Von Kalligraphie und Ein-Kind-Politik:
Ein Bericht des 2. Chinesischen Filmfests in Bamberg

von Anna Brodmann (10. März 2020)


Es ist, besonders in Franken, eine alte Frage: Heißt es China, Kina oder Schina?
Dank der zweiten Auflage des Chinesischen Filmfests in Bamberg konnte endlich eine Antwort gefunden werden: Das CHINO hat vom 2. bis zum 5. Februar seinen Besuchern spannende Einblicke in die faszinierende Welt des Reichs der Mitte gewährt.

Das 90-köpfige Team des Praxisseminars des Lehrstuhls für Literatur und Medien präsentierte seinen Besuchern ein sehr abwechslungsreiches Programm. Die Spanne an chinesischen Art-House-Filmen reichte dabei vom ruhigen Publikumsliebling An Elephant Sitting Still über dreistündige Familienepen (Bis dann, mein Sohn) bis hin zu spannenden Thrillern wie Feuerwerk am helllichten Tage. Filmisch blieben bei dieser Auswahl keine Wünsche offen, doch die behandelten Themen waren mindestens genauso vielfältig wie die Filmauswahl. Von einer Problematisierung der Pflege behinderter Angehöriger über mafiöse Strukturen in Datong bis hin zu den Auswirkungen der Ein-Kind-Politik und des wirtschaftlichen Aufschwungs auf Familienstrukturen gewährten die gezeigten Werke einen differenzierten, spannenden und immer wieder überraschenden Blick auf die chinesische Gesellschaft. Dabei muss man nicht Sinologie studiert haben, um den zum Teil anspruchsvollen Narrativen folgen zu können. Dank der liebevollen Einführungen (auf Deutsch und Chinesisch) und der Möglichkeit, nach dem Film im Rahmen eines Q&A Fragen stellen zu können, war das CHINO für Besucher aller Kenntnis- und Interessenstände eine sehr zugängliche und unterhaltsame Veranstaltungsreihe.

Ein großes Lob muss dabei dem gesamten Team für die gute Organisation und das engagierte Rahmenprogramm ausgesprochen werden. Von der stimmungsvollen Dekoration des Lichtspiels über zahlreiche spannende Workshops, z.B. in chinesischer Kalligraphie, bis hin zur mentalen Vor- und Nachbereitung des Filmprogramms war die Liebe zum Film und die Faszination für die chinesische Kultur in allen Bereichen des Festivals zu spüren. Dabei kam auch der interkulturelle Dialog mit den zahlreichen Mitgliedern der deutsch-chinesischen Gemeinschaft nicht zu kurz, sodass die Einblicke in eine fremde Kultur für den geneigten Besucher nicht nur auf Filmebene, sondern auch sehr persönlich stattfinden konnten.

Insgesamt kann sich die Stadt Bamberg also durchaus glücklich schätzen, eine so engagierte studentische Gemeinschaft und eine aktive deutsch-chinesische Community zu haben, die ein kleines, aber außergewöhnlich gutes Filmfestival im Alleingang auf die Beine gestellt hat. Es bleibt deshalb nur zu hoffen, dass auch im nächsten Jahr der triste Februar wieder durch spektakuläre Filme aus dem fernen Osten aufgehellt wird.