer Ausrichtung nicht übergangen werden sollte. Liebesromane sind vielfältiger, tiefer und bewusster geworden und sprechen eine immer größere Zielgruppe an. Wer einmal Abseits der Buchmessen unterwegs sein möchte, sollte sich die LoveLetterConvention auf keinen Fall entgehen lassen.