Interview mit Kiara und Chris Pennart von der Schmökerbox  

von Kimberley Wegner (8. Juli 2019)

© Kimberley Wegner

Ihr liebt Bücher, Merches, Überraschungen und wisst bei all den Neuerscheinungen nicht, welches Buch ihr kaufen sollt? Dann haben wir einen Tipp für euch – die Schmökerbox. Wer und was sich dahinter versteckt, könnt ihr im nachfolgenden Interview mit den beiden Gründern Kiara und Chris erfahren.

Könnt ihr kurz erklären, was die Schmökerbox ist?
Die Schmökerbox ist eine deutsche, monatliche Buchbox, in der ihr jeweils ein Hardcover aus den aktuellen Programmen, drei bis acht dazu passende Geschenke und ein geheimes Goodie findet, das ihr erst auf einer bestimmten Seite öffnen dürft und das direkt im Text vorkommt. Enthalten sind belletristische Titel und ab und an mal ein Krimi oder Thriller.

Wie seid ihr auf die Idee zur Schmökerbox gekommen?    
Ehrlich gesagt haben wir irgendwann begonnen uns zu fragen, wieso es so viele Beauty- und Essensboxen gibt und keine Boxen für Leseratten. Danach haben wir angefangen zu recherchieren und sind auf einige wenige deutsche Buchboxen gestoßen, die aber fast alle eher im Bereich Jugendbuch/Romantasy zu Hause sind. Zu diesem Zeitpunkt ist die Idee zur Schmökerbox entstanden, die für erwachsene Leser sein soll, die sich gerne überraschen lassen, belletristische Literatur lieben und tiefer in das Buch eintauchen möchten. 

Wie groß ist euer Team? 
Momentan besteht unser Team noch aus uns beiden und wir sind beide auch noch in unseren Hauptjobs tätig. Chris ist im Qualitätswesen und Kiara im Online Marketing in einer Agentur. Genau genommen haben wir also zwei halbe Mitarbeiter.  

Kiara, hat dir dein früherer Job im Verlagswesen bei der Umsetzung eurer Idee geholfen? Zum Beispiel bei der Kooperation mit Verlagen?
Ja, auf jeden Fall insofern, dass ich die Strukturen im Verlag schon kannte und wusste, wie Bestellungen etc. gehandhabt werden. Im ersten Monat habe ich tatsächlich zunächst Kontakt zu Verlagen aufgenommen, bei denen ich persönliche Ansprechpartner hatte. Danach habe ich aber angefangen, andere Verlage anzusprechen und das Kontaktnetzwerk zu erweitern.

Und allgemein dazu: wie kam die Kooperation mit den Verlagen und Lesezuckerpartnern zustande? War es schwer Partner zu finden?
Durch viel Kommunikation. Bei manchen Verlagen mussten wir etwas mehr Überzeugungsarbeit leisten, weil das Konzept bei den großen Publikumsverlagen teilweise noch nicht bekannt war. Generell haben wir aber sehr gute Erfahrungen gemacht und die Idee wurde von den meisten sehr positiv aufgenommen. 

Habt ihr alle Bücher, die in euren Boxen sind, vorher selbst gelesen?
Ja, auf jeden Fall. Wir möchten echte Empfehlungen aussprechen, die nur funktionieren, wenn wir die Bücher auch wirklich kennen und gern gelesen haben. Außerdem wählen wir die Goodies immer sehr eng am Buch aus, was ohne Textkenntnis auch nicht möglich wäre.

Wie viele Schmökerboxen liefert ihr pro Monat ungefähr aus?
So ganz genau möchten wir das nicht verraten, aber inzwischen kommen wir nebenberuflich schon langsam an unsere Grenzen. 

Welche Genres bedient ihr? / Wer ist eure Zielgruppe?
Hauptsächlich sind wir in der Sparte Gesellschaftsroman zu Hause, ab und an ist aber auch ein Krimi oder ein Thriller in der Box. Generell beschreiben wir in unseren Produkttexten immer kurz, worum es geht. Damit kann man recht gut einschätzen, ob das Buch einem liegt oder nicht. Unsere Zielgruppe sind alle erwachsenen Leser, die gerne querbeet lesen. 

Was unterscheidet euch von anderen Buchboxen? Zum Beispiel der Bücherbüchse?
Ein Unterscheidungsmerkmal ist sicher das geheime Goodie, das wir so bisher in deutschen Buchboxen noch nirgends gesehen haben. Außerdem haben wir unseren Fokus klar im belletristischen Bereich und sind nicht im Young Adult und Fantasy-Bereich unterwegs. Unsere Boxen orientieren sich stark an dem Buch. Das Thema ist immer auf den Inhalt des Buches abgestimmt und der Inhalt der Box auch. Wir richten also die komplette Box am Buch aus. Andere Boxen legen oft ein Thema fest und der Boxeninhalt richtet sich dann nach dem Thema und nicht nach dem Buch. Wir möchten, dass das Leseerlebnis möglichst durch die Goodies in der Box intensiviert wird.

Wie wählt ihr die Bücher und Themen aus?
Wir schauen die aktuellen Verlagsprogramme durch und fragen die Bücher bei den Verlagen an, die uns interessieren. Oftmals bekommen wir auch Empfehlungen und Tipps von unseren Verlagsansprechpartnern. Aus den Titeln, die wir erhalten, wählen wir unter verschiedenen Gesichtspunkten die Bücher aus. Ist das Thema interessant? Gibt es genug Stoff für Goodies? Ist das Buch zu ähnlich zu den Vormonaten? Sobald wir uns für ein Buch entschieden haben, überlegen wir auf der Grundlage des Inhalts, welches Thema passen könnte. Wir jonglieren also ein bisschen mit Ideen und Wörtern. Manchmal geht das ganz schnell und manchmal dauert es ein paar Tage. 

Wie trefft ihr die Auswahl für eure Goodies? Basiert sie auf bestimmten Kooperationen? 
Die Goodies wählen wir auf Basis des Buchinhalts aus. Dabei suchen wir in vielen Fällen ganz neue Händler, da wir bestimmte Bereiche noch nie gemacht haben. Zum Beispiel mussten wir im Januar erstmal einen Chocolatier finden, damit Pralinen für die Box eingekauft werden konnten. Kooperationen spielen dabei eher keine Rolle, da wir uns immer neu nach dem Text richten. Mit der Zeit hat man aber Händler, die viele Bereiche abdecken und bei denen man oft fündig wird. Bei einigen kaufen wir aber wirklich nur einmal etwas ein, wie z.B. die Haarmaske im August. Es ist also immer wieder spannend zu überlegen, was der Inhalt einer Box sein könnte und jedes Mal ganz individuell.

Woher nehmt ihr die Ideen welche Goodies in welche Box passen würden?
Schon beim Lesen der Bücher notieren wir nebenbei Ideen und Zitate für mögliche Goodies. Dann fangen wir an zu überlegen, was wir anfragen wollen. Manches ist davon realisierbar, einiges stellt sich als zu teuer oder in der Zeit nicht machbar heraus. Generell halten wir aber immer die Augen nach neuen, potenziell guten Goodies und Firmen offen. Dann fallen einem oft direkt Firmen ein, bei denen man schauen oder anfragen kann. 

© Kimberley Wegner

Hat euer persönlicher Geschmack Einfluss auf die Auswahl? 
Die Buchauswahl ist sicher auch subjektiv geprägt. Wenn uns ein Buch nicht gefällt, wandert es auch nicht in die Box. Manche Bücher müssen allerdings trotz toller Geschichten auch aussortiert werden, weil sie keine Grundlage für Goodies hergeben oder nicht ideal zur Zielgruppe passen. Bei den Goodies ist es auch so, dass sie uns generell gefallen sollten, aber hier denkt man noch mehr an die Zielgruppe als bei der Buchauswahl. Privat trinke ich (Kiara) zum Beispiel keinen Tee und es war schon Tee in der Box. Da nimmt man eher auf den allgemeinen Geschmack Rücksicht. 

Habt ihr jemals Beschwerden über den Inhalt einer Box bekommen? 
Beschwerden eigentlich nicht direkt. Es ist immer mal der Fall, dass einzelne Goodies oder auch manche Bücher nicht so gut gefallen, aber da es eine Überraschungsbox ist, wissen eigentlich alle, worauf sie sich einlassen. In ganz seltenen Fällen passiert es auch mal, dass Goodies oder einzelne Bücher beschädigt ankommen. Hier haben wir bisher allerdings immer für Ersatz sorgen können.

Gibt es bestimmte positive oder negative Reaktionen, die euch in Erinnerung geblieben sind?
Negativ wurde (nicht von Kunden) über unser Januarbox diskutiert, was wir persönlich sehr schade fanden. Auf der anderen Seite bekommen wir sehr viele positive Reaktionen von Kunden. Seien es Weihnachtskarten oder kleine Dankeschön-Geschenke, die uns erreicht haben, oder auch nur ein netter Kommentar bei der Bestellung. Am tollsten war allerdings, dass wir zu Weihnachten von zwei Kundinnen eine eigene Schmökerbox mit Büchern und geheimen Goodies bekommen haben. Einfach der Wahnsinn. 

Was ist aus eurer Sicht der Mehrwert einer Bücherbox im Vergleich zu einem einzelnen Buch?
Der Mehrwert ist für uns auf jeden Fall die Vorfreude auf die Box, das Erlebnis, was man durch die Überraschung bekommt, und die intensivere Leseerfahrung. Das hat schon monatlich etwas von einer Wundertüte, so wie man sie als Kind vielleicht hatte. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Empfehlung. Wir übernehmen den Job, die Verlagsprogramme monatlich zu sichten und unseren Kunden eine echte Empfehlung auszusprechen und das sind oft Bücher, die sie laut vielfacher Rückmeldung übersehen hätten und bei denen sie froh sind, dass sie in den Boxen waren. Außerdem hat man durch das geheime Goodie einen größeren Ansporn, das Buch direkt zu lesen und nicht ewig auf dem SUB zu behalten.

Was macht euch am meisten Spaß bei der Schmökerbox?
Eigentlich der Moment, wenn wir sehen, wie die fertige Box bei unseren Kunden ankommt. Es ist einfach ein tolles Gefühl und eine schöne Bestätigung, wenn die Gedanken, die wir uns gemacht haben, gut ankommen. 

Was sind eure Lieblingsbücher?
Chris: Siddharta und ansonsten eher querbeet von Wissenschaft bis Fantasy, Kiara: Anna Karenina, Überredung (Jane Austen), Sturmhöhe, Vom Ende der Einsamkeit und noch so viele mehr…

Drei Worte, die euch am besten beschreiben.
Verrückt, kreativ, liebenswert.

Was ist euer Lieblingsleseplatz?
Kiara: Auf der Terrasse, morgens beim Frühstück, im Bett,
Chris: Im Bett.

Wenn ihr eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürfet: Wer wäre es und warum?
Kiara: Ich glaube, es wäre Audrej Hepburn. Nicht nur ihre Filme haben mich immer begleitet, auch ihr soziales Engagement war beeindruckend und ich denke, dass man viel von ihr und ihrer Einstellung zum Leben lernen könnte. Chris: Bei mir wäre es Leonardo da Vinci, weil ich mir ein Gespräch mit jemandem, der seiner Zeit um so viel voraus war, sehr interessant und lehrreich vorstelle. 

Gibt es Pläne, nach dem Vorbild englischer Buchboxen, auch eine Individualisierung zu ermöglichen?
Ja, die gibt es auf jeden Fall. Momentan reichen unsere Kapazitäten hierfür leider noch nicht, aber wir finden die Idee gut, die Bereiche auszuweiten und z.B. auch eine Krimibox anzubieten. 

Was sind eure Zukunftspläne?
Oh, da gibt es viele… Konkret möchten wir noch nichts verraten, aber es wird sicher in der kommenden Zeit ein paar News geben. 

Vielen Dank für das Interview!